Femern A/S sieht von Tunnelbauarbeiten keine Gefahr ausgehen für den Schiffsverkehr

Mit Sicherheitskonzept im Belt auf der sicheren Seite

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Matthias Laubenstein, Bauingenieur Claus Iversen und Sicherheitsexperte Professor Jens Froese (v.l.) halten das entwickelte Sicherheitskonzept für hieb- und stichfest.

FEHMARN -hö- Während der Bauphase des Fehmarnbelttunnels ist zu jeder Zeit nicht nur die Sicherheit des Schiffsverkehrs gewährleistet, es wird auch zu keinen Verzögerungen bei der Passage des Fehmarnbelts kommen – das jedenfalls ist die Überzeugung der Experten, die für die dänische Projektgesellschaft Femern A/S ein Sicherheitskonzept erarbeitet haben, das auch Gegenstand der Planfeststellungsunterlagen ist

Jährlich passieren etwa 40000 Schiffe den Fehmarnbelt, dazu kommt der Fährverkehr zwischen Rødby und Puttgarden mit Überfahrten in ähnlicher Größenordnung. Während der mehrjährigen Bauphase gesellt sich auch noch der Baustellenverkehr hinzu. Gegenüber dem FT erläuterten gestern Professor Jens Froese, Experte für maritime Logistik, Bauingenieur Claus Iversen von Femern A/S sowie Matthias Laubensteiner, Leiter der Planfeststellung bei Femern A/S, das mehrstufige Sicherheitskonzept.

So wird beim Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck in der Verkehrszentrale Travemünde das sogenannte Vessel Traffic Service Center Fehmarn Belt (VTS) installiert. Das VTS ist mit Mitarbeitern der deutschen sowie dänischen Seeschifffahrtsbehörde besetzt und überwacht den Schiffsverkehr im Fehmarnbelt. Zusätzlich gibt es zwei mit deutschen und dänischen Behördenvertretern besetzte Verkehrssicherrungsfahrzeuge, die rund um die Uhr im Fehmarnbelt patroullieren. „Das ist vergleichbar mit der Flugüberwachung am Flughafen“, so Prof. Jens Froese.

Die Koordination des Baustellenverkehrs erfolgt nach Angaben von Claus Iversen in enger Abstimmung mit der VTS und in Zusammenarbeit mit dem Fährbetreiber über die Bauzentrale in Rødby. Die Baustellenbereiche im Fehmarnbelt sind deutlich gekennzeichnet und mit Tonnen abgegrenzt. Laut Matthias Laubenstein gibt es nicht mehr als zwei parallel eingerichtete Baustellen, wobei die Arbeitsbereiche innerhalb der durch den Fehmarnbelt führenden internationalen Schifffahrtslinien kleiner ausfallen als diejenigen, die außerhalb liegen. Für jeden Baumonat sollen für den Fehmarnbelt entsprechende Seekarten herausgegeben werden. Und als letzte Sicherheitsstufe sollen in Notfällen Schlepper zum Einsatz kommen.

Eine Beeinträchtigung des Fährverkehrs wird es nach Auffassung von Prof. Froese so gut wie gar nicht geben, da die Bauarbeiten für den Tunnel östlich der gegenwärtigen Fährverbindung liegen, „allenfalls eine geringfügige Verschiebung nach Westen“ sei möglich. Lediglich für die Landgewinnung westlich Rødbyhavn würden Bauschiffe die Fährroute dicht an Land queren. Eine Beeinträchtigung sei aber auch dadurch nicht zu erwarten, ist der Experte überzeugt.

An die Freizeitschifffahrt ist ebenfalls gedacht worden, für sie soll ein Korridor freigehalten werden, um die Baustelle sicher passieren zu können.

Für den Aushub des Tunnelgrabens und den Bau der Arbeitshäfen werden nach Iversens Angaben 19 Millionen Kubikmeter Sand entnommen. Mit 18 Millionen Kubikmetern Material dient der Löwenanteil der Landgewinnung an der Südküste Lollands. Für die Aufschüttung einer Landfläche zwischen Puttgarden und Marienleuchte sind die übrigen eine Million Tonnen Sand vorgesehen.

Für die Aushubarbeiten wird laut Matthias Laubenstein mit einem Zeitraum von 18 Monaten geplant. Für die Errichtung des Tunnelkiesbetts, die Absenkung der Tunnelelemente und die Verfüllung des Tunnelgrabens kommen noch einmal weitere 38 Monate hinzu. Bei einer Überlappung von zwei Monaten würde sich als reine Bauzeit des Tunnels im Fehmarnbelt ein Zeitraum von 54 Monaten ergeben.

Matthias Laubenstein geht aktuell davon, dass Ende des Jahres der Planfeststellungsbeschluss für den Bau des Fehmarnbelttunnels – wie von Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz angekündigt – gefasst wird. Danach dürfte der Beschluss allerdings beklagt werden. Sollte im Anschluss dann von richterlicher Seite irgendwann grünes Licht erteilt werden und die zwischen Femern A/S und den Baukonsortien geschlossenen Bauverträge greifen, rechnet Matthias Laubenstein mit weiteren 18 Monaten, bis dann die eigentlichen Bauarbeiten zwischen Fehmarn und Lolland starten können.

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