Umgefallen: Bau- und Umweltausschuss kassiert Zustimmung nach 15 Monaten wieder ein

Sinneswandel um dm-Markt

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Arme hoch gegen dm (v.l.): Gunnar Mehnert (WUW), Andreas Herkommer, Gunnar Gerth-Hansen, Bernd Remling, Jörg Josef Wohlmann (alle SPD). Mittendrin Bürgermeister Jörg Weber (3.v.l.), der auch schon glücklicher aussah.

Fehmarn –hö- Seit Donnerstagabend steht der dm-Markt, der im Zuge der geplanten Erweiterung der Edeka- und Aldi-Märkte im Gewerbegebiet Burg-West zusätzlich angesiedelt werden soll, doch nicht mehr auf der Wunschliste der Kommunalpolitik. In der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses gab es bei einer Abstimmung keine Mehrheit pro dm-Markt, stattdessen mit 5:5-Stimmen ein Patt (CDU und FWV sagten Ja, SPD und WUW Nein, die Grünen hatten keinen Vertreter in die Sitzung entsenden können).

Eine rechtliche Relevanz besitzt diese Abstimmung nicht, sie soll den Vorhabenträgern aber die aktuelle politische Stimmungslage verdeutlichen, die wiederum Auswirkungen auf die weiteren Schritte des Bauleitplanverfahrens haben dürfte. Das Sonderbare: Noch vor 15 Monaten hatte der Bau- und Umweltausschuss mit einem Stimmenverhältnis von 7:4 den Daumen in die Höhe gereckt für die Erweiterung der beiden Märkte sowie die Neuansiedlung von dm und folglich den Aufstellungsbeschluss für die 2. Änderung des B-Plans Nr. 60 gefasst.

Innenstadt fürchtet Umsatzeinbußen

Das war das Signal für die Vorhabenträger, mit der Planung loszulegen, und erst vor drei Monaten fand eine Bürgerinfo in der Mensa der Inselschule statt. An diesem Abend hatten vor allem Gewerbetreibende aus der Burger Altstadt große Bedenken gegen die Ansiedlung des dm-Marktes geäußert. Sie befürchten durch den neuen Drogeriemarkt spürbare Umsatzeinbußen im Zentrum.

Warum nun der Rückzieher der Kommunalpolitik? Andreas Guttkuhn, Inhaber des betroffenen Edeka-Marktes am Landkirchener Weg und in der Saison Arbeitgeber von rund 100 Mitarbeitern, nahm in der Einwohnerfragestunde der Ausschusssitzung kein Blatt vor den Mund. Er sieht in einer „von einem Monopolisten aus der Innenstadt“ betriebenen „Verhinderungspolitik“ und ausgeübtem Druck die Ursache für den plötzlichen Sinneswandel in den städtischen Gremien. Und so stellte er die Frage, ob seine „Arbeitsplätze nicht so schützenswert sind wie andere“.

Stellvertretend für die Geschäftsleute der Innenstadt machte Thomas Müller vom Verein Attraktive Burger Altstadt (ABA) deutlich, dass die Innenstadt nichts gegen eine Modernisierung von Aldi und Edeka hätte, den Drogeriemarkt aber ablehne. Er verwies darauf, dass Vertreter von Aldi und Edeka im Januar in einem sogenannten Gespräch am Runden Tisch mit Verwaltung und Politik geäußert hätten, eine Modernisierung könne auch ohne dm-Markt erfolgen.

Daraufhin fing sich Müller einen Rüffel des Ausschussvorsitzenden Andreas Herkommer (SPD) ein, der monierte, dass Müller aus einer internen Sitzung berichtete und die Gesprächspartner hierzu nicht befragt werden könnten.

Lafrentz: Bevölkerung will den dm-Markt

Stocksauer über den Richtungsschwenk der Kommunalpolitik ist Investor Claus-Michael Lafrentz, der gegenüber dem FT verdeutlichte, dass das Gesamtprojekt in der Form ohne einen dm-Markt nicht realisiert werden könne. Lafrentz glaubt zudem, dass die Geschäftswelt der Innenstadt gar nicht so sehr den dm-Markt verhindern möchte, sondern vielmehr das vergrößerte „Nahversorgungszentrum am Ortseingang als solches“. Dabei würde die Bevölkerung den dm-Markt wollen, ist er überzeugt.

Gleichzeitig erinnert er daran, dass das beauftragte Architektenbüro bereits über 1000 Arbeitsstunden in das Projekt investiert habe. Sämtliche Gutachten (Verkehr, Lärmschutz, Boden, Brandschutz) die eingefordert wurden, fußten auf die Realisierung inklusive eines dm-Marktes, berichtet Lafrentz, der das Projekt gemeinsam mit Aldi Nord umsetzen möchte.

Claus-Michael Lafrentz setzt jetzt auf die kommende Sitzung der Stadtvertretung am Donnerstag (21. Februar). Auch sie will eine Entscheidung treffen und sich zum dm-Markt positionieren. „Wenn es nicht durchgeht, machen wir gar nichts“, so Lafrentz reichlich angefressen. Wird so abgestimmt, wie im Bau- und Umweltausschuss, dürfte es wiederum knapp zugehen. CDU und FWV auf der einen sowie SPD und WUW auf der anderen Seite haben jeweils zehn Sitze. Dann käme es auf die Stimmen der Grünen (2) und die Einzelstimme der Liberalen an.

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