Dimension der umstrittenen Anlage im Inselwesten nimmt Konturen an – IG will Klageweg beschreiten

Schweinemast in ganz großem Stil

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Die Dimension der Schweinemastanlage zwischen Petersdorf und Schlagsdorf nimmt immer mehr Gestalt an.

FEHMARN -hö- Vor den Toren Petersdorfs wird kräftig gebaut. Kräne prägen im Schatten des Kirchturms der St.-Johannis-Kirche die Szenerie. Der Betrachter fühlt sich fast an Heiligenhafen erinnert, wo auf dem Steinwarder mehrere Hotels aus dem Boden gestampft werden. Im Inselwesten geht es aber nicht um ein touristisches Projekt, sondern um eine große Schweinemastanlage mit Güllebehältern und Futtersilos sowie eine Windkraftanlage.

Im Juli war durch das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) die Genehmigung für das Projekt erteilt worden, nachdem sich zuvor das Verfahren durch Anhörungstermine in die Länge gezogen hatte. Die eigentliche Dimension des umstrittenen Projektes ist aber erst durch die Bauarbeiten in den vergangenen Tagen und Wochen deutlich geworden.

6 708 zusätzliche Mastplätze

Zwei Mastställe mit zusätzlichen 6 708 Mastplätzen lassen die in der Gemarkung Schlagsdorf liegende Anlage auf vier Ställe mit insgesamt 10 500 Mastplätzen anwachsen. Drei große Futtersilos, die das Sonnenlicht weit sichtbar reflektieren, sind auch schon hochgezogen, während eine Windkraftanlage im Aufbau begriffen ist. Ein großer Erdwall wird zurzeit ebenfalls um das Areal errichtet. Doch damit nicht genug, es entstehen noch zwei Güllebehälter mit einem Fassungsvermögen von 9 436 m³, sodass auf dem Gelände zukünftig 17 600 m³ Gülle gelagert werden können.

Das stinkt vielen Petersdorfern, von denen sich einige zur Interessengemeinsschaft (IG) „Lebenswertes Fehmarn“ zusammengeschlossen haben. Es wurden nicht nur im Inselwesten, sondern auch in Burg Demonstrationen abgehalten gegen die Errichtung der „Schweinefabrik“, wie Günther Schmoranzer von der IG die Anlage bezeichnet. Die Empörung der Projektgegner über die Dimension der Schweinemastanlage ist riesengroß, auf der anderen Seite gibt es vor allem aus Reihen der Landwirtschaft aber auch Verständnis für Falk Voß-Hagen, der seinen Wirtschaftsbetrieb in einer für Schweinezüchter sehr schwierigen Zeit erweitert.

Die SPD Fehmarn hatte erst vor Kurzem einen Beschluss gefasst, in Zukunft die Errichtung weiterer Großmastställe abzulehnen, um den Tourismus auf Fehmarn zu stärken. Doch die Einflussnahme der Kommunalpolitik auf Bauten, die im Außenbereich liegen und nach § 35 Baugesetzbuch (BauGB) unter privilegiertes Bauen fallen, sind gering. Genehmigungsbehörde ist das LLUR, das nach gesetzlichen Vorgaben zu entscheiden hat. Sind diese erfüllt, ist die Genehmigung zu erteilen.

Darauf hatte jüngst der SPD-Landtagsabgeordnete Lars Winter im Rahmen der Mitgliederversammlung der SPD Fehmarn hingewiesen. Heinz Jürgen Fendt, SPD-Fraktionschef in der Stadtvertretung, machte indes deutlich, dass er sich mit Blick auf den „immensen Wasserverbrauch“ solcher Schweinemastställe nicht vorstellen könne, dass Ställe in dieser Größenordnung noch ein weiteres Mal auf Fehmarn gebaut würden.

Die IG „Lebenswertes Fehmarn“ will aber nichts unversucht lassen und „Klage einreichen gegen die Schweinefabrik“. Das hatte Günther Schmoranzer unlängst auf der SPD-Mitgliederversammlung erklärt.

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