Bundesweit Tote und Millionenschäden

Tief „Kyrill“: Orkanböen auf Fehmarn

Orkan gestern Abend um 21 Uhr auf der Fehmarnsundbrücke. Die Zugmaschine dieses 40-Tonners wurde vom Weststurm einfach umgerissen. Die Feuerwehrleute hatten große Mühe bei der Bergung. Der Wind blies in Böen mit bis zu 140 Stundenkilometern.

FEHMARN (pl) • Das Orkantief „Kyrill“ fegte am Donnerstag mit zerstörerischer Gewalt über Deutschland hinweg. Bundesweit sind Sturmschäden in Millionenhöhe und auch Tote zu beklagen.

Auch auf Fehmarn wütete „Kyrill“, ab 20.45 Uhr in Orkanstärke (12 Beaufort). Kurz vor der Sundbrücke wurde ein Lkw von einer Böe erfasst und umgerissen. Feuerwehr, Polizei und der Krisenstab der Stadt waren die ganze Nacht in Alarmbereitschaft.

Der 40-Tonner mit irischem Kennzeichen wurde gegen 21 Uhr samt Zugmaschine förmlich „umgepustet“. So etwas habe er noch nie erlebt, dass eine so schwere Maschine umgerissen wird, sagte der stellvertretende Burger Wehrführer Dirk Westphal. Der polnische Fahrer blieb unverletzt, wird wohl aber mit einer saftigen Strafe rechnen müssen. Er hätte die Sundbrücke nämlich gar nicht mit seinem leeren Truck befahren dürfen, sie war schon seit 15.30 Uhr für leere Lkw und Wohnwagengespanne gesperrt. Bei dem Unfall verlor der Lkw 100 Liter Benzin. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich äußerst schwierig und dauerten bei Redaktionsschluss (22.15 Uhr) noch an.

Orkanböen bis zu 140 km/h schnell

Bereits am späten Nachmittag frischte der Wind auf Fehmarn auf. Gegen 20 Uhr meldete die Wetterstation in Westermarkelsdorf Orkanböen bis zu 121 km/h (Windstärke 12), die dann noch stärker wurden.

Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt beobachtete gegen 20.45 Uhr mit Sorge, dass das Wasser in Lemkenhafen fