Russland will den Öltransport über die Ostsee deutlich erhöhen – Ostholsteiner sind besorgt

Wie sicher ist der Fehmarnbelt?

Über 5000 Öltanker mit bis zu 100000 Tonnen Rohöl an Bord fahren jedes Jahr durch den Fehmarnbelt.

Über 5000 Öltanker mit bis zu 100000 Tonnen Rohöl an Bord fahren jedes Jahr durch den Fehmarnbelt.

Von Peter Löbenbrück

FEHMARN • Die Pläne Russlands, künftig erheblich mehr Rohöl per Tankschiff über die Ostsee zu transportieren, bereiten vielen Menschen in der Region Sorgen. Eine Tankerhavarie vor der Küste Ostholsteins – nicht auszudenken. Nach diversen Umweltverbänden fordert nun auch Ostholsteins CDU-Kreisvorsitzender Ingo Gädechens vor dem Hintergrund einer Erhöhung der russischen Ölexporte über die Ostsee mehr Sicherheit des Schiffsverkehrs im Fehmarnbelt. Unterstützt wird der Fehmaraner dabei vom CDU-Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing, Mitglied im Umweltausschuss und stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises „Küste“ der CDU/ CSU-Fraktion.

90 Prozent der russischen Ölexporte über die Ostsee gehen laut Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) Nord durch den Fehmarnbelt. Rund 1800 der riesigen Tanker mit über 100000 Tonnen Rohöl an Bord schippern jedes Jahr – aus dem Ostseehafen Primorsk kommend – durch die Meerenge zwischen Fehmarn und Lolland, um ihre Fracht bei Skågen (Dänemark) oder in Wilhelmshaven zu löschen. Zählt man die kleineren Tanker mit, die immer noch mehrere zehntausend Tonnen Rohöl fassen, kommt man auf über 5000 Durchfahrten im Jahr.

Nun plant Russland nach der Ölpipeline-Blockade durch seinen weiß-russischen Nachbarn, künftig große Teile des für Westeuropa bestimmten Rohstoffs nicht mehr auf dem Landweg (Druschba-Pipeline), sondern per Schiff über die Ostsee und somit durch den Fehmarnbelt zu transportieren. Der Ölumschlag in Primorsk soll um 45 auf 120 Millionen Tonnen erhöht werden. Dort wurde massiv investiert, zwei neue Terminals sind entstanden.

„Alle diese Transporte gehen an unserer Küste vorbei. Schon jetzt gilt die Ostsee mit dem Fehmarnbelt und der navigatorisch schwierigen Kadettrinne als eines der meistbefahrenen Reviere der Welt. Und Russlands Tanker sind nicht gerade die modernsten“, äußerst sich Gädechens besorgt über die russischen Pläne. In der Tat handelt es sich bei den meisten auf der Ostsee fahrenden russischen Tankern um alte, einwandige Modelle. Erst seit 1996 dürfen nur noch Tanker mit Doppelhülle gebaut werden.

WWF: „Russisches Öl-Roulette“

Umso wichtiger sei es jetzt, so Gädechens, die Überwachung des Schiffsverkehrs zu verbessern und auch über „erweiterte Lotspflichten“ zu sprechen. Liebing kündigte an, dass die Koalitionsfraktionen im Bundestag in Kürze einen gemeinsamen Antrag zu maritimen Fragen vorlegen würden. Darin solle auch der Aspekt der Sicherheit auf See mit dem Thema Lotspflicht in sensiblen Verkehrsbereichen angesprochen werden.

Liebing sitzt außerdem in der Ostseeparlamentarierkonferenz, die in diesem Jahr erstmals in Berlin tagen wird. Auch dort werde das Thema sicherlich eine Rolle spielen.

„Die mit dem Seeverkehr verbundenen Risiken sind durchaus beherrschbar, wenn man sie ernst nimmt. Je mehr Transporte stattfinden, umso mehr müssen auch Sicherungsmaßnahmen getroffen werden. Es ist wichtig, dass dies auf die politische Tagesordnung internationaler Verhandlungen kommt, wenn die russischen Ankündigungen umgesetzt werden sollen“, erklärten Gädechens und Liebing übereinstimmend.

Der Naturschutzverband WWF kritisiert die Pläne als „russisches Öl-Roulette“. Das Risiko einer Ölpest sei zu hoch. Folgenschwere Kollisionen seien zu befürchten. Vor schweren Unglücken im „sehr sensiblen Binnenmeer Ostsee“ warnt auch der Naturschutzbund Schleswig-Holstein. Landrat Reinhard Sager (CDU) spricht von einer „Bedrohung“ für den Kreis.

WSD setzt auf Tanker-Monitoring und Radartechnik

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