Jubiläumsausstellung „Fehmarn – Kirchners Paradies“ im Senator-Thomsen-Haus zeigt 50 Originalzeichnungen

Ein Stück Kirchner kehrt zurück

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Glücklich über eine gelungene Ausstellungseröffnung im Senator-Thomsen-Haus waren Antje Borgwardt und Kirchners Nachlassverwalter Dr. Wolfgang Henze.

FEHMARN - hö - Paradiesische Verhältnisse auf Fehmarn – nicht nur für Kunstliebhaber und -interessierte. Sonniges Wetter, eine „wundervolle und traumhaft besetzte Vernissage“, wie Landrat Reinhard Sager die Eröffnung der Ausstellung „Fehmarn – Kirchners Paradies“ im Senator-Thomsen-Haus charakterisierte, und Kirchners Nachlassverwalter Dr. Wolfgang Henze aus der Schweiz, der Originalzeichnungen Kirchners im Gepäck hatte, die während der Sommeraufenthalte des Künstlers auf Fehmarn entstanden waren und nach über 100 Jahren „ihre physische Rückkehr“ feierten.

„Sagen Sie ja nicht, es sind nur Zeichnungen“, stellte Henze in seiner Einführung in die Ausstellung die herausragende Bedeutung der Zeichnungen in Kirchners Gesamtwerk heraus. „Das war der Anfang von allen.“ Und: Bei Kirchners Zeichnungen „war alles Gesamtkomposition, keine Detailzeichnungen“, wie sie beispielsweise Picasso beherzigte. „Was Sie hier sehen, ist etwas Definitives, Sie sehen etwas Erstrangiges“, so Henze zur Einstufung der 50 Originalzeichnungen aus Kirchners Schaffensphase von 1908 bis 1914.

Mit der Vernissage ist der Ernst Ludwig Kirchner Verein Fehmarn gestern mit einer herausragenden Veranstaltung in sein Programm anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums gestartet. Der Titel der Ausstellung „Fehmarn – Kirchners Paradies“ sei auch zu verstehen als „das Resultat von 25 Jahren Recherchen und der Arbeit des Vereins“, so 1. Vorsitzende Antje Borgwardt bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste im Senator-Thomsen-Haus, darunter auch Vereinsgründer und Ehrenvorsitzender Dr. Dietrich Reinhardt.

Als Schirmherr fungierte Landrat Reinhard Sager, der in seinem Grußwort daran erinnerte, dass der Ernst Ludwig Kirchner Verein Träger des Kulturpreises des Kreises Ostholstein sei und diese Auszeichnung zurecht trage. Erneut sei es gelungen, eine besonders attraktive Ausstellung nach Fehmarn und nach Ostholstein zu holen. Man könne stolz darauf sein, dass Kirchner hier „Spuren hinterlassen“ habe, so Sager. Dem Ernst Ludwig Kirchner Verein dankte er dafür, dass er mit der Ausstellung sowie dem umfassenden Begleitprogramm seinen Teil dazu beitrage, dem Kulturtourismus zu einer weiteren deutlichen Aufwertung zu verhelfen. Er erinnerte aber auch daran, dass die Kulturstiftung des Kreises das Engagement des Ernst Ludwig Kirchner Vereins gerne unterstütze. Finanziell, so Sager, habe man aufgrund der guten Konjunktur „zurzeit etwas Luft nach oben, das macht die Kulturförderung ein Stück leichter“.

Antje Borgwardt dankte den weiteren Sponsoren, darunter die Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein, die Sparkassenstiftung oder die Stadt Fehmarn, sowie den weiteren Unterstützern, ohne die eine Verwirklichung des Jubiläumsprogramms nicht möglich gewesen wäre.

Zu den Highlights der Ausstellung gehört auch ein eigens hierfür aufgelegtes Katalogbuch, das im Solivagus-Verlag erschienen ist. 2. Vorsitzende Imke Ehlers zeichnet in diesem Katalogbuch verantwortlich für ein kunsthistorisches Essay. In Anlehnung an den Titel berichtete sie, dass sie bei ihrer Arbeit ein „Schreibtischparadies“ erlebt und im Solivagus-Verlag ein „Verlagsparadies“ gefunden habe.

„Diese Ausstellung, so schön sie auch ist, sie ist vergänglich“, warb Dr. Stefan Eick vom Solivagus-Verlag dafür, das brandneue Buch für 15 Euro käuflich zu erwerben. Der Verein wollte, so Eick, dass „etwas Dauerhaftes geschaffen wird“. Er habe noch niemals ein solches Genie porträtiert, ließ Eick tiefe Einblicke in sein Seelenleben zu.

In diesem Buch werden unter anderem umfassend das Schaffen Kirchners auf Fehmarn beschrieben, die ausgestellten Zeichnungen näher erläutert und auf die 25-jährige Vereinsgeschichte zurückgeblickt.

Im Anschluss an die Vernissage bestand für die zahlreichen Gäste ausreichend Gelegenheit, die Ausstellung zu genießen und im Garten des Senator-Thomsen-Hauses ein wenig Konversation zu betreiben – über Kirchner und wohl auch ein wenig über den 15-jährigen Simon Dührkop, der am Flügel mit einem Stück von Franz Schubert für Aufsehen sorgte und für seine Darbietung lang anhaltenden Applaus erhielt.

Die Ausstellung „Fehmarn – Kirchners Paradies“ ist bis zum 20. August täglich von 11 bis 18 Uhr im Senator-Thomsen-Haus in Burg, Breite Straße 28, geöffnet.

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