DB investiert sechs Millionen Euro in 2020, 30 Millionen Euro bis 2024 / Tausch aller Tragseile

Sundbrücke wird flottgemacht

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Schraube für Schraube: Thomas Pischke (r.) und Marcus Rull arbeiten an den Schrammborden, die der sicheren Verkehrsführung auf der Sundbrücke dienen.

Fehmarn –mb– „Die Instandhaltung der Fehmarnsundbrücke läuft auch Hochtouren“, erklärte Peter Mantik, Sprecher bei der Deutschen Bahn (DB), am Freitag bei einem Pressetermin vor Ort. Bis voraussichtlich 2024 will die DB in einer gemeinsamen Maßnahme mit dem Land (Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein, LBV) insgesamt 30 Millionen Euro investieren. „Die Fehmarnsundbrücke befindet sich in einem soliden Zustand. Jetzt machen wir sie fit für die nächsten 130 Jahre“, sagte DB-Projektleiterin Grit Kossiedowski.

Hintergrund ist die Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums Anfang März, einen Absenktunnel für Straße und Schiene als neue Sundquerung zu bauen und den „Kleiderbügel“ für die langsamen Verkehre umfangreich zu sanieren. Wenn mit der Fertigstellung des Tunnels die Schienen von der Brücke verschwinden, zieht sich auch die Bahn aus der Unterhaltung der Sundbrücke zurück – das Land übernimmt dann in Eigenregie, will in den nächsten Jahren rund 34 Millionen Euro in die Brücke investieren.

Zurzeit erfolgen die Arbeiten an der Fahrbahnbegrenzung, den sogenannten Schrammborden (wir berichteten). Erfreulich sei nach der Abnahme der Kappen gewesen, dass die Unterkonstruktion in einem besseren Zustand sei, als zunächst erwartet, führte die DB-Projektleiterin beim Gang über die Brücke aus. Immerhin sei dieser Teil der Brücke seit der Fertigstellung 1963 nicht mehr angefasst worden.

„Der LBV begrüßt die aufgenommenen Sanierungsarbeiten ausdrücklich, und wir werden gemeinsam versuchen, die Verkehrsbeeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten“, kommentierte dazu LBV-Direktor Torsten Conradt. Erstmals arbeite man mit einer verschwenkten Fahrbahn, sodass die bisher übliche Regelung per Ampelschaltung, die regelmäßig zu Staus geführt habe, nicht zum Tragen komme, so Kossiedowski. Für die DB hat dies noch einen anderen Vorteil: ein permanentes Baufenster auch über die Sommermonate. „Wir wollen mit der Straßenseite in diesem Jahr fertig werden und dann im kommenden Jahr auf die Bahnseite wechseln“, so die Ingenieurin mit Blick auf den angestrebten Zeitplan.

Rund 20000 Schrauben müssen auf knapp einem Kilometer Brückenlänge pro Seite gelöst und auch wieder verschraubt werden. Durchaus technisch herausfordernd und auch wichtig sei der Teil der Brückenkonstruktion, denn aufgrund der dünnen Fahrbahnplatte, dürfe sich nichts verbiegen bei einer Unfallkollision. Sonst müsste im Zweifel aus statischen Gründen die ganze Brücke gesperrt werden, so Kossiedowski.

Eine weiterer Baustein der Instandsetzung erfolgt voraussichtlich im Herbst an der Unterkonstruktion der Brücke: Zwei Topfgleitlager müssen ausgetauscht werden. Mit den Schrammborden zusammen investiert die Bahn nach eigener Aussage allein dafür rund sechs Millionen Euro.

Knapp elf Millionen Euro wollte die DB zwischen 2017 und 2020 eigentlich in die Instandsetzung investieren, bis zum Start der jetzigen Arbeiten waren es nur knapp eine Millionen Euro. Der Rechnungsprüfungsausschuss monierte einen Investitionsstau bereits 2016. Rechne man die Bestellung der Tragseile dazu, sei die DB in diesem Jahr nah dran am Betrag, so Mantik.

Bezüglich der Tragseile gibt es eine gravierende Änderung mit Blick auf die Instandsetzung. Statt acht Seilen einen neuen Korrosionsschutz zu verabreichen, werde man, beginnend im nächsten Jahr, alle 80 Tragseile der Brücke ersetzen, so die DB-Projektleiterin. Ein Entschluss, der im Zuge der neuen Sundquerungsvariante getroffen worden sei, ergänzte Mantik und machte die Idealrechnung auf. „Theoretisch könnten wir am Tag ein Seil austauschen.“ Aber nur bestimmte Temperaturen und Wetterbedingungen erlauben die Durchführung der Arbeiten am Netzbogen, einem statisch sensiblen System, sodass Schleswig-Holsteins Wahrzeichen laut Planung wohl erst 2024 mit komplett neuen Tragseilen glänzen kann.

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