„Giraffe“ vom 6. bis 9. August in Burg zu sehen / Anna Sofie Hartmann führte Regie

Spielfilm rund um den Belttunnel

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Eine Szene aus dem Film „Giraffe": Die Ethnologin Dara dokumentiert die zum abriss bestimmten Häuser im Zuge der Baustelle auf Lolland.

Fehmarn – wa – Die junge dänische Filmregisseurin Anna Sofie Hartmann hat aus dem Stoff, der Fehmarn und Umgebung seit Jahren beschäftigt – der Bau des Tunnels durch den Fehmarnbelt –, einen Spielfilm gemacht. Der Special-Interest-Film „Giraffe“ spielt auf Lolland. Es geht um eine Ethnografin, die dort aufgrund der Baumaßnahmen für den Tunnel Nachforschungen anstellt – daraus entsteht eine ungewöhnliche Liebesgeschichte.

Ein Tunnel soll gebaut werden, um Dänemark und Deutschland zu verbinden. Die Gegenwart macht sich in Richtung Zukunft auf, Veränderung liegt in der Luft. Die Ethnologin Dara dokumentiert die zum Abriss bestimmten Häuser. Der junge Pole Lucek und seine Kollegen bereiten die kommende Baustelle vor. Käthe arbeitet auf der Fähre, bringt Menschen mit ihren Geschichten und Waren hin und her. Birte und Leif verlassen ihr über Generationen vererbtes Haus. Agnes‘ Leben spiegelt sich in ihren Tagebucheinträgen, ihren Sammlerstücken und den Wänden ihres Hauses, das bald abgerissen wird. Ein dänischer Sommer: lange Tage werden zu Blauen Nächten. Menschen begegnen sich, dann trennen sich ihre Wege wieder.

Im Interview erklärt Regisseurin Anna Sofie Hartmann, wie sie auf die Idee für den Film kam, der eine Art Hommage an Lolland ist: „Die erste Idee für ‚Giraffe‘ kam mir vor einigen Jahren, als ich meinen Abschlussfilm ‚Limbo‘ auf Lolland drehte, der Region in Dänemark, in der ich geboren wurde. Wir waren in einem Bauernhaus untergebracht, das der Eigentümer im Sommer in der Regel an osteuropäische Landarbeiter vermietete. Aber diese Wanderarbeiter sind heute in der dänischen Gesellschaft fast unsichtbar“, bedauert sie und ergänzt: „Ich sehe Lolland als Mikrokosmos der Veränderungen der post- industriellen Welt. Wie in vielen anderen ehemals überwiegend ländlichen Gebieten der westlichen Welt verringern sich die Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten, es gibt eine Entvölkerung, und die engen Gemeinschaften lösen sich auf. Hier muss man sich dann fragen: ‚Wenn ich nicht bleiben kann, wo ich herkomme, wo gehöre ich hin?‘“

Selbstverständlich seien Veränderungen unvermeidlich, „aber ich finde es äußerst faszinierend, wie unsere zunehmende Mobilität und Kommunikation unsere Beziehung zu Gemeinschaft und Familie und dem Ort, an dem wir Leben, verändert hat und wie sich diese Veränderungen auf unsere persönlichen Beziehungen auswirken.“

Auf die Frage nach dem ungewöhnlichen Titel des Films „Giraffe“, in deren Augen die Eröffnungsszene des Films blickt, fällt ihr die Antwort nicht schwer.

Die Giraffe sei eine Kreatur, die ihre Heimat, ihren natürlichen Lebensraum verlassen musste. Ebenso wie die Inselbewohner, die im Film aufgefordert würden, ihre Häuser zu verlassen, um Platz für den Bau des Tunnels zu machen.

Der Film hat bereits im vergangenen Herbst nach seiner Weltpremiere bei verschiedenen Filmfestivals für Aufsehen gesorgt und Auszeichnungen erhalten. „Giraffe“ ist vom 6. bis 9. August im Burg-Filmtheater zu sehen.

Ebenfalls im August kommt der brandneue Film „Berlin Alexanderplatz“, der von Kinoexperten bereits hoch gelobt wurde.

Der Film holt den Stoff des gleichnamigen Ro- mans von Alfred Döblin aus dem Jahr 1929 in die heutige Zeit. Francis ist afrikanischer Flüchtling und gelangt auf illegalem Wege nach Europa. Als sein Boot bei der Überfahrt beinahe sinkt, schwört er, im Falle seiner Rettung ein guter, gesetzestreuer Mensch zu werden. Er überlebt und kommt nach Deutschland.

Seine Mitmenschen machen ihm das Leben als anständiger Bürger in Berlin allerdings nicht leicht. Er trifft auf den Drogendealer Reinhold, der ihn in sein Geschäft hineinzieht und auszunutzen gedenkt. Erst als Francis Mieze begegnet, brechen für ihn weniger düstere Zeiten an, doch so leicht kann er da seiner Vergangenheit schon nicht mehr entkommen. Ein cineastisch spannender August steht also bevor.

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