Startschuss Tunnelbau Feste Fehmarnbeltquerung Fehmarn Puttgarden
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Heute (29. November) erfolgte der offizielle Startschuss für den Bau der Festen Fehmarnbeltquerung auf deutscher Seite.

2029 soll Eröffnung sein

Spatenstich auf Fehmarn: Offizieller Baustart für den Belttunnel auf deutscher Seite

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Erste Überlegungen für eine Querung zwischen Fehmarn und Lolland gab es in Dänemark bereits 1960. Heute (29. November) erfolgte der Startschuss für den Bau des Fehmarnbelttunnels auf deutscher Seite.

  • Festakt und symbolischer Spatenstich markieren offiziellen Baustart der Festen Fehmarnbeltquerung auf deutscher Seite.
  • Querung stärkt den Schienenverkehr und schafft Arbeitsplätze
  • Jahr für Fertigstellung bleibt 2029, Kostenkalkulation weiterhin 7,1 Milliarden Euro.

Fehmarn – Jetzt wird‘s offiziell. Mit einem kleinen Festakt und einem symbolischen Spatenstich wurde heute (29. November), rund 200 Meter südöstlich von der zukünftigen Tunneleinfahrt, der offizielle Baustart für die Feste Fehmarnbeltquerung auf deutscher Seite begangen. Vorhabenträger und Politik schwärmten vom geplanten 18 Kilometer langen Tunnel. Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, sprach von einem „großen Tag der Freude“ und einer „visionären Idee“, die jetzt umgesetzt werde. Es gebe nur wenige Projekte, in denen man Europa besser wiedererkennen könne, so der CDU-Politiker voll des Lobes.

Deutsch-dänische Spaten für den symbolischen Akt: Mikkel Hemmingsen (v.l.) von der Sund & Bælt Holding, der dänische Verkehrsminister Benny Engelbrecht, Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann, Wirtschaftsminister Bernd Buchholz und Stephan Krenz, Chef der Autobahn GmbH des Bundes, legten.

Der Bundesregierung habe Anfang der 2000er-Jahre bei der Frage, wer baue, der Mut gefehlt – dem „kleinen Dänemark nicht“, erinnerte Ferlemann. Hier große Diskussionen und viele Einwendungen und Baurecht erst seit einem Jahr, drüben großes Befürwortertum, wenige Einwendungen und Baurecht seit 2015, so Staatsekretär sinngemäß. Und auch Landeswirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz (FDP) schmeichelte seinem Gegenüber aus Dänemark. „Danke für den Langmut, den ihr ertragen habt“, blickte er in Richtung dänischen Kollegen, Verkehrsminister Benny Engelbrecht.

Buchholz, der nach eigener Aussage kein Freund von Pathos sei, zeigte sich dennoch ergriffen vom Moment, bezeichnete das Vorhaben als „Jahrhundertprojekt“ und den Spatenstich als „besonderen Tag für die deutsch-dänischen Beziehungen“. Es sei der Baustart für das „zweitwichtigste transeuropäische Verkehrsprojekt nach dem Brennerbasistunnel“, was auch Engelbrecht betonte.

Sie waren immer eine lautstarke Minderheit.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz

An die Adresse der Kritiker und Gegner des Tunnels richtete der Kieler Minister: „Sie waren immer eine lautstarke Minderheit.“ Er hoffe auf einen „Akt der Versöhnung mit dem Projekt“. Kritiker und Gegner wolle er einbinden und verglich den Tunnelbau mit der ablehnenden Haltung vor dem Bau der Fehmarnsundbrücke.

Verkehsminister unter sich: Benny Engelbrecht (r.) und Bernd Buchholz.

Für Engelbrecht und Ferlemann ist das Vorhaben eine Stärkung des Schienenverkehrs und im Sinne des Klimaschutzes. „Wir wollen weniger innereuropäischen Luftverkehr auf der Kurzstrecke. Das geht nur mit der schnellen Schiene“, so Ferlemann während Engelbrecht die 160 Kilometer Ersparnis gegenüber der Jütlandroute ansprach auf einer elektrifizierten Strecke und Vorteile für Güterverkehr und Nachtzüge hervorhob.

Das ist eine riesengroße Chance für die wirtschaftliche Entwicklung, die wir nutzen sollten.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz

„Das ist eine riesengroße Chance für die wirtschaftliche Entwicklung, die wir nutzen sollten“, sagte Buchholz und ergänzte: „Modellrechnungen haben ergeben, dass aufgrund der verbesserten Verkehrsinfrastruktur mit einem Beschäftigungswachstum
allein im Kreis Ostholstein von 600 bis 1110 Arbeitsplätzen zu rechnen ist.“

Zeremonie ohne Fehmarns Bürgermeister

Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber (SPD) konnte aufgrund der kurzfristigen Einladung an der Zeremonie nicht teilnehmen. Auf Nachfrage sagte er heute: „Ich hoffe, dass auf der Baustelle alles reibungslos vonstattengeht und die Belastung für Fehmarn so klein wie möglich bleibt.“ Zudem erinnerte er an die zugesagte Unterstützung und ein offenes Ohr der Vorhabenträger, wenn es zu Problemen käme.

2029 soll der Verkehr durch den Belttunnel rollen 

Aushub des Tunnelgrabens: Arbeitsschiffe sind vor der Küste Fehmarns aktiv.

Seit Juli auf dänischer und seit September auf deutscher Seite hat der Aushub des Tunnelgrabens begonnen. Über 60 Arbeitsschiffe sind im Einsatz. In der Tunnelelementefabrik in Rødbyhavn soll Ende 2023/Anfang 2024 gefertigt werden, damit im gleichen Jahr die ersten der insgesamt 89 Elemente ins Wasser gelassen werden können – immer abwechselnd vom dänischen und deutschen Portal aus. 2029 steht weiterhin als Eröffnungsjahr für die Querung. Das sei ein ehrgeiziges Ziel, für das man die Ärmel hochkrempeln werde, sagte Mikkel Hemmingsen, Aufsichtsratsvorsitzender der Sund & Bælt Holding, zu der Vorhabenträger Femern A/S gehört. Bestand hat auch weiterhin die Budgetkalkulation von 2015 mit 7,1 Milliarden Euro, inklusive eine Milliarde Euro Puffer, um Kostensteigerungen einzufangen. 

Benny & Bernd: Im Cabrio durch den Tunnel

Heute freuten sich jedenfalls die Redner unisono bereits auf die Eröffnung in acht Jahren: Ferlemann, der dann hoffentlich ohne Corona nach Dänemark fahren wolle, und Buchholz sprach gleich eine Einladung aus: „Benny, wir fahren dann im offenen Auto durch den Tunnel.“

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