St. Nikolai Burg auf Fehmarn Kirche
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Die St.-Nikolai-Kirche ist das Zuhause der evangelischen Kirche in Burg auf Fehmarn.

Neuwahlen Ende November

St. Nikolai: Kirchengemeinderat im Umbruch

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Zum Jahreswechsel hat der Kirchengemeinderat der Burger St.-Nikolai-Gemeinde zwei Mitglieder verloren. Mit fünf Personen bleibt er handlungsfähig, sucht aber Unterstützung.

  • Kirchengemeinderat 2016 für sechs Jahre gewählt.
  • Nach zwei Austritten noch fünf aktive Mitglieder.
  • Pastorin Bettina Axt bereits im Gespräch mit Interessierten.

Fehmarn – Im November 2016 wurde der amtierende Kirchengemeinderat (KGR) der evangelischen Kirchengemeinde St. Nikolai auf sechs Jahre gewählt. Seitdem hat es Veränderungen in der Zusammensetzung gegeben – aus unterschiedlichen Gründen. „Sechs Jahre im Ehrenamt sind heutzutage eine lange Zeit“, sagt Pastorin Bettina Axt. Zuletzt haben zwei Mitglieder, Jörg Josef Wohlmann und Bianca Fähnrich-Standfuß, zum Jahreswechsel ihre Ämter niedergelegt. Der Rat, der die Geschicke der Kirchengemeinde leitet, besteht momentan aus fünf Aktiven: Bettina Axt als Vorsitzende und Jutta Paetow als Stellvertreterin sowie Margarethe Heydebreck, Gesine Hansen und Birgit Dührkop. Der Platz von Pastorin Dr. Susanne Platzhoff, die sich noch in Elternzeit befindet, wird frei gehalten.

KGR soll in den nächsten Wochen wieder wachsen

Die angestrebte Mitgliederzahl beträgt zehn. Auch wenn man mit fünf Personen „absolut handlungsfähig“ sei, „wird es unsere Aufgabe sein, in den nächsten Wochen wieder zu wachsen“, so Axt, die bereits im Gespräch mit Interessierten ist. Wer bis zur Wahl des neuen KGR die Arbeit kennenlernen wolle, sei herzlich eingeladen, so die Pastorin. Ein neuer KGR wird am 27. November gewählt, im Frühsommer werden bereits die Wahllisten erstellt.

Liegenschaften saniert und KGR geleitet

Wohlmann, der Weihnachten 2020 und zuletzt mehrere Monate als stellvertretender Vorsitzender den KGR geleitet hat, ist vor fünf Jahren als ehemaliger Bauunternehmer in das Gremium geholt worden – zeitnah als Vorsitzender des Bauausschusses. „Die Liegenschaften waren in einem schlechten Zustand, Sanierungsarbeiten waren total aus dem Ruder gelaufen“, erinnert sich Wohlmann, der nach eigener Aussage auf Tausende von Arbeitsstunden zurückblickt – „immer geprägt von der Liebe zu den Menschen der Kirchengemeinde“. Eine Maxime, die ihm im KGR gefehlt habe. Zudem sei das Gremium nicht ausreichend greifbar für die Öffentlichkeit. „Der KGR sollte dichter dran sein an den Problemen und Sorgen der Menschen – nicht nur für den reinen Verwaltungsakt existieren“, meint Wohlmann.

Wir bräuchten das Geld für die Liegenschaften.

Jörg Josef Wohlmann

Rückblickend unverständlich bleibe für ihn, dass das Gemeindehaus nicht für Trauerfeiern der Kirchengemeindemitglieder genutzt werden könne. „Nicht alle Menschen können sich in privatem Rahmen ein Trauerkaffee finanziell leisten.“ Zweimal sei ein von ihm gestellter Antrag abgelehnt worden. Auch die Ablehnung eines weiteren Antrages könne er bis heute nicht verstehen. Wohlmann wollte über die Synode im Namen der Kirchengemeinde Burg mehr Geld von der Landeskirche in den Klimafonds des Kirchenkreises holen, von dem alle Kirchengemeinden profitieren. „Wir bräuchten das Geld für die Liegenschaften.“ Den fertigen Antrag habe er zurückziehen müssen.

Wir haben jemanden verloren, der wahnsinnig viel geleistet hat.

Pastorin Bettina Axt

Umbau Tafelgebäude, Innenbereich der Kapelle auf dem Neuen Friedhof saniert, altes Pastorat saniert, neues Pastorat kernsaniert samt Neugestaltung des Hofes und Chorraum-Sanitäranlagen, Wasserschäden an Kirchendach, Turm und Sakristei behoben, Elektrik der Kirche erneuert ebenso die Friedhofsbeleuchtung.

Wohlmann war umtriebig – keine Frage. Und so bedauert Pastorin Axt auch seinen Abgang. „Wir haben jemanden verloren, der wahnsinnig viel geleistet hat.“ Und auch für Bianca Fähnrich-Standfuß findet sie lobende Worte: „Sie hat sich sofort eingebracht, sei es für das Format der Kinderkirche oder im Kirchenmusikausschuss.“ Private und berufliche Verpflichtungen, verbunden mit viel Respekt fürs Ehrenamt, würden oft für Zweifel sorgen, ob man sich der Aufgaben annehmen könne.

Fähnrich-Standfuß, die erst Anfang 2021 in den Kirchengemeinderat eingestiegen ist, hat genau diese Frage ziemlich gewurmt. „Ich konnte an Sitzungen nicht regelmäßig teilnehmen“, da Familie und Selbstständigkeit als Inhaberin einer Tanzschule naturgemäß viel Zeit in Anspruch genommen haben. „Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent.“ Zudem seien im Gemeinderat Entscheidungen getroffen worden, die sie persönlich nicht mittragen könne – dies aber nach außen, gegenüber der Kirchengemeinde, als Teil des Rates müsse. Entscheidend für ihren Entschluss: „Ich konnte nicht an den Diskussionen teilnehmen, mich nicht einbringen.“

Corona: Institution Kirche in der Kritik

Generell kritisiert Fähnrich-Standfuß den Umgang der Institution Kirche mit dem Thema Corona. „In der Pandemie hätte die Kirche stärker auftreten müssen, stattdessen hat sie sich von der Politik instrumentalisieren lassen“, zeigt sie sich mit Blick auf das „intensive Werben für Impfungen“ enttäuscht. „Das Haus Gottes war zu allen Zeiten immer für alle Menschen geöffnet“, spielt sie zudem auf die Umstellung der Gottesdienste zu Weihnachten auf 2G an. Das Gefühl, alle seien willkommen, entfalle dadurch. Vielmehr sei die Kirche „in einen Strudel der Angst geraten“, statt „Hoffnung und Glaube in den Vordergrund zu stellen“, so Fähnrich-Standfuß, die auch aus der Kirche ausgetreten ist. „Aber mein Glaube bleibt“, setzt sie viel Hoffnung auf die Jahreslosung aus dem Johannesevangelium: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

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