Der Finanzausschuss bei seiner Sitzung
+
Martin Lincke (2.v.l.) preist im Finanzausschuss das Beteiligungsmodell der SH Netz AG an. Bürgermeister Jörg Weber, Kämmerer Mario Markmann, Ausschussvorsitzender Werner Ehlers, Hans-Jürgen Moller sowie Heinz Jürgen Fendt (v.l.) hören aufmerksam zu.

400 Aktien der SH Netz AG sollen erworben werden

Stadt Fehmarn will Aktionärin auf Probe werden

  • Andreas Höppner
    VonAndreas Höppner
    schließen

Die Stadt Fehmarn will 400 Aktien der SH Netz AG für zwei Millionen Euro erwerben. Der Hauptausschuss muss dem Aktienkauf noch zustimmen.

  • Drei Gegenstimmen im Finanzausschuss.
  • Aktien werden nicht an der Börse gehandelt.
  • 435 Kommunen in Schleswig-Holstein haben sich bereits beteiligt.

Fehmarn – Die Stadt Fehmarn könnte, wenn der Hauptausschuss im Februar seine Zustimmung gibt, 2022 zur Aktionärin werden. Der Finanzausschuss sprach sich schon einmal mehrheitlich für eine Beteiligung der Kommune an der Schleswig-Holstein Netz AG (SH Netz AG) aus. 400 Aktien für rund zwei Millionen Euro sollen erworben werden. Bei einem Aktienankauf in dieser Größenordnung würde die Stadt Fehmarn zumindest über zwei Jahre eine garantierte Dividende von jährlich etwa 60000 Euro realisieren.

Es ist ein relativ sicheres Geschäftsmodell … auf dem freien Markt wäre das Angebot in Millisekunden weg

Benjamin Köneking

In der Sitzung des Finanzausschusses hatten Dirk Lucht und Martin Lincke von der SH Netz AG den elf Ausschussmitgliedern das vor rund elf Jahren gestartete Beteiligungsmodell schmackhaft gemacht. Nur drei lehnten ab: Andreas Herkommer (SPD), Gun-
nar Mehnert (F³) und Bernd Sölter (WUW). Für die Befürworter brachte es Benjamin Köneking (FWV) aus seiner Sicht auf den Punkt: „Es ist ein relativ sicheres Geschäftsmodell … auf dem freien Markt wäre das Angebot in Millisekunden weg.“

Um einen freien Markt handelt es sich auch nicht, die Aktien werden nicht an der Börse gehandelt. Die Papiere können nur von Kommunen gezeichnet werden, die mit der SH Netz AG einen Wegenutzungsvertrag für Strom und/oder Gas abgeschlossen haben. 435 Kommunen im nördlichsten Bundesland sind bereits den Weg gegangen, sich an dem Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 2,8 Milliarden Euro zu beteiligen. In Ostholstein wäre Fehmarn jedoch die erste Kommune. Vor allem im westlichen und mittleren Landesteil ist das Interesse der Kommunen groß. Rund 40 Prozent aller Kommunen in Schleswig-Holstein aus fast allen Kreisen des Landes seien mittlerweile am Unternehmen beteiligt, teilt SH-Netz-Pressesprecher Ove Struck auf FT-Nachfrage mit. 

Ich bin kein Freund davon, dass Kommunen sich an Aktienkäufen beteiligen

Gunnar Mehnert (F³)

„Ich bin kein Freund davon, dass Kommunen sich an Aktienkäufen beteiligen“, das gehe möglicherweise zulasten der Investitionen, gab Gunnar Mehnert zu bedenken. Für Bernd Sölter werde durch einen Aktienkauf „ein schiefes Signal“ an die Bürger ausgesendet. „Wir schaffen es doch gar nicht zu investieren“, verwies Hinnerk Haltermann (CDU) auf die geringen Investitionen (rund vier Millionen Euro), die beispielsweise in diesem Jahr getätigt wurden.

Kämmerer Mario Markmann gab zu bedenken, dass es sich bei der Beteiligung um eine Aktie handle und er kein Freund davon sei, Aktien über Kredite zu finanzieren. Gleichwohl hätten sich aber auch die Rahmenbedingungen auf dem Kreditmarkt verändert. Die Liquiditätslage der Stadt Fehmarn sei gut, die Zinshöhe für Investitions- und Kassenkredite hätten sich deutlich verändert, für hohe Guthaben müssten Negativzinsen bezahlt werden. Was den Ausschussmitgliedern letztendlich die Zustimmung erleichtert hat, ist die Aussicht auf ein Sonderkündigungsrecht 2024. Bis zu diesem Zeitpunkt ist eine Kapitalverzinsung von rund drei Prozent gesichert. 2024 wird die Höhe der Dividende für einen Zeitraum von fünf Jahren neu festgesetzt. 

Dieser Sachverhalt schlägt sich auch in der Beschlussempfehlung für den Hauptausschuss nieder, denn die Beteiligung der Stadt Fehmarn an der SH Netz AG soll zunächst auf zwei Jahre angelegt sein und zum Zeitpunkt des Sonderkündigungsrechts eine Überprüfung des Aktiengeschäfts erfolgen. Ergo: Die Stadt Fehmarn – eine Aktionärin auf Probe.

Es ist kein Wagnis, es ist ein normales Geschäft, das wir abschließen

Werner Ehlers (CDU), Ausschussvorsitzender

„Es ist kein Wagnis, es ist ein normales Geschäft, das wir abschließen“, fasste Ausschussvorsitzender Werner Ehlers (CDU) zusammen. So sahen es dann auch sieben weitere Ausschussmitglieder von CDU (2), FWV (2), SPD (2) und Grünen (1). 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.