Regionaldeich in Wallnau stark beschädigt

Schlimmste Sturmflut seit zehn Jahren

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Der Regionaldeich in Wallnau ist in Teilbereichen stark in Mitleidenschaft gezogen worden. An einem Deichdurchbruch hat nicht viel gefehlt.

FEHMARN -hö- Es war die stärkste Sturmflut seit 2006, die in der Nacht zu gestern die Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein heimsuchte. Fehmarn hatte noch einmal „Glück im Unglück“ gehabt, wie es Jan Stender, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales der Stadt Fehmarn, am Donnerstagnachmittag in einer ersten Bilanz formulierte. Personen kamen nicht zu Schaden.

Glück im Unglück bedeutet aber auch, dass der Regionaldeich in Wallnau an mehreren Stellen von drei auf einen Meter Breite zusammengeschrumpft ist und ein Deichbruch unmittelbar bevorstand. Anwohner und Stadtvertreter Gunnar Mehnert, der unlängst erst auf die kritische Situation am Deich aufmerksam gemacht hat (wir berichteten), schimpft: „Das muss man gesehen haben, um zu realisieren, dass ein kompletter Deichbruch nur eine Stunde weiteren Sturmes und Hochwassers entfernt war. Meine schlimmsten Befürchtungen sind leider eingetreten.“ Mehnert fordert umgehend ein Handeln des zuständigen Küstenschutzministeriums und des Ministers Robert Habeck (Grüne).

Dieser meldete sich am Nachmittag zu Wort und teilte mit, dass der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) den Regionaldeich in Wallnau in den kommenden Tagen auf einer Länge von rund 300 Metern einer Sofortsicherungsmaßnahme unterziehen werde. Im Bereich Puttgarden sei es zudem zu kleineren Ausspülungen gekommen, die im Rahmen der planmäßigen Instandhaltung behoben würden. Habeck hält fest: „Die Wehrhaftgkeit der Landesschutzdeiche ist weiterhin gegeben.“

Mindestens 100000 Euro Schaden

Glück im Unglück ist zudem gleichbedeutend mit einem von der Stadtverwaltung und dem Bauhof überschlägig geschätzten Schaden in Höhe von 100000 Euro, den das Hochwasser verursacht haben könnte, wobei die Kosten für die Reparatur des Regionaldeichs bei Wallnau das Land trägt. Möglicherweise ist der Schaden aber auch noch größer. So teilte Bürgermeister Jörg Weber am Abend in der Sitzung des Tourismusausschusses mit, dass sämtliche Stromkästen im Jachthafen abgesoffen seien, sie möglicherweise ersetzt werden müssten und sich somit der entstandene Sachschaden weiter erhöhen könnte.

In Teilen sei das Wasser über den Deich gegangen, berichtet Jan Stender. Deichanlagen zwischen Püttsee und Westerbergen seien stark aufgeweicht und in Teilen gesperrt worden, teilt das Küstenschutzministerium mit.

Nach Angaben von Jan Stender wurden um Fehmarn Wasserstände von rund 1,65 Meter über dem mittleren Wasserstand registriert. Der Scheitel des Hochwassers sei bereits Mittwochabend gegen 21.30 Uhr erreicht worden und damit rund drei Stunden früher, als zunächst vom Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie vorhergesagt. In Schleswig-Holstein wurde der höchste Pegelstand mit 1,77 Meter über mittlerem Wasserstand in Flensburg gemessen.

In welchem Umfang es auf Fehmarn Sandverluste an den Stränden in Meeschendorf oder am Südstrand gegeben hat oder gar Dünen beschädigt wurden, konnte die Stadtverwaltung gestern noch nicht mitteilen. Eine genauere Bestandsaufnahme soll heute durch die Mitarbeiter des Bauhofs erfolgen, denn erst bei einem niedrigeren Wasserstand dürfte das ganze Ausmaß der Schäden ermittelt werden können.

Probleme mit dem Hochwasser hatten ab Mittwochabend die tiefergelegenen Ortsteile wie Fehmarnsund, Westerbergen, Lemkenhafen oder die Häfen von Orth und Burgstaaken. Hier habe der Bauhof noch zusätzliche Sandsäcke bereitgestellt, damit Anwohner ihr Hab und Gut schützen konnten. Mehrere Straßensperren seien erforderlich gewesen, so Stender, der mit weiteren Mitarbeitern der Stadtverwaltung und der Führungscrew der Gemeindewehr den Einsatz des Bauhofes und der Freiwilligen Feuerwehren koordinierte.

In Westerbergen Keller vollgelaufen

Als das Schlimmste überstanden zu sein schien, mussten die Einsatzkräfte am Morgen auch noch zusätzliche Hilfe in Westerbergen leisten. In der Ferienhaussiedlung waren zahlreiche Keller vollgelaufen, da das Wasser nicht ablaufen wollte, so Stender. In Westerbergen wie auch in Burgstaaken hatte aufgrund der Hochwasserlage zeitweilig der Strom abgestellt werden müssen. Für die Schleswig-Holstein Netz AG teilte Mirko Sadowski mit, dass die Station Burgstaaken gestern um 8.30 Uhr wieder in Betrieb genommen werden konnte. Und auch Westerbergen sollte nach Ablauf des Wassers wieder ans Netz gehen.

Mit einem blauen Auge davongekommen ist der Fährhafen Puttgarden. Nach Mitteilung von Scandlines-Geschäftsführer Heiko Kähler konnte der Fährverkehr auch nachts aufrechterhalten werden. Befürchtungen, der Parkplatz am Bordershop könnte überschwemmt werden und das Wasser in die Lagerhallen fließen, seien glücklicherweise nicht eingetreten. „Bis zur Hafenkante waren noch zehn Zentimeter Platz.“

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