Bahnhof Burg auf Fehmarn
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Der Bahnhof in Burg wird ab 1. September 2022 bis mindestens 2029 keine Züge mehr sehen.

Vollständige und grundlegende Überarbeitung gefordert

Setzen, Sechs! – Fehmarns Stellungnahme zum Entwurf des künftigen ÖPNV-Plans

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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In einem Jahr geht auf der Schiene zwischen Neustadt und Fehmarn nix mehr. Aussagen dazu gibt es im LNVP keine – auch für die Zeit danach steht im Entwurf nichts Konkretes.

  • Stadt Fehmarn geht mit Landesnahverkehrsplänen hart ins Gericht.
  • Stundentakt Fehmarn-Neustadt ab 2029 wird als Möglichkeit gesehen, verbunden mit hohen Kosten.
  • Verkehrswende nur mit einem starken ÖPNV möglich.

Fehmarn – In knapp einem Jahr beginnt die Zeit des Schienenersatzverkehrs zwischen Neustadt und Fehmarn. Im landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP) für die Zeit zwischen 2022 und 2027 kommt das Thema nicht vor. „Zum Ersatzverkehr steht nicht ein Wort drin“, vermisst Regionalmanager Jürgen Zuch das Bekenntnis zu einem adäquaten und attraktiven Ersatz für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Der Entwurf des sechsten Landesplans ist seit Juni draußen und bleibt auch vage, was die Zeit ab 2029 betrifft. Heute Abend werden sich die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses mit dem Papier befassen und eine Stellungnahme abgeben, die dem Entwurf des LNVP in seiner jetzigen Form deutlich ablehnend gegenübersteht.

Stundentakt ab 2029 nur „wünschenswert“

Und wie sieht es (im optimalen Fall) ab 2029 aus, wenn Schienentrasse und Fehmarnsundtunnel fertig sein sollen? Schneller soll es gehen. Zwischen Hansestadt und Burg ist geplant, die Fahrzeit quasi zu halbieren. Allerdings eher mau wird‘s, wenn man im kommenden LNVP nach der Häufigkeit der Zugfahrten sucht. Zwar wird der Stundentakt auf der Strecke Lübeck-Fehmarn als „wünschenswert“ bezeichnet, aber nicht ohne den Hinweis auf die hohen Betriebskosten von rund vier Millionen Euro pro Jahr für die Taktverdichtung. Für die stündliche Anbindung Fehmarns und des geplanten Regionalbahnhofs Großenbrode-Heiligenhafen gebe es somit nur eine „sehr, sehr vage Aussicht“, schätzt Zuch.

Genau das wird aber von der Region vehement gefordert, stelle die verbesserte Anbindung des Nordkreises doch ein zentrales Argument für den Bau der Festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ) dar, so Zuch. In der Stellungnahme heißt es mit Blick auf den Tunnel, dass der Norden des Kreises weiterhin auf dem „Abstellgleis des ÖPNV“ liege. Und: „Chancen einer CO2-Reduzierung“ würden weiterhin vertan.

ÖPNV muss strukturell und grundlegend verbessert werden

Die Stellungnahme greift unter anderem auch die touristische Anbindung Fehmarns mithilfe öffentlicher Verkehrsmittel auf. Wenn die Rahmenbedingungen im ÖPNV sich nicht strukturell und grundlegend verbessern würden, werde die starke Prägung und Belastung durch den Individualverkehr – sprich Auto – weiter Bestand haben, eine Verkehrswende damit verhindert. Das gleiche Problem bestehe natürlich auch für Berufspendler, Schüler – generell für alle Bürgerinnen und Bürger, so Zuch. Für sie bleibe das Erreichen Fehmarns mit Bahn oder Bus „weiterhin schwierig, zeitaufwendig und damit zum großen Teil aussichtslos“, so der Regionalmanager.

Im Fazit der Stellungnahme heißt es deutlich: „Der Entwurf bedarf einer vollständigen, grundlegenden Überarbeitung.“

Das muss jetzt im LNVP festgeschrieben werden.

Landrat Reinhard Sager (CDU)

Im jüngsten Dialogforum forderte auch Landrat Reinhard Sager (CDU) eine bessere Anbindung: Der Stundentakt nördlich von Neustadt müsse realisiert werden. Dies sei auch im Sinne der Förderung von klimafreundlicher Mobilität. „Die Tatsache, dass dies im Entwurf nicht verbindlich vorgesehen ist, lässt befürchten, dass die Potenziale der FFBQ besonders im Norden des Kreises nur unzureichend genutzt werden.“ Sager: Mit Fertigstellung der Schienenanbindung müsse der Stundentakt verwirklicht werden. „Das muss jetzt im LNVP festgeschrieben werden.“

Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz (FDP) entgegnete Sager in der Sitzung: „Das steht doch drin.“ Eben: „wünschenswert“. Wie heißt es doch gleich? Der Wunsch ist der Vater des Gedankens.

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