Broder-Jürgen Trede: Tausendsassa in Sachen Sport / Livereportagen für Sehende und Blinde

Die Stimme des HSV

+
Mit sechs Geschichten ist Broder-Jürgen Trede in „Jahrhundert-Mannschaften – Die besten Teams der letzten 100 Jahre" vertreten.

Fehmarn – Von Nicole Rochell – Er ist „The Voice“. Die Stimme. Die Stimme des HSV: Broder-Jürgen Trede. Die Kommentatoren-Kabine des Hamburger Volksparkstadions – sein Wohnzimmer. Hier geht der 45-Jährige ein und aus.

Der Chefreporter des HSVnetradios, der zuvor bis 2010 drei Jahre lang fürs damalige HSV-Live-Radio kommentierte, initiierte beim Hamburger Sportverein auch die Live-Audio-Reportagen aller Heimspiele des Hamburger SV für sehbehinderte und blinde Menschen. Dieser Service, der mittlerweile deutschlandweit und sogar beim DFB umgesetzt wird, ermöglicht Blinden, das Spiel „mit den Ohren zu sehen“. Trede packt in dieser Angelegenheit oft die Koffer, ist als Live-Reporter und Reporter-Ausbilder unterwegs, vermittelt sein Wissen in Sachen Sehbehinderten-Reportage.

Livereportage für Sehbehinderte

2003 hatte der wissenschaftliche Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sportjournalistik das Seminar „Livereportage für Sehbehinderte“ ins Leben gerufen. Eine Win-win-Situation. Die Fußballfans, die kaum noch etwas oder nichts mehr sehen, haben so die Möglichkeit, das Spiel durch die Live-Sportberichterstattung hautnah mitzuverfolgen, während die Seminarteilnehmer die Grundlagen der Fußball-Hörfunkreportage lernen. So werden Nachwuchs-Livereporter aus- und fortgebildet. 

Broder-Jürgen Trede verkörpert aber noch mehr. „Ur-HSVer, wandelndes Fußball-Lexikon und Universitäts-Dozent für Sportjournalistik“ ist auf der Seite des HSV ein Auszug seiner Vita zu lesen.

Und er ist ein Fehmarnscher Jung. Besser gesagt: ein Inselkind. „Ein sehr überzeugter Schleswig-Holsteiner“, wie Trede, der seit fast 30 Jahren in Hamburg lebt, von sich sagt. Als es seine Eltern von der nordfriesischen Insel Föhr nach Fehmarn zog, besuchte Broder die 10. Klasse. Nur schweren Herzens tauschte er seinerzeit die eine Insel gegen die andere ein. Er stellte im Familienrat die Bedingung, auf Fehmarn einem Fußballverein beizutreten. So kam es.

Unter Coach Karsten Jark, der heute Trainer und 1. Vorsitzender des SV Heringsdorf ist, und Fußballobmann Achim Werner entdeckte Broder-Jürgen Trede alsbald seine Leidenschaft für den Fußball und hat die Jugendarbeit des SV Fehmarn bis heute in guter Erinnerung behalten. Wie seine schnell wachsende Leidenschaft für den Fußball und den Erfolg seiner Mannschaft, die auf Schleswig-Holstein-Niveau durchaus Aufsehen erregt habe, so Trede. Der stand von 1989 bis 1994 zunächst für die B-Jugend, die A-Jugend und dann die 2. Herren im defensiven Mittelfeld für den SV Fehmarn auf dem Platz.

Das Fußball-Gen scheint Broder in die Wiege gelegt worden zu sein. Sein Onkel Diether Trede war Vertragsfußballer bei Holstein Kiel. In 158 Oberliga-Spielen schoss er 37 Tore. 1957 gelang ihm der Sprung in die Norddeutsche Auswahl. Derart „vorbelastet“ fällt Trede noch heute die Entscheidung schwer, wem er beim Nordderby zwischen dem HSV und Holstein Kiel die Daumen drücken soll.

Doch noch mal auf Anfang, als Broder-Jürgen Trede sonntags bei Spielen selbst auf dem Platz stand. Tags darauf konnte das Ergebnis im Fehmarnschen Tageblatt nachgelesen werden. Am Montag gab‘s für Fußball-Fehmarn (fast) nur eine Lektüre: das FT. Gemeinsam mit der Nord-Sport, die sich die Jungs in der Freistunde von Stolz holten, wurden die Berichte geradezu inhaliert. „Der Fußball hier hat mir den Start in meinen Beruf leicht gemacht“, sagt Trede heute.

Broder-Jürgen Trede in FT-Kader aufgenommen

Als Broder nach seinem Abi am Insel-Gymnasium für sein Studium der Diplom-Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Medien/Journalistik an der Uni Hamburg ein Redaktions-Praktikum benötigte, klopfte er beim damaligen Redaktionsleiter Heiko Witt an, der sich selbst seit 1979 als Trainer verschiedener Seniorenfußball- und Jugendmannschaften engagierte und für den Fußball nur so brannte. Er nahm Broder-Jürgen Trede von Anfang ‘95 bis Ende ‘97 zunächst als Praktikant, dann als freien Mitarbeiter in den FT-Kader auf. „Nach dem Spiel bin ich gleich zum FT. Ungeduscht, in Fußballklamotten. Schnell Berichte schreiben, Ergebnisse abtelefonieren. Zum Tatort war ich dann meistens zu Hause – immer noch in Fußballklamotten“, erinnert sich Broder. Und daran, wie er bei der Vorstellungs- und Kennenlernrunde vor den anderen Kommilitonen sagte: „Ich komme von Fehmarn und der kleinsten Zeitung Deutschlands.“ Das machte den Insel-Jung schnell zum Exoten unter den Mitstudierenden. Den Abschluss Diplom-Sportwissenschaftler 2001 in der Tasche, blieb Trede dem Sport, seiner Leidenschaft zum Fußball, insbesondere zum HSV, auch beruflich treu. Er ist unter anderem Lehrbeauftragter im Bereich Medien/(Sport-)Journalistik an der Uni Hamburg. Trede ist als freier Autor und Redakteur Kommunikation für Sport Bild Hamburg/Berlin tätig, wirkt mit an der Produktion von Sonderpublikationen wie Sonderhefte zur Fußball- und Handball-Bundesliga und zur Fußball-Champions- League, an Sport-Jahresrückblicken und Büchern zur Fußball-WM und EM. Er ist Sprecher & Coach Live-Audio- deskription Sport, engagiert sich für die AWO Passge- nau/T_OHR, das Zentrum für Sehbehinderten- und Blindenreportage in Gesellschaft und Sport. Der freie Journalist mit den Schwerpunkten Sport, Geschichte, Medien und Wirtschaft ist unter anderem für den Hamburger SV als ständiger Kolumnist/Pauschalist des Arena- und Vereinsmagazins HSVlive und tagesaktuell für Spiegel Online und Hamburger Abendblatt tätig. Im Buch „Jahrhundert-Mannschaften – Die besten Teams der letzten 100 Jahre“ ist Trede mit sechs Geschichten vertreten. – Was vergessen? Ach ja. In seiner raren Freizeit fahren Broder, seine Frau und seine zwei Kinder gern nach Fehmarn. Zu seiner Mutter Hanne Trede. Ein schöner Grund, immer wieder nach Hause zu kommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.