367 betroffene Mitarbeiter der deutsch-dänischen Reederei sollen von Stena Line übernommen werde

Scandlines verkauft Frachtgeschäft

FEHMARN - Von Nicole Rochell Die deutsch-dänische Reederei Scandlines hat sich größtenteils von ihrem Frachtgeschäft nach Skandinavien und ins Baltikum getrennt. Übrig bleiben nur noch die Fährlinien Rostock-Gedser, Puttgarden-Rødby und Helsingborg-Helsingør sowie die jetzt noch einzige Frachtroute von Rostock ins finnische Hanko. Die Nachricht über den Verkauf der fünf Routen an die schwedische Reederei Stena Line kam nicht wirklich überraschend. Bereits Mitte Mai hatte sich die Zerschlagung abgezeichnet (wir berichteten).

Betroffen vom Verkauf der Routen Travemünde-Ventspils, Travemünde-Liepaja, Nynäshamn-Ventspils, Rostock-Trelleborg und Sassnitz-Trelleborg sind 367 Scandlines-Mitarbeiter. Das war aus Mitarbeiterkreisen nach einer heute (30. Mai) Morgen kurz anberaumten, internen Sitzung zu erfahren. In der Mitteilung von Scandlines war von „rund 300“ vor allem in Deutschland und dem Baltikum betroffenen Mitarbeitern die Rede. Neben den Linien und Fähren sind im Paket, das Stena Line kaufte, auch die Mitarbeiter enthalten, die zu gleichen Konditionen übernommen werden sollen. „Das ist eine Top-Firma, die die Linien gekauft hat. Es ist beruhigend zu wissen, dass die Mitarbeiter in einen Schoß fallen, wo man sagen kann, dort sind sie gut aufgehoben“, so Betriebsratsvorsitzender Bernd Friedrichs. „Das Positive im Negativen.“ Denn natürlich seien die Mitarbeiter enttäuscht, so Friedrichs. Der ist von den gestern unterzeichneten Vertragsvereinbarungen nicht überrascht. Er habe schon lange damit gerechnet, dass es zur Zerschlagung komme. Zufrieden mit dem gemeinsamen Abkommen, „das den strategischen Zielen beider Unternehmen entspricht“, zeigten sich Stena Line und Scandlines. Die Fährreederei hält die wirtschaftlich attraktiven Routen Rostock-Gedser, Puttgarden-Rødby und Helsingborg-Helsingør und trennt sich mit Ausnahme der Linie Rostock-Hanko von all ihren Frachtrouten. Mit den fünf frachtbasierten Routen wurde übrigens auch der Bordershop im Hafen von Sassnitz an Stena Line verkauft.

In Kooperation mit Scandlines habe die schwedische Reederei Stena Line bereits in der Vergangenheit einen Linienverkehr zwischen Deutschland und Schweden betrieben. Mit den Baltikumsrouten erschließe die Reederei nun einen neuen Markt für sich. „Durch den Erwerb der Routen von Deutschland und Schweden in das Baltikum stärken wir unsere Präsenz im Ostseeverkehr und erweitern unser Angebot für Fracht- und Passagekunden. Unser Ziel ist es, diese neuen Bereiche weiter zu entwickeln, um unseren Kunden noch besseren Service und eine höhere Kapazität zu bieten“, so Gunnar Blomdahl, CEO von Stena Line.

Scandlines will die Personenbeförderung künftig zum Kerngeschäft machen. Im Fokus des Geschäfts der Reederei stünden individuelle Transportmöglichkeiten im Dreieck zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden, geht aus der Pressemitteilung hervor. Zunächst war über eine Veräußerung der Frachtlinie von Rostock ins finnische Hanko an die Reederei Swedish Orient Lines (SOL) spekuliert worden, diese werde jedoch weiterhin von Scandlines bedient, berichtete eine Pressesprecherin des Unternehmens auf Fehmarn24-Nachfrage.

Passagiergeschäft rückt in den Mittelpunkt

„Wir sind stetig bestrebt, unsere strategische Ausrichtung zu optimieren. Unser erklärtes Ziel ist es, Scandlines zukünftig stärker als Passagier-Reederei zu positionieren. Der Verkauf unserer frachtbasierten Routen zu einem wirtschaftlich günstigen Zeitpunkt ist ein logischer Schritt im Zuge dieser Strategie“, so Søren Poulsgaard Jensen, Vorstandsvorsitzender von Scandlines. „Mit der Konzentration auf unsere drei Verkehrsmaschinen und die dazu gehörigen BorderShops werden wir unser Image als Anbieter effizienter und zuverlässiger Verkehrslösungen im Dreieck zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden weiter festigen.“ Um die Zukunft der von Stena übernommenen frachtbasierten Routen ist Scandlines nicht bang: „Wir sind überzeugt davon, dass Stena Line die Zukunft der übernommenen Routen sichern wird. Stena Line verfügt über große Erfahrung im Bereich der Fracht- und Passagier-Schifffahrt in der Ostsee und wir haben über viele Jahre hinweg erfolgreich kooperiert“, so Søren Poulsgaard Jensen an die Adresse des schwedischen Konkurrenten Stena Line. Zum Preis machte er allerdings keine Angaben. Scandlines war im Juni 2007 privatisiert worden und zu je 40 Prozent an die deutsche Allianz Capital und den britischen 3i-Fonds sowie zu 20 Prozent an die Deutsche Seereederei (DSR) gegangen. Der Kaufpreis betrug damaligen Angaben zufolge 1,56 Milliarden Euro. Im Oktober 2010 trennte sich dann die DSR von ihren Anteilen. Scandlines erzielte im Vorjahr nach eigenen Angaben einen Umsatz von 611 Millionen Euro. „Das Abkommen über den Verkauf der Scandlines-Routen an Stena Line steht unter dem Vorbehalt der zuständigen Wettbewerbsbehörden“, heißt es abschließend; das ‚OK‘ der EU-Kartellüberwachung wurde also noch nicht erteilt.

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