Yorsalem Yohanns hat geschafft, wovon viele träumen / Engagement und Fleiß zahlen sich aus

Stipendium für Inselschülerin

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Stipendiatin Yorsalem Yohanns mit der Urkunde bei der Aufnahmefeier in Hamburg.

FEHMARN -wa- Jedes Jahr schreibt das „Start“-Programm für Jugendliche mit Migrationserfahrung Stipendien aus. Jedes Jahr ist die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber wesentlich höher als die Anzahl der Stipendien, mithilfe derer die ausgewählten Jugendlichen in ihrer schulischen und persönlichen Entwicklung begleitet werden. Das Ziel ist es, die jungen Menschen, die häufig eine unglaubliche Zuwanderungsgeschichte haben, in ihrem Engagement für die Demokratie zu fördern und ihnen Möglichkeiten zu bieten, ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln sowie ihre Talente zu stärken. Eine von ihnen ist in diesem Jahr auch Inselschülerin Yorsalem Yohanns.

Die dreijährige Unterstützung ist mit 1000 Euro pro Jahr einerseits finanzieller Natur, andererseits – und das ist viel wichtiger – ideell. Die Stipendiaten nehmen an Bildungsseminaren, Workshops und am Sommercampus teil. Die Themen reichen von Rhetorik über Wissenschaft bis hin zu Wirtschaft und Kultur. „Start“ geht auf eine Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung im Jahr 2002 zurück und wird heute von mehr als 100 weiteren Partnern – darunter Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen – unterstützt.

Dank der Unterstützung durch ihren Klassenlehrer Hauke Jipp und von privaten Helfern ist es Yorsalem Yohanns gelungen, ein Stipendium für dieses Engagementförderprogramm zu bekommen. Los ging es im März. Um die Bewerbung rechtzeitig abzusenden, setzte sich die 15-Jährige mit ehrenamtlichen Helfern vor ihren Laptop und füllte viele Seiten mit zahlreichen Fragen zu ihrer Person, zu ihren Hobbys und zu ihrem Engagement aus.

Dass sie hier in Deutschland schwimmen gelernt und innerhalb von acht Monaten ihr Gold-Abzeichen erreicht hat, zudem gerade dabei ist, bei der DLRG ihren Juniorrettungsschwimmer zu absolvieren, ist nur eines ihrer Engagements. Offensichtlich war die Jury von der Bewerbung der jungen Frau angetan, die sich seit ihrer Ankunft in Deutschland im Herbst 2015 immer für ihr Umfeld interessiert hat und schon in ihrer Heimat Eritrea früh Verantwortung übernommen hat.

Mit 80 weiteren Bewerbern wurde sie am 26. Juni nach Lübeck zum Interview eingeladen. Ihre Präsentation, in der sie natürlich auch vom Schwimmen und den anderen Dingen, die sie gern macht, wie Basketballspielen und Singen, erzählte, und ihre Antworten auf Fragen zu gesellschaftlichen Aspekten haben die Jury dann vollends überzeugt. Am 3. Juli erhielt Yorsalem Yohanns die Zusage und wurde mit weiteren acht Jugendlichen aus Schleswig-Holstein in das „Start“-Förderprogramm aufgenommen. Vor Kurzem fand die Aufnahmefeier in Hamburg statt, zu der natürlich die ganze Familie – Mama, Papa, Schwester und zwei Brüder – mitkamen. Alle sind mächtig stolz auf sie.

Schon Ende August hat in Kappeln an der Schlei das Kennenlernwochenende für die neuen „Start“-Stipendiaten stattgefunden. Yorsalem erzählt begeistert, wie toll es gewesen sei. Aber um dorthin zu kommen, musste sie dann doch noch Hürden überwinden. Das Wochenende überschnitt sich mit ihrer Klassenfahrt nach Bayern. Dank der Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer ist es ihr jedoch gelungen, rechtzeitig von Bayern aus in Kappeln zu sein. „Wir sind morgens um vier Uhr mit der Bahn losgefahren und nachmittags waren wir in Kappeln. Es war anstrengend, aber es hat sich gelohnt“, sagt sie glücklich. Als Nächstes stehen an zwei Wochenenden im November ein Bildungsseminar in Kiel und ein Computerseminar in Lauenburg an, auf die Yorsalem schon sehr gespannt ist.

Überhaupt ist die 15-Jährige, die im Rahmen des Gesprächs natürlich auch viel von den schlimmen, menschenunwürdigen Zuständen und dem harten Leben in Eritrea und ihrer schrecklichen Flucht erzählt, sehr fleißig und verantwortungsbewusst. Sie lernt gern, geht in die Offene Ganztagsschule (OGS) mit Hausaufgabenbetreuung und bekommt mehrmals in der Woche in der „Lerninsel“ Nachhilfeunterricht.

Trotz des Schulbesuches in ihrer Heimat muss das eine oder andere an Stoff nachgeholt werden. Im August wurde der jüngste Bruder eingeschult und findet es „ganz toll“ in der Schule. Alle Geschwister gehen in die OGS oder den Hort und werden bei ihren Hausaufgaben betreut. Das ist auch gut so, denn die Eltern besuchen Integrationskurse und sind daher viel unterwegs. Ihr Vater geht zusätzlich noch arbeiten.

Die Familie ist froh, seit nun fast drei Jahren ihren Lebensmittelpunkt auf Fehmarn zu haben. Bei der Frage, was denn momentan ihr größter Wunsch sei, muss Yorsalem nicht lange überlegen: „Eine größere Wohnung, in der wir mehr Platz und unsere eigenen Möbel haben können.“ Familie Yohanns lebt auf knapp 60 Quadratmetern im Eschenweg sehr eingeschränkt, es dürfen keine eigenen Möbel in der Wohnung aufgestellt werden. Die Kinder dürfen noch nicht einmal einen eigenen Schreibtisch haben. Dass man so nur sehr schwer lernen kann, ist wohl jedem klar. Wer eine Drei- bis Vierzimmerwohnung in Burg oder der näheren Umgebung an diese herzliche und offene Familie mit Aufenthaltstitel vermieten möchte, meldet sich bitte unter 01781532668.

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