SPD-Delegation besucht Reederei / In der Corona-Krise mit Kurzarbeit Arbeitsplätze sichern

Scandlines bleibt bei 100 Prozent

+
Die Scandlines-Spitze um CEO Søren Poulsgaard Jensen (M.) und Geschäftsführer Heiko Kähler mit den SPD-Politikern Sandra Redmann (v.l.), Bettina Hagedorn und Dorothee Martin.

Fehmarn –  Von Andreas Höppner Ohne Frage ist der Blick der Reederei Scandlines nach Leipzig gerichtet, wo das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) ab September die Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss für den Fehmarnbelttunnel verhandeln will. Ein genauer Termin für die Verhandlung der Klage der Reederei lag Heiko Kähler, Geschäftsführer Scandlines Deutschland, jedoch bis Montag noch nicht vor.

  • Bewältigung der Corona-Krise gehört seit Monaten zum Tagesgeschäft
  • Kurzarbeitergeld zur Sicherung der Arbeitsplätze weiterhin nötig
  • Planungen unmöglich
Geht es bei der Entscheidung des BVerwG um eher langfristige Auswirkungen auf den Reedereibetrieb, gehört die Bewältigung der Corona-Krise seit Monaten zum Tagesgeschäft. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind fürScandlines enorm, aber auch für jeden einzelnen Mitarbeiter der Reederei. Folglich stand dieses Thema am Montag im Mittelpunkt der Diskussion beim Besuch der beiden SPD-BundestagsabgeordnetenBettina Hagedorn und Dorothee Martin sowie der SPD-Landtagsabgeordneten Sandra Redman. „Wir finden es großartig, dass Scandlines das Kurzarbeitergeld auf 100 Prozent aufgestockt hat“, ergriff Bettina Hagedorn für die SPD-Delegation das Wort. Das verdeutliche den Respekt gegenüber den Mitarbeitern, „das hat Strahlkraft“.

Heiko Kähler machte deutlich, dass zur Sicherung der Arbeitsplätze das Kurzarbeitergeld auch weiterhin nötig sei. Deshalb habe er die Ankündigung von Arbeitsminister Hubertus Heil, das Kurzarbeitergeld auf 24 Monate ausdehnen zu wollen, positiv aufgenommen. „Das wird diese Woche im Koalitionsausschuss verhandelt, das wäre wirtschaftlich für Scandlines großartig“, hofft Dorothee Martin, die im Mai für Johannes Kahrs in den Bundestag nachrückte und Mitglied des Finanzausschusses ist, auf eine Einigung der Koalitionäre. „Wir haben auch in der Hauptsaison keine Saisonkräfte eingestellt, Mitarbeiter haben auf Urlaub verzichtet“, unterstreicht Kähler das Ziel der Reederei, in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat die Corona-Krise gemeinsam mit den Mitarbeitern zu meistern.

Deutliche Einbußen im Reiseverkehr

Die Einbußen durch die Corona-Krise sind spürbar. Nicht so sehr bei der Fracht, Kähler spricht von einem Minus zwischen fünf bis zehn Prozent, vielmehr beim Reiseverkehr. Die Pkw-Zahlen

erreichten gegenüber dem Vorjahr nur etwa zwei Drittel, bei den Bussen allenfalls ein Drittel, „eher weniger“, machte der Scandlines-Geschäftsführer deutlich. Und auch in den nächsten Monaten würden die Zahlen aus dem letzten Jahr nicht erreicht werden, denn Corona sei nicht vorbei. Das Shopping-Segment laufe hingegen wieder gut, fast schon wie vor Corona-Zeiten, berichtet Kähler.

„Es ist super schwierig, Voraussagen zu machen. Schon zwei bis drei Monate zu planen, das ist unmöglich“, skizzierte Scandlines-CEO Søren Poulsgaard Jensen die Herausforderungen durch Corona. Er versicherte aber, bis auf Weiteres an der Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 100 Prozent festhalten zu wollen.

Landstromzugänge: Martin will unterstützen

Beeindruckt zeigte sich Dorothee Martin von dem Scandlines-Ziel, in Zukunft mit emissionsfreien Fähren über den Fehmarnbelt und von Rostock nach Gedser fahren zu wollen. Voraussetzung: Landstromzugänge auf deutscher und dänischer Seite. Martin sicherte politische Unterstützung zu.

Sandra Redmann lenkte schließlich die Aufmerksamkeit auf die Landespolitik. Hier sei in der vergangenen Woche im Umwelt- und Agrarausschuss auf Antrag der SPD der Umweltminister zu den Riffen im Fehmarnbelt befragt worden. „Mit Wortprotokoll“, so Redmann, die sich konkretere Aussagen des Ministers erhofft hatte. Dessen Verweis auf noch nicht abgeschlossene Untersuchungen der Kieler Christian-Albrechts-Universität hielt sie für wenig hilfreich. Die Landtagsabgeordnete kündigte sodann an, auch im Wirtschaftsausschuss den zuständigen Minister befragen zu wollen. Ob das aber noch vor Leipzig stattfinden könne, wisse sie nicht, so Redmann einschränkend.

Womit wir wieder beim BVerwG und den Klagen wären. Ganz gleich, wie die Richter auch entscheiden werden, für Bettina Hagedorn steht fest, dass die 2007 gefällte Entscheidung für den Bau der Festen Fehmarnbeltquerung unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht noch einmal getroffen werden würde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.