Andresen: Aufstrebender Standort Oldenburg / „Verlässliche Notfallversorgung im Einzugsgebiet“

Sana-Klinik auf Platz 18

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Oberarzt Jan Klinkenstein, Leiter der Zentralen Notaufnahme, Pflegedirektor Olaf Hambach und Mona Holst, Krankenschwester für Notfallpflege (v.r.) in der vor einem Jahr eröffneten Notaufnahme.

Fehmarn – Von Nicole Rochell Erfolg für die Sana-Klinik Oldenburg. In ihrer Neuauflage der Studie „Deutschlands beste Krankenhäuser“ haben sich das FAZ-Institut und das IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung aus Hamburg Daten zu den über 2200 Krankenhäusern in Deutschland vorgeknöpft. Die Mischung macht‘s: Die Kombination aus offiziellen Qualitätsberichten der medizinischen Einrichtungen gepaart mit emotionalen Daten aus Bewertungs- und Befragungsportalen, die zu gleichen Teilen in die Beurteilung eingingen, ergab ein Ranking, mit dem das Oldenburger Krankenhaus durchaus zufrieden sein kann.

In der Kategorie „50 bis unter 150 Betten“ landete die Sana-Klinik Oldenburg auf Platz 18 von insgesamt 94 gelisteten Krankenhäusern in dieser Rubrik. Im Ranking werden nur diejenigen Häuser ausgewiesen, die zu den top 25 Prozent ihrer jeweiligen Größenklasse gehören. 403 Krankenhäuser wurden ausgezeichnet, darunter auch die Sana-Klinik Oldenburg.

„Wir haben eine tolle Mannschaft. Ich bin stolz auf jeden einzelnen Mitarbeiter“, lobte Hans-Jürgen Andresen, Kaufmännischer Direktor der Sana-Klinik Oldenburg und Fehmarn, erst kürzlich in einem Gespräch, zu dem sich auch Olaf Hambach, Pflegedirektor der Sana-Klinik Oldenburg, Oberärztin Anja Neuwohner, Abteilung Innere Medizin von der Inselklinik Fehmarn, und Oberarzt Jan Klinkenstein, Leiter der Zentralen Notaufnahme (ZNA) Oldenburg eingefunden hatten.

Auf die Mitarbeiter im Haus ließ Andresen nichts kommen. „Sie haben in schlechten Zeiten zusammengestanden“, komplettierte der Kaufmännische Direktor und Prokurist im FT-Gespräch seinen Lobgesang, ließ allerdings offen, ob er nun die Erinnerung an die unbefriedigende Situation in Bezug auf die Notfallversorgung in der Klinik, die Schließung der Geburtshilfe oder personelle Engpässe und daraus resultierende Brandbriefe des Sana-Pflegepersonals und Alarm schlagender Ärzte den schlechten Zeiten zuortnete. Themen, mit denen die Sana-Klinik Oldenburg in der Vergangenheit für Schlagzeilen gesorgt hatte (wir berichteten). 

Das Schiff Sana-Klinik Oldenburg befinde sich auf Kurs. Man sei auf einem guten Weg, versicherte Hans-Jürgen Andresen, der von einem „aufstrebenden Standort Oldenburg“ sowie von einer 120-prozentigen Auslastung und einem Auslastungsgrad von 90 bis 92 Prozent sprach. Auch im Personalbereich sei viel getan worden. Die Zahl der Pflegekräfte sei von 87 in 2018 auf jetzt 120 Stellen angestiegen. Das Haus entwickele sich stetig weiter. Sana habe bereits Geld in die Hand genommen – und es werde weiter investiert, stellte Andresen in Aussicht.

