Saunameister Michael Plambeck verteilt Wasserdampf und Aroma gleichmäßig
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In seinem Element: Saunameister Michael Plambeck verteilt Wasserdampf und Aroma gleichmäßig im Raum.

Aus dem Supermarkt in die Sauna

Saunameister Michael Plambeck brennt fürs Schwitzen im „FehMare“ auf Fehmarn

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Im „FehMare“ auf Fehmarn hat Saunameister Michael Plambeck seine Berufung gefunden. Plambeck kann auf über 3000 Aufgüsse zurückblicken.

  • Saunameister war 20 Jahre im Einzelhandel tätig.
  • 13-tägiger Lehrgang beim Deutschen Sauna Bund.
  • Durch Zufall zum Job in der Sauna gekommen.

Fehmarn – Auf über 3000 Aufgüsse kann er zurückblicken: Die Saunalandschaft im „FehMare“ am Südstrand ist sein Reich. Saunameister Michael Plambeck betreibt seinen Job mit viel Herzblut, war zuletzt sogar Gast des Podcasts „Ostseelauschen“ vom Ostsee-Holstein-Tourismus. Passend dazu gibt es auch ein kurzes Youtube-Video.

Sauna ist Urlaub vom Alltag.

Saunameister Michael Plambeck

Der 41-Jährige, der mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter auf Fehmarn lebt, ist gebürtiger Lübecker und hat seine Berufung gefunden – das wird im Gespräch mit dem FT deutlich. „Arbeit muss begeistern“, ist er überzeugt. Das war in seiner vorherigen Profession leider nicht mehr der Fall. 20 Jahre war Plambeck im Einzelhandel tätig, bevor er auf Reset drückte. „Jetzt verkaufe ich meine Saunakabinen“, hat er die Entscheidung keine Sekunde bereut und freut sich jeden Tag aufs Neue, Menschen für eine Sache begeistern zu können, hinter der er 100-prozentig steht. Denn: „Sauna ist Urlaub vom Alltag“, ist sein Leitspruch.

Immer ein Lächeln auf den Lippen

Wer mit dem Saunieren noch nichts am Hut hat – Michael Plambeck ist die richtige Adresse für Unentschlossene. Er kann begeistern. Ungezwungen und unaufdringlich, freundlich, charmant, ja – herzlich, so wirkt Plambeck im Gespräch, hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Für Neulinge steht er bereit. „Ein Zugang finden, der zu einem passt, sich langsam rantasten“, sind seine sorgsam gewählten Worte. Tipps gibt der Saunameister, der einen 13-tägigen Lehrgang beim Deutschen Sauna Bund absolviert hat, seinen Gästen bereitwillig – wenn es denn gewollt ist. Ebenfalls wichtig: niemals belehrend.

Das einzig wahre Saunieren gebe es sowieso nicht, so der Experte. „Es ist eine individuelle Erfahrung.“ Ein Leitfaden, der beispielsweise Hygieneregeln beinhaltet, gibt eine grundlegende Orientierung, weist auch darauf hin, dass die optimale Zeit für einen Saunagang zwischen acht und 15 Minuten liegt, da der Körper darunter keine Hitze aufbauen kann und somit Muskelentspannung und Stärkung des Immunsystems ausblieben. Dennoch: Die Erholung für die Seele trete natürlich auch unterhalb von sechs Minuten ein, so Plambeck: „Es gibt auch Gäste, die sind 20 Minuten drin. Das muss jeder für sich entscheiden und auf seinen Körper hören.“

Selbst die Platzwahl ist eine bewusste Entscheidung, die jeder für sich treffen muss. Innerhalb der Sauna gibt es ein Temperaturgefälle von 15 bis 20 Grad – je nachdem, ob man weiter oben (wärmer) oder unten (kühler) sitzt, näher zur Glastür (kälteste Temperaturzone), oder in der Ecke.

Auch die Tagesform ist zu berücksichtigen: „Der Mensch ist täglich anders belastbar.“ Jeder kenne das: mal mehr, mal weniger geschlafen, gegessen oder getrunken. Auch das Stresslevel sei nicht immer gleich. Am Ende sollte sich jeder nur ein oberstes Gebot zu Herzen nehmen: kein Stress und kein Druck beim Saunieren.

