Mitgliederversammlung der IG Südstrand Fehmarn / Werner Ehlers in der Rolle des Prügelknaben

Stillstand „für uns eine Belastung“

+
Bernd Intemann (2.v.r.) von der Interessengemeinschaft Südstrand Fehmarn hielt sich mit deutlichen Worten nicht zurück.

FEHMARN -hö- Wenn für Vertreter der Stadt Fehmarn eine Veranstaltung nicht vergnügungssteuerpflichtig ist, dann ist das die Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft (IG)Südstrand Fehmarn am Karfreitag. Solange sich am Südstrand nichts bewegt und die Spielwiese weiterhin brach liegt, dürfte sich an der miesen Stimmung der Eigentümer und Vermieter auch nichts ändern. Das wurde bei der gestrigen Mitgliederversammlung im „Kiek ut“ im IFA-Ferienzentrum einmal mehr deutlich.

In die Rolle des Prügelknaben schlüpfte gestern Erster Stadtrat Werner Ehlers (CDU), der als stellvertretender Bürgermeister den im Urlaub weilenden Bürgermeister Jörg Weber (SPD) vertrat. Er wurde von Bernd Intemann, der durch die Sitzung der IG führte, sogleich mit „treue Seele“ begrüßt, da er in den vergangenen Jahren öfter die Verwaltungschefs auf der Sitzung der IG vertrat. „Der Tourismusdirektor hat es geschafft, über Ostern Urlaub zu machen“, brachte Intemann wenig Verständnis dafür auf, dass Oliver Behncke gestern nicht anwesend war. Auch Bauamtsleiter Marcel Quattek habe „selbstverständlich keine Zeit gehabt“, teilte Intemann im Lauf der Sitzung mächtig aus.

Bürgervorsteherin Brigitte Brill (SPD), die der Einladung der IG ebenfalls gefolgt war, platzte schließlich der Kragen: „Der Bürgermeister hat drei Vertreter und ich möchte, dass sie akzeptieren, dass auch Vertreter zu ihnen kommen.“ Zudem gefalle ihr auch nicht, wie mit dem Tourismusdirektor umgegangen werde. „Er ist fleißig und lässt sich überall sehen“, da müsse man ihm auch mal Urlaub mit seiner Familie zugestehen, so Brigitte Brill.

Intemann, der wohl bemerkte, etwas überzogen zu haben, entschuldigte sich in der Form, dass die Bürgervorsteherin sich nicht persönlich angegriffen fühlen sollte. Die politischen Vertreter sollten „unsere Verärgerung aber zur Kenntnis nehmen“, schließlich sei der jahrelange Stillstand „für uns eine Belastung“. Überall tue sich etwas, in Heiligenhafen und auch im ländlichen Raum auf Fehmarn – nur am Südstrand nicht, skizzierte Intemann die unbefriedigende Situation.

„Unbefriedigend ist das auch für uns als Politiker“, warb Werner Ehlers um Verständnis. Ende des letzten Jahres sei mit der Vorstellung des Hotelprojekts zwar Bewegung in die Geschichte gekommen, doch es sei auch ärgerlich, dass „wir über eine Broschüre nicht hinausgekommen sind“. Er komme sich „selbst in bisschen blöd vor“, sich bei den vagen Äußerungen wiederholen zu müssen, gestand Ehlers, der sich vorab aber beim Bürgermeister informiert habe. Und dieser habe ihm mitgeteilt, dass „im kommenden Monat ein sehr interessantes Gespräch stattfinden wird und irgendwas festgezurrt“ werde.

Krapp: „Allein uns fehlt der Glaube“

„Allein uns fehlt der Glaube“, zeichnete IFA-Direktorin Waltraud Krapp in wenigen Worten den Seelenzustand der Eigentümer und Vermieter am Südstrand auf. Die IFA-Chefin gab Ehlers unter dem Beifall der Anwesenden zudem mit auf den Weg, dass beim Haus des Gastes endlich etwas passieren müsse. Müll, Bauzaun – ein Schandfleck, für den „alle, die hier oben leben, sich schämen“, so Waltraud Krapp. Wenn die Eigentümer (die niederländischen Investoren, Anm. d. Red.) es nicht machten, dann müssten der Tourismus-Service Fehmarn oder die Stadt Fehmarn dort für Ordnung sorgen und dies den Eigentümern in Rechnung stellen, forderte Waltraud Krapp.

Zu den weiteren Themen, die gestern auf der Agenda standen, zählte auch der Dauerbrenner Parkgebühren. Eberhard Toillié von der IG berichtete unter anderem davon, dass der Jahresparkschein sich von 96 Euro auf 144 Euro verteuert habe. Hier stellte Werner Ehlers den Vorteil heraus, dass der Jahresschein nicht mehr parkplatzbezogen sei, sondern überall am Südstrand Gültigkeit besäße.

Wichtig für die IG ist auch, wie es am Südstrand mit dem Projekt städtebaulicher Denkmalschutz weitergeht. Hier konnte Werner Ehlers berichten, dass in der Stadtvertretung Ende Juni eine Beschlussfassung erfolgt, damit ein Planungsbüro mit den vorbereitenden Untersuchungen starten kann.

Derzeit werde noch ein Gestaltungshandbuch für das Arne-Jacobsen-Ensemble erstellt, berichtete Bernd Intemann, der sich zuvor im Bauamt erkundigt hatte. Ihm sei mitgeteilt worden, dass sämtliche Anbauten zunächst einmal Bestandsschutz genössen.

Werner Ehlers versicherte, dass Eigentümer, Vermieter und Bewohner kontinuierlich über die Entwicklung bei diesem Projekt informiert würden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.