Onkolotsin Ulrike Filippig berät und begleitet Krebspatienten und ihre Angehörigen

Die Segel anders setzen

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Offenes Ohr und Informationsquelle: Onkolotsin Ulrike Filippig berät und begleitet Krebspatienten und ihre Angehörigen in Ostholstein. Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann dies unter 01628962418 tun

FEHMARN – Von Manuel Büchner Krebserkrankungen haben weitreichende Auswirkungen auf die Lebensperspektive von Betroffenen und Angehörigen. Die Zahl der Fälle steigt vor allem im Zuge des demografischen Wandels. Die Bekämpfung von Krebserkrankungen und der Umgang mit ihren Folgen zählen dabei zu den großen gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen. Das Onkolotsen-Projekt, das vor wenigen Jahren durch die Sächsische Krebsgesellschaft ins Rollen gebracht wurde, will einen Beitrag leisten: Unterstützung und Beratung, eingebettet in Verständnis und Fürsorge sowie eine kontinuierliche Begleitung – so lässt sich das Ansinnen des Projektes auf einen Nenner bringen. Dazu gehören auch Patientenrechte, Sozialangelegenheiten und Krankassenleistungen sowie das Lotsen durch die komplexen Zusammenhänge des Gesundheitssystems und seiner Abläufe.

Die Wahl-Fehmaranerin Ulrike Filippig ist seit diesem Jahr als Onkolotsin tätig und bietet Sprechstunden nach Terminabsprache in den Räumen der Praxis Ostholstein Onkologie in Oldenburg im Mühlenkamp 5 an. Sie ist unter 0162 8962418 oder per E-Mail an mail@ulrike-filippig.de zu erreichen.

Die Verwaltung der Stadt Fehmarn sei schnell hellhörig geworden, als sie ihr Ansinnen vorgestellt habe. „Man hat mir sofort einen Raum angeboten – aber nur als ehrenamtliche Tätigkeit“, erklärt sie und habe sich über das Unterstützung der Stadt gefreut, aber: „Ich bin freiberuflich tätig, im Ehrenamt ist die Arbeit nicht machbar.“

Was in Schleswig-Holstein gewissermaßen noch in den Kinderschuhen steckt – Filippig ist die einzige Onkolotsin in Ostholstein –, hat seit Beginn des Projektes 2012 in Zwickau fast 100 Onkolotsen in sieben Bundesländern hervorgebracht.

Ulrike Filippig ist aber nicht nur Pionierin in Ostholstein, sondern war auch selbst betroffen. „Während ihrer Erkrankung habe sie viele Betroffene kennengelernt. Schnell sei ihr bewusst geworden: „Die Krankheit braucht Lotsen – damit ist eine ganz wesentliche Arbeit verbunden.“

So war der Impuls nach der Genesung sofort da. „Ich wollte mich einbringen.“ Gesagt, getan: Die Wahl-Fehmaranerin nimmt Kontakt zur Deutschen Krebshilfe auf, deren Psychoonkologen verweisen die in Hannover geborene Frau an die Sächsische Krebsgesellschaft. Filippig nimmt Kontakt mit der Onkolotsin Andrea Krull auf, die bis zu diesem Zeitpunkt als Einzige die Ausbildung absolviert hatte und zugleich in Norddeutschland tätig war. „Sie ist die Schlüsselfigur im Norden, hat das Angebot sozusagen nach hier oben geholt“, betont die Fehmaranerin, die sich im Dezember 2017 für den Qualifizierungskurs angemeldet hat. Im Mai 2018 startete der erste Onkolotsen-Kurs in Schleswig-Holstein.

Wie für so viele Dinge im Leben, muss man auch für diese Aufgabe aus dem richtigen Holz geschnitzt sein. Filippig, die eigentlich Industriekauffrau und Finanzbuchhalterin ist, hat bereits für den Verein Lebenshilfe gearbeitet und auch eine Ausbildung zur Systemischen Familienaufstellung absolviert. Ihr liegt das Soziale, das Miteinander – wenn andere vielleicht schon sagen, das geht mir zu nah.

„Unkompliziert, direkt und zuverlässig“ will sie für onkologische Patienten und Angehörige kurz- oder längerfristige Begleitung bieten. „Für mich ist es zentral, dass die Menschen wissen, was sie erwarten können. Man kann an den Stellschrauben drehen.“ So will Filippig auch das Zitat des griechischen Philosophen Aristotelis auf der Startseite ihrer Homepage (www. ulrike-filippig.de) verstanden wissen: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ Am Ende steht für Filippig die „ganzheitliche Stärkung der Krebspatienten für einen souveränen, eigenverantwortlichen Umgang mit der Erkrankung“.

Hat der erste Jahrgang mit acht Absolventinnen in Schleswig-Holstein gerade seine Arbeit aufgenommen, steht der nächste Kurs in den Startlöchern und wird am 21. März (Donnerstag) in Neumünster beginnen. Bis zum 1. März besteht noch die Möglichkeit, sich zu bewerben und sich über die Ausbildung zu informieren: beides telefonisch bei Andrea Holling vom Medizinischen Praxisnetz Neumünster unter 043216959420 oder bei Andrea Krull per E-Mail an info@onkolotse-nms.de.

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