Reederei blickt auf das Verfahren in Leipzig vor dem Bundesverwaltungsgericht / Drei zentrale Klagegründe

Scandlines: „Wir sind konkurrenzfähig“

Søren Poulsgaard Jensen im Fährhafen: Im Hintergrund läuft gerade wieder eine Fähre in Puttgarden ein. Daran soll sich, ganz im Sinne des Scandlines-Chefs, auch nach der Fertigstellung des Fehmarnbelttunnels nichts ändern.
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Søren Poulsgaard Jensen im Fährhafen: Im Hintergrund läuft gerade wieder eine Fähre in Puttgarden ein. Daran soll sich, ganz im Sinne des Scandlines-Chefs, auch nach der Fertigstellung des Fehmarnbelttunnels nichts ändern.

Fehmarn –Von Manuel Büchner– Ab dem 22. September werden vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig sieben Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss für den deutschen Teil der Festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ) mündlich verhandelt. Kläger sind die Stadt Fehmarn, eine Einzelperson, der NABU, das Aktionsbündnis gegen eine FFBQ und die drei Reedereien Scandlines, Stena Line sowie Nordö-Link.

  • Für die Reederei Scandlines steht viel auf dem Spiel
  • 30-Minuten-Takt auch während der Bauzeit
  • Reederei gibt nicht auf

Insbesondere für die am stärksten betroffene Reederei Scandlines, die Puttgarden–Rødby durch den Fehmarnbelt befährt, hängt viel von der Entscheidung in Leipzig ab, nicht zuletzt auch für die 1500 Arbeitsplätze auf deutscher und dänischer Seite. „Wenn überhaupt nichts passiert, wird es schwierig für uns“, sagt Scandlines-Chef Søren Poulsgaard Jensen im FT-Gespräch. Er nennt drei zentrale Klagegründe für sein Unternehmen: die nachteilig geplante Zufahrt zum Fährhafen, die Frage der maritimen Sicherheit und der Geländeverlust.

Konkurrent der Reederei plant Fährhafenzufahrt

Zwar werde es eine Straße geben, „keine Totalabriegelung“, aber verwinkelt, mit zwei Rampen und drei Ampeln, so Poulsgaard Jensen. „Wir wollen keine Autobahn in den Hafen“, aber eine gleichberechtigte Anbindung müsse es geben. Man habe Vorschläge unterbreitet, wie es besser gemacht werden könne, stellt Poulsgaard Jensen klar. Er erinnert gleichzeitig daran, dass mit Femern A/S der Konkurrent der Reederei plant – als dänisches Unternehmen auf deutschem Hoheitsgebiet beziehungsweise Scandlines-Gelände – „und das sicherlich nicht in unserem Sinne“. 53000 Quadratmeter Areal, unter anderem wichtig für logistische Abläufe, gehen dem Unternehmen durch den Tunnelbau verloren.

40000 zusätzliche Schiffsbewegungen durch Baustelle des Ostseetunnels

Zurzeit würden jährlich rund 40000 Containerschiffe den Belt queren, dazu kommen etwa 36000 Fährüberfahrten. Femern A/S plane zusätzlich mit rund 40000 Schiffsbewegungen im Jahr während der achteinhalbjährigen Bauzeit, in der der Belt auf 100 Meter Breite in wechselnden Abschnitten abgeriegelt werden müsse, so der Chef des Unternehmens. Für ihn sei eine Simulation der Abläufe dringend geboten, um notwendige Schritte in Sachen Sicherheit zu erkennen. Femern A/S habe dies aber – ohne Begründung – nie in Erwägung gezogen.

Auf See zählt jede Minute

Außer um Sicherheit gehe es für Scandlines auch um Verlässlichkeit. Der 30-Minuten-Takt soll gehalten werden. „Müssen wir ausweichen, kostet das Zeit“, und mit Blick auf die grünen Pläne, in Zukunft mit Strom zu fahren, „zählt auf See jede Minute“, weiß Poulsgaard Jensen, denn auch die Hafenliegezeiten (15 Minuten), dann fürs Laden der Batterien, werde man nicht ändern.

Volumenrückgang wird zu schultern sein

Brisant bleibt, dass der Tunnelplaner, -bauer und -betreiber Femern A/S immer mit der Annahme geplant habe, so Poulsgaard Jensen, dass mit Eröffnung des Tunnels Scandlines die Strecke aufgibt. Vor der Privatisierung der Reederei in 2007 – Eigentümer waren die Deutsche Bahn und der dänische Staat – hätte man sicherlich einfach den Stecker ziehen können. Das Gegenteil ist aber der Fall: „Wir fahren weiter, mit der gleichen Frequenz“, wird der Reederei-Chef nicht müde zu betonen, denn: „Wir sind konkurrenzfähig.“ Zwar gehe er, abgesehen vom Grenzhandel, von einem erheblichen Einbruch aus – Lkw-Sparte minus 50 Prozent, Ferienreisende minus 80 Prozent –, aber eine Konsolidierung der Finanzen, wie durch den Abbau von Krediten in den nächsten acht Jahren, könne den Volumenrückgang schultern.

Studie bescheinigt Scandlines gute Chancen

Dass Scandlines‘ Chancen nicht schlecht stehen, hatte unlängst ein unparteiisches, von den deutschen Planfeststellungsbehörden angefordertes Gutachten des Beraterunternehmens PwC im Mai 2019 bestätigt. „Das unterstützt unsere Bestrebungen“, sagt Søren Poulsgaard Jensen, wenngleich die Studie zu spät in Auftrag gegeben worden sei. „Dadurch ist sie nicht Teil der Planungsunterlagen.“

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