Hinrichsdorfer wollen Straßensanierung aus eigener Tasche zahlen / Treffen mit SPD-Fraktion vor Ort

„Die Kuh von der Straße holen“

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Ein Dorf hält zusammen: Die Hinrichsdorfer sind sich einig – einen Ausbau ihrer Dorfstraße wollen sie nicht.

FEHMARN -mb- Nur 30 Einwohner verteilt auf zehn Anlieger zählt Hinrichsdorf. Beschaulich und ruhig ist es in Fehmarns Ortsteil im Herzen der Insel. Auf das kleine Dorf soll möglichst noch in diesem Jahr ein Bauprogramm für Straßen- und Kanalbau zukommen, dessen städtischer Anteil von der Stadtverwaltung auf rund 1,8 Millionen Euro geschätzt wird. Nicht jedoch, wenn es nach den Bewohnern geht. Die sehen darin „keinen Sinn“, stellte Angelika Holling am Montagabend bei einer Ortsbegehung mit Teilen der SPD-Fraktion klipp und klar fest. Wie ernst die Hinrichsdorfer die Lage einschätzen, zeigt die Gründung einer Interessengemeinschaft (IG).

Marianne Unger, Brigitte Brill, Heinz Jürgen Fendt, Jörg Josef Wohlmann und Gunnar Gerth-Hansen trafen sich mit fast der Hälfte der Einwohner am Montag zum Gespräch. Währenddessen lief die Gruppe von Ortsschild zu Ortsschild – viel zu besprechen gab es, eigentlich zu kurz für die Strecke, die zudem kürzer zu seien scheint, als dies von offizieller Seite bisher zu hören war. „Wir haben gemessen und sind nicht auf 550, sondern rund 350 Meter gekommen“, so Hinrich Resthöft, der neben Angelika Holling als Sprecher der IG fungiert.

Bis zu 200000 Euro könnten für einige Anlieger durch die Straßenausbausatzung anfallen, erklärte Resthöft und Holling ergänzte: „Das ist existenzbedrohend und für uns nichts akzeptabel.“ Zudem seien vier der zehn Anlieger bereits im Rentenalter.

Nur einen Ausweg aus der Misere sehen die Dorfbewohner für ihre rund 70 Jahre alte Straße. „Wir wollen die Erneuerung der Teerdecke in Eigenregie durchführen, es selber finanzieren. Die Garantie geben wir. Öffentliche Gelder brauchen wir nicht“, betonte Holling. Zudem solle die Straße in der aktuellen Breite von ungefähr drei Metern, mit der jetzigen Bankette erhalten bleiben. „Warum soll die Straße von Mauer zu Mauer ausgebaut werden?“, fragte sich Resthöft und seine Co-Sprecherin kritisierte im gleichen Atemzug, dass mit dem geplanten Ausbau der Straße nur sechs der alten Bäume erhalten bleiben sollen.

Kritische Blicke bei den Kommunalpolitikern: „Das wird die öffentliche Hand nicht zulassen“, vermutete Wohlmann und Gerth-Hansen verwies auf die rechtliche Grundlage, die es hinsichtlich des Vorschlages zu prüfen gelte. „Wir machen uns schlau“, versprachen auch Brigitte Brill und Marianne Unger.

Für Holling ist es besonders wichtig, dass alle an einem Strang ziehen. „Das Dorf ist sich einig. Das waren wir nicht immer, aber so was schweißt zusammen.“ Abschließend luden die Einwohner die Kommunalpolitiker zu belegten Brötchen und Getränken ein. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Heinz Jürgen Fendt beteuerte, alle Eindrücke und Gespräche mitzunehmen. „Wenn wir miteinander reden, hilft das, eine positive Lösung zu finden, um in diesem Fall die Kuh von der Straße zu holen.“

Vonseiten der SPD treffen sich Fendt und Wohlmann heute mit Bauamtsleiter Marcel Quattek und Sascha Deisinger, Stellvertretender Leiter der Stadtwerke, um den Vorschlag der Anwohner erstmalig zu diskutieren. Für Fendt ein erster wichtiger Schritt. Er sieht die Politik an der Stelle als „Bindeglied zwischen Anwohner und Verwaltung“.

Als nächsten Schritt will die IG wie angekündigt Bürgermeister Jörg Weber, die zuständigen Verwaltungsmitarbeiter, den Bauausschuss und weitere interessierte Vertreter der Fraktionen zu einem Termin vor Ort einladen. Eigentlich sollte dies nach den Sommerferien stattfinden, aber die Zeit drängt bekanntlich. Hinrich Resthöft: „Vielleicht finden wir auch einen früheren Termin. Wir wollen, dass der Prozess jetzt richtig in Gang kommt.“

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