Er erinnerte an die Eröffnung des neuen Bettentraktes 2014 und an die neue Intensivstation, die 2017 eingeweiht wurde und nunmehr über 16 Betten verfügt; über zehn Intensivbetten und sechs IMC-Betten für schwerkranke Patienten. IMC steht für Intermediate Care (Intensivüber- wachungspflege) und stellt das Bindeglied zwischen der Intensiv- und der Normalstation eines Krankenhauses dar. Nicht zu vergessen: Die neue Zentrale Notaufnahme, die am 1. September 2018 nach nur einem Jahr Bauzeit und einer Investition von 1,8 Millionen Euro eingeweiht worden war. 16 Behandlungs- und Untersuchungsplätze (sechs davon mit Monitorüberwachung) mit den modernsten, medizinischen Geräten ausgestattet, gehören zur ZNA. Es gibt mehr Platz im Wartebereich und mehr Stellplätze vor der Notaufnahme, die nun von drei Rettungswagen gleichzeitig angefahren werden könnte. Die Zentrale Notaufnahme ist 24 Stunden an sieben Tagen pro Woche in Betrieb. Die Notfallversorgung (24/7) ist in Oldenburg sichergestellt.

„Die Sana-Klinik Oldenburg ist damit erste Anlaufstelle für Notfälle im nördlichen Teil Ostholsteins“, so Hans-Jürgen Andresen, noch immer stolz auf diese wichtige Zentrale für alle außerplanmäßigen Patienten und Notfallversorgungen. Sein Festgesang auf und sein Bekenntnis zur Notaufnahme wird nicht zuletzt noch immer jenen Ehrengästen aus Politik und Verwaltung, die zum Eröffnungstag erschienen waren, gar lieblich in den Ohren klingen. Denn eingeweiht wurde die Notaufnahme bekanntlich eineinhalb Jahre nachdem die Klinik angekündigt hatte, die Notfallversorgung wegen fehlender Anästhesisten vorübergehend einzustellen. Grund: gescheiterte Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Bereitschaftsdienste. Gesundheitsminister Heiner Garg klinkte sich seinerzeit ein und wies die Klinik an, die Notfallversorgung sicherzustellen.

Die neue ZNA sichere auch für die Zukunft eine verlässliche Notfallversorgung im Einzugsgebiet, hatte sich auch Jan Klinkenstein, leitender Arzt der Not- aufnahme, zum Standort Oldenburg bekannt.

Rund 1600 Notfall-Patienten werden jeden Monat in der Klinik im Oldenburger Mühlenkamp versorgt. Tendenz steigend: „Jedes Jahr kommen 7 Prozent mehr Patienten in die Notaufnahme“, so Oberarzt Jan Klinkenstein. Was neben dem demografischen Wandel und der Tatsache, dass die Menschen immer älter werden und öfter ärztlicher und notärztlicher Hilfe bedürfen, wohl nicht zuletzt der Einstellung vieler Patienten geschuldet sein dürfte. Denn die Mehrheit von ihnen sucht die Notaufnahme eines Krankenhauses auf, obwohl sie auch zum Hausarzt gehen könnte. Da stellt die Oldenburger ZNA keine Ausnahme dar. Viele halten die Notaufnahme für eine 24-Stunden-Arztpraxis, für die man keinen Termin braucht. 

Der ASB Ostholstein übernimmt seit 1977 im Auftrag des Kreises Ostholstein den Rettungsdienst im nördlichen Teil des Kreises. Jetzt mischt der Kreis seit Anfang des Monats mit. Das sorgt für Kritik

Die Notaufnahme: erste Anlauf- und Entscheidungsstelle, wie es für den Patienten, was seine ärztliche Versorgung anbelangt, weitergeht. Geht es zurück in die Obhut des behandelnden Hausarztes, erfolgt eine fachärztliche Untersuchung vor Ort oder ist eine ambulante Aufnahme erforderlich? Eine Tag für Tag neu aufzumachende Rechnung mit etlichen Unbekannten, was Vorausplanung und Kalkulation unmöglich macht. Es kommen fußläufig eintreffende Patienten, Patienten, die eine Überweisung vom Hausarzt haben oder vom Rettungsdienst gebracht werden und ein Bett in der Klinik benötigen. Doch die stehen im Oldenburger 150-Betten-Haus nicht unbegrenzt zur Verfügung. Auch wenn die Verweildauer der stationär behandelten Patienten immer kürzer wird: An manchen Tagen ballt es sich derart, dass die EDV mehr Patienten als Betten aufweist. In dem Fall zieht die Sana-Klinik die Reißleine und meldet sich bei der Leitstelle vom Rettungsdienst ab. Das kann einzelne Stationen, aber auch Funktionen betreffen, beispielsweise wenn ein Intensivbett mit Beatmung benötigt wird oder kein Herzkatheter-Platz mehr frei ist. 

Auch Patienten, die aufgrund ansteckender Krankheiten wie Durchfall oder Erbrechen isoliert untergebracht werden müssen, können die ohnehin oft knappe Betten-Situation noch einmal verschärfen. So muss im Notfall aus einem Drei-Bett-Zimmer ein Einzelzimmer werden, schon um andere Patienten zu schützen. Irgendwann sind die Kapazitäten restlos erschöpft. Sana meldet sich ab, bis die Situation sich wieder entspannt. Eine Abmeldung bei der Leitstelle sei in diesen Fällen notwendig, um die Versorgung der Patienten weiterhin qualitativ hochwertig zu gewährleisten. „Das ist ein normales Vorgehen in allen Kliniken in Deutschland und erforderlich, um die zeitnahe Notfallversorgung aufrechtzuerhalten“, so Sana-Sprecher Michael Hesse.

Einige Rettungssanitäter hatten die eine Zeit lang gehäuften Kapazitätsmeldungen Anfang des Jahres – 31 Stunden hatte die Sana-Klinik Oldenburg vom 6. bis 9. Januar aufgrund saisonal bedingten Aufkommens von Patienten abgemeldet – und zwischen Mitte Juni und Juli schwer kritisiert: Längere Fahr- und weniger Ruhezeiten für die Fahrer, weitere Wege für die Patienten, wenn es ihr gesundheitlicher Zustand gestattete, sie in ein anderes Krankenhaus zu bringen. Dazu die Tatsache, dass einer der beiden Rettungswagen von Fehmarn im Abmeldefall länger unterwegs ist und bei Bedarf nicht zur Verfügung steht. Dann kommt ein Wagen aus Heiligenhafen.

Die hohe Anzahl an Kapazitätsmeldungen – 77 Abmeldungen waren es im Juni und Juli – kommen auch dadurch zustande, weil jeder Kontakt zur Leitstelle mit eingerechnet wird. So beispielsweise auch die Meldung „Melden uns wieder an“, erklärte Jan Klinkenstein.
Was eine Aufstockung der Bettenzahl betrifft, kommt die Einweihung der geriatrischen Tagesklinik im Oldenburger Krankenhaus am Freitag geradezu wie gerufen. Durch ihren Betrieb werden zehn Betten gewonnen, die an anderer Stelle in der Klinik frei werden, so Hans-Jürgen Andresen.

Der ASB Ostholstein, der seit 1977 im Auftrag des Kreises Ostholstein den Rettungsdienst im nördlichen Teil des Kreises durchführt, bekommt es, wie die anderen Hilfsorganisationen DRK, Johanniter-Unfall-Hilfe und Malteser, die den Rettungsdienst im restlichen Kreis abdecken, jetzt mit einem weiteren Mitspieler zu tun. Der Kreis als Träger des Rettungsdienstes in Ostholstein mischt seit Anfang des Monats mit. Mit der teilweisen Rekommunalisierung des Rettungsdienstes durch die Gründung einer Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) zum 1. September waren die Hilfsorganisationen alles andere als glücklich (wir berichteten). „Wir sehen die Gefahr, dass letztendlich der gesamte Rettungsdienst in die Hände des Kreises gelegt werden soll“, hatte Jörg Bochnik, 1. Vorsitzender des ASB-Regionalverbandes Ostholstein, schon früh erklärt. Für den Kreis Ostholstein eine nach wie vor unbegründete Sorge. Es sei nicht geplant, den Hilfsorganisationen den bisherigen Umfang an Rettungsmittelvorhaltestunden zu kürzen oder gar ganz zu streichen, erneuerte eine Sprecherin des Kreises auf FT-Nachfrage.

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