Abschlagen: Saunameister Michael Plambeck entfernt mit dieser Technik die auf der Haut des Gastes ruhende Haftschicht, damit die Wärme schneller in den Körper eindringen kann.

Was passiert eigentlich in der Sauna? Gäste begrüßen, erklären, welches Aufgussmittel verwendet wird, und wie lange der Aufguss dauert, zählt Plambeck auf. Auch der Hinweis, dass man den Raum jederzeit verlassen könne, gehöre dazu. Dann das Aufbereiten des Aufgusses auf die heißen Steine. Wasserdampf und Aroma werden mit Fächer oder Handtuch gleichmäßig im Raum verteilt. Danach erfolgt das sogenannte Abschlagen mit Fächer/Handtuch (ohne Kontakt). Dabei wird die auf der Haut des Gastes ruhende Haftschicht fortgerissen, um die Wärme in den Körper schneller eindringen zu lassen.

Damit wird im Körper ein künstliches Fieber erzeugt.

Saunameister Michael Plambeck

„Damit wird im Körper ein künstliches Fieber erzeugt“, erklärt der Saunameister, wobei sich die Hauttemperatur etwas zehn Grad erhöht und die Körperkerntemperatur ein bis zwei Grad steigt. Es kommt zur Anregung des Immunsystems und zur Verbesserung der Abwehrkräfte.

Für Michael Plambecks Job ist eine hohe soziale Empathie die halbe Miete. „Stammgäste wollen sich oftmals unterhalten, während Urlauber eher die Ruhe suchen“, versucht er dann einen Ruhepol zu bilden, insbesondere, wenn die Kabine voller ist.

In der Kabine sucht er den Augenkontakt. „Auf Mimik und Gestik achten. Wie geht es dem Gast – was sagt die Körpersprache.“ Das hängt auch mit der Sicherheit des Gastes zusammen. „Wir machen regelmäßige Kontrollgänge. Liegt jemand flach auf der Bank, ohne angewinkelte Beine, spreche ich die Person an.“

Der 41-Jährige schwärmt von seinem Arbeitsplatz, fühlt sich wohl. Dampfbad (45 Grad), Saunarium (65 Grad), eine Sauna auf dem Dach (95 Grad) des „FehMare“ mit Terrasse und nicht zu vergessen die Panorama-Sauna (85 Grad) mit großem Fenster und „einem so tollen Blick direkt auf die Ostsee“. Klein, aber fein sei das Angebot – nicht so anonym. „Wir können mit den Gästen interagieren.“

Das fehlte dem Wahlfehmaraner in seinem Beruf als Kaufmann im Einzelhandel zuletzt immer mehr. „Der Kontakt zum Kunden, ein kurzer Plausch – dafür war irgendwann keine Zeit mehr.“ Mehr Druck und mehr Stress seien an der Tagesordnung gewesen. „Das hat mir Lebensqualität genommen.“

Sie tut mir gut – sie tut meinen Gästen gut.

Saunameister Michael Plambeck

Der Zufall brachte ihn zusammen mit seinem jetzigen Arbeitgeber. Plambeck war der Organisator des Sky-Markt-Laternenumzugs in Burg, der zum Schluss bis zu 2000 Teilnehmer hatte. Und da er selber Saunagänger war, fragte er bei „FehMare“-Geschäftsführer Stephan Pospischil nach Freikarten für die Tombola. Beide kamen ins Gespräch, Plambeck unterstützte den Saunabetrieb letztlich drei Jahre auf 450-Euro-Basis. „Das hat unheimlich viel Spaß gemacht.“ Im Herbst 2018 wird aus Beruf Berufung: der endgültige Wechsel. Plambeck übernimmt in Vollzeit die Saunaleitung, wird Chef eines kleinen Teams. Am Ende eine Entscheidung, die ihn ausgeglichener, zufriedener und ruhiger habe werden lassen. Die Sauna – für Michael Plambeck eine Win-win-Situation: „Sie tut mir gut – sie tut meinen Gästen gut.“

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