Ehepaar Nowlin aus Seattle reiste seit 14 Jahren auf der "Mahdi" um die Welt, jetzt ist sie zerstört

"Schleswig-Holstein" kollidiert im Belt mit Yacht aus den USA

Becky und Rod Nowlin, 62 und 65 Jahre alt, segelten seit 14 Jahren um die Welt. Doch die Kollision mit der „Schleswig-Holstein“ dürfte bei ihrer Yacht „Mahdi“ einen Totalschaden verursacht haben. Wenigstens blieben beide unverletzt.  Foto: Heiko Witt

Von Heiko Witt PUTTGARDEN  Es war ein Drama, das sich da im Fehmarnbelt abspielte. In der Nacht zu Montag, genau um 3.48 Uhr, kollidierte die deutsche Fähre „Schleswig-Holstein“ mit der amerikanischen Segelyacht „Mahdi“. Die Besatzung der Segelyacht, ein amerikanisches Rentnerehepaar, blieb unverletzt. Es kam mit einem fürchterlichen Schrecken davon und verlor seine gesamte Existenz, nämlich die Yacht.

Die Kollision ereignete sich auf Position 54º33,9N und 011º15,3E – unweit des Bohrturms, der Voruntersuchungen für die geplante Feste Fehmarnbeltquerung vornimmt. Die Fähre krachte backbord in den Rumpf der „Mahdi“, die Yacht kippte auf die Seite. Der Mast brach ab und die Reeling wurde erheblich beschädigt. Das Ehepaar befand sich zu dem Zeitpunkt am Steuerstand in der Kajüte. Die Fähre setzte nach der Kollision sofort ein Beiboot aus, um nach der Besatzung zu sehen. Die Nowlins aus Seattle in den USA konnten mit ihrem kleinen Hund gerettet werden. Das Seenotrettungsboot „Emil Zimmermann“ und ein Boot, das die Bohrinsel bewachte, schleppten die Yacht in den Puttgardener Fährhafen.

Vor vielen Jahren gab es einmal eine Kollision der „Dronning Margrethe“ mit einem Frachter, es sind der Redaktion des Fehmarnschen Tageblatts in 46 Jahren keine Kollisionen mit deutschen Fährschiffen auf der Vogelfluglinie bekannt.

Doch wie konnte es dazu kommen ? Die „Mahdi“ war auf dem Weg von Schweden Richtung Kiel mit Ziel Holland. Sie segelte in der Nacht. Für das Ehepaar Nowlin ist der Kapitän der Fähre schuld an dem Unfall. „Wir sahen die Fähre aus dem Hafen kommen. Doch plötzlich drehte sie auf uns zu. Wir haben keine Idee, warum. Da wir keinen Motorbetrieb hatten, konnten wir nichts mehr machen und sahen die Fähre auf uns zukommen“, sagen die Amerikaner. Die Nowlins beteuern, dass ihr Schiff vorschriftsmäßig beleuchtet gewesen sei. Es seien viele Lichter im Wasser gewesen, so Becky Nowlin.

Nach Ansicht von Rod Nowlin, der früher bei der US-Navy war, ist ihre Yacht vollständig zerstört. Sie soll einen Wert von 400 000 Euro haben. „We expect, the ferry company‘s insurance will cover it“, sagt Rod Nowlin, er geht also davon aus, dass die Versicherung von Scandlines für den Schaden eintritt. Die Yacht ist die gesamte Existenz der Nowlins. Seit 14 Jahren schippern sie auf der „Mahdi“ auf den Weltmeeren umher und bereisten 43 Länder der Erde. „It‘s our house“, sagen sie. Sie waren gerade zurück zur „Mahdi“ gekommen, um einige Sachen abzuholen. Als wir gerade mit ihnen sprechen, läuft im Hintergrund die „Schleswig-Holstein“ ein, die Nowlins versuchen sie zu ignorieren.

Das schlimmste Erlebnis war der Unfall nicht unbedingt für die Nowlins. Am 8. März 2005 wurde die „Mahdi“ an der Küste von Jemen von Piraten überfallen. Rod Nowlin konnte sich nach Berichten im Internet mit einer Shotgun zur Wehr setzen und die Piraten vertreiben.

Scandlines besorgte den Nowlins zunächst einmal zwei Übernachtungen im Hotel Dania in Puttgarden. Danach sollen sie ein Appartement bekommen. Voraussichtlich werden die Nowlins mehrere Wochen auf der Insel bleiben müssen.

Im Auftrag der zuständigen Staatsanwaltschaft Lübeck führen die Bundespolizei See und die Wasserschutzpolizei Heiligenhafen die weiteren Ermittlungen zu diesem Seeunfall. Das Bundespolizeischiff BP 23 „Bad Düben“ wurde zur Aufklärung des Sachverhalts und den Ermittlungen vor Ort eingesetzt.

ft-online/lokales vom 24. August 2009

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