Geräuschloser Abschied: Sonnabend rollt der letzte Zug auf die Fähre

Sang- und klanglos

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Seine Tage auf der Vogelfluglinie sind gezählt: Der Eurocity verkehrt ab 15. Dezember auf der Jütlandroute.

Fehmarn –  Von Andreas Höppner Der Countdown läuft. Nur noch wenige Tage. Wenn am Sonnabend (14. Dezember) zum letzten Mal ein Zug auf eine Scandlines-Fähre rollt und in Richtung Kopenhagen den Fehmarnbelt quert, geht eine jahrzehntelange Ära des Bahnverkehrs zu Ende. Der letzte Eurocity soll um 19.05 in Puttgarden ankommen und um 19.15 Uhr mit der „Prinsesse Benedikte“ ablegen.

Mit Umstellung auf den Winterfahrplan wird der internationale Zugverkehr auf der Vogelfluglinie eingestellt. Ab Sonntag (15. Dezember) geht es dann für den Eurocity von Hamburg über die Jütlandroute in die dänische Hauptstadt. Ursache sind nach Angaben der Deutschen Bahn Bauarbeiten am dänischen Schienennetz, die bereits im Hinblick auf die zukünftige Feste Fehmarnbeltquerung durchgeführt werden (wir berichteten).

Bahn: Nichts weiter geplant

Einen besonderen Abschied für den letzten Zug wird es am Sonnabend nicht geben. Auf Nachfrage teilte die Pressestelle der Deutschen Bahn mit, dass „nichts weiter geplant“ sei. Das Ganze soll also geräuschlos vonstatten gehen. Alle Eisenbahner dürften dem Einschnitt jedoch mit Wehmut entgegensehen. Vor allem aber diejenigen, die sich noch gut an den mit Glanz und Gloria gefeierten ersten Zug, der über die 1963 eröffnete Fehmarnsundbrücke Richtung Norden fuhr, erinnern – etwas mehr als 56 Jahre ist das her.

Und jetzt der sang- und klanglose Abschied des Zugverkehrs über den Fehmarnbelt. Auf Fehmarn ist es der erste wirklich spürbare Einschnitt, der durch den geplanten Bau der Festen Fehmarnbeltquerung ausgelöst wird.

Die Reederei Scandlines bedauert die Entwicklung. Es sei die Entscheidung der Deutschen Bahn und der Dänischen Staatsbahnen, so Scandlinessprecherin Anette Ustrup Svendsen. Seit der Eröffnung der Puttgarden-Rødby-Route im Jahr 1963 hätten die Fähren Züge mit nahezu 40 Millionen Fahrgästen über den Fehmarnbelt transportiert, berichtet Svendsen. „Auch, wenn es nicht immer ganz einfach war, den Zugverkehr mit unseren kurzen Hafenliegezeiten zu kombinieren, und trotz der Tat- sache, dass die schweren Züge eine große Belastung für die einzelne Fähre darstellten, ist es trotzdem etwas merkwürdig, dass wir zukünftig keine Züge mehr befördern werden“, bedauert sie. Für Scandlines geht dadurch auch ein lukratives Geschäft verloren, denn die Zuggäste nutzten den Aufenthalt auf der Fähre auch, um essen oder in den Shops einkaufen zu gehen. Die frei werdenden Kapazitäten – zuletzt verkehrten täglich drei Zugpaare auf der Vogelfluglinie zwischen Hamburg und Kopenhagen – will Scandlines für den Transport von Lkw und Reisebussen nutzen.

Umbauarbeiten auf den Fähren sind nach Angaben der Reederei nicht erforderlich, die Schienen verbleiben auf den Decks aller vier Fähren, sie werden nicht ausgebaut.

Doch nicht nur die Fernverkehrsreisenden werden den Einschnitt auf der Vogelfluglinie zu spüren bekommen. Der Wegfall des Eurocity dürfte auch negative Auswirkungen auf den Nahverkehr haben, denn für viele Pendler bot der Zug die ideale Möglichkeit, mit nur einem Halt in Lübeck schnell in den Norden Ostholsteins zu gelangen. Das ist ab Sonntag vorbei, dann geht es ab Lübeck nur noch mit der Regionalbahn.

Von Hamburg nach Oldenburg benötigt der Eurocity 1:09 Stunden, mit der Regionalbahn dauert es 2:11 Stunden. Bei einer Weiterfahrt bis nach Puttgarden sind die Reisenden mit der Regionalbahn ebenfalls mindestens eine Stunde länger unterwegs. Den internationalen Zugverkehr auf der Vogelfluglinie wird es erst wieder geben, wenn der Fehmarnbelttunnel und die Hinterlandanbindung fertiggestellt sein werden. Damit ist nicht vor 2028 zu rechnen.

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