Trotz der rückläufigen Transportzahlen ließen sich der 2. Line Manager Heiko Kähler (l.), Chefkapitän Johannes Wasmuth (Mitte) und Konzernsprecher Frank-Michael Havemann zu einem Lächeln mit Sektglas animieren – auf bessere Zeiten.  Foto: Heiko Witt

Im zweiten Halbjahr deutliche Transportrückgänge, doch die Beltquerung bleibt die größte Sorge

Scandlines von der Krise erfasst

Von Heiko Witt FEHMARN • Der Neujahrsempfang der Reederei Scandlines war nach Jahren des Zuwachses getrübt von sinkenden Transportzahlen.

„2008 war kein einfaches Jahr“, sagte Heiko Kähler, Stellvertretender Line-Manager auf der Linie Puttgarden-Rødby (Vogelfluglinie), vor zahlreichen Vertretern aus der Wirtschaft und dem öffentlichen Leben, „der zeitweise exorbitant hohe Ölpreis, die Konjunkturflaute und nicht zuletzt das Unheil der Finanzkrise, welche durch Spekulationskapitalismus in der Weltwirtschaft angerichtet wurde, haben unübersehbare Spuren hinterlassen.“ In Zahlen gab es ein Minus von über vier Prozent. Es wurden nur noch 6,7 Millionen Passagiere befördert (-4,3 Prozent), bei den Pkw sank die Transportzahl auf 1,7 Millionen (- 4,4 Prozent). „Sowohl der Reise- als auch der Shoppingverkehr blieb damit trotz intensiver Marketingaktivitäten deutlich hinter unseren Erwartungen zurück“, so Kähler.

• Drohende • Konkurrenz durch • die Norweger

Dabei hatte Scandlines zum Halbjahr noch leicht steigende Zahlen ausgewiesen. Im zweiten Halbjahr gab es dann schmerzliche Einbußen. Die Reederei habe im vergangenen Jahr 370 000 Lkw übergesetzt, ein Minus von 4,5 Prozent, wenn man das ganze Jahr betrachtet. Und weit mehr, wenn man nur die zweite Jarheshälfte nimmt.

Es seien 10 000 Schienenpersonenwagen trajektiert worden, hob Heiko Kähler die positive Zahl heraus, das entspreche einem Zuwachs von 20 Prozent. Die im Dezember 2008 gestartete Intercity-Verbindung zwischen Berlin und Kopenhagen werde gut angenommen und habe die Attraktivität der Vogelfluglinie weiter steigern können.

Konzernsprecher Frank-Michael Havemann konnte keine erfreulicheren Zahlen für das Gesamtergebnis von Scandlines bekanntgeben. Das Minus beläuft sich (trotz Eröffnung der neuen Finnland-Route) auf allen neun Routen zusammen bei den Passagieren (17,4 Millionen) auf drei Prozent, bei den Pkw (3,6 Millionen) auf 3,4 Prozent und bei den Lkw (1,8 Millionen) auf 1,6 Prozent.

Line-Manager Heiko Kähler ging auch auf die drohende Konkurrenz durch die norwegischen Reedereien Eidsiva und Bastø Fosen auf der Vogefluglinie ein, die eine befristete Nutzung des neuen Hafens anstrebten, der nach der Fertigstellung der Beltquerung zurückgebaut werden solle. Kähler: „Da gehört schon ein wenig mehr dazu, als diese Linie lediglich zum halben Preis der gegenwärtigen Tarifstruktur angreifen zu wollen.“

Natürlich war auch die Feste Fehmarnbeltquerung wieder Thema. Kähler ging von einer Ratifizierung des Staatsvertrages durch den Bundestag in diesem Jahr aus und sagte: „Ich versichere Ihnen, dass wir nicht schlafen und uns mit dem Szenario einer Festen Beltquerung seit langer Zeit beschäftigen. Unsere Erfahrungen im Wettbewerb mit der Großen Beltbrücke und der Brücke über den Öresund werden uns helfen, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, die den zukünftigen Brückenbetreibern sicherlich nicht gefallen werden.“

„Wir werden diesen Fährverkehr so schnell nicht aufgeben“, sagte auch Frank-Michael Havemann. Er habe über die Aussage von Peter Lundhus von Femern Bælt A/S geschmunzelt, dass die Fähren keine Chance gegen die Brücke hätten. „Das sagt jemand, der unsicher ist“, so Havemann in kleiner Runde.

• „Der Sturm • hat den Namen • Rezession“

Er habe im letzten Jahr nicht geahnt, dass sich hinter dem Horizont ein Sturm zusammengebraut habe. „Der Sturm hat den seltsamen Namen Rezession oder weltweite Wirtschaftskrise“, so der Chefkapitän Johannes Wasmuth. Doch Seefahrt bestehe nun einmal nicht nur aus sanften Brisen und schönem Wetter. Ein überstandener Sturm stärke die Besatzung und schweiße sie zusammen. Wasmuth schloss seine Worte nach dem US-Präsidenten Barack Obama: „Yes we can and there is always a way.“

Auch Heiko Kähler ist fest davon überzeugt, dass es bald wieder aufwärts geht. Er endete seine Rede mit den Worten: „Mit Schulterschluss und einer Riesenportion Anstrengung und Tatendrang werden wir gestärkt aus dem Tal dieser Wirtschaftskrise hervorgehen.“

ft-online/lokales vom 23. Januar 2009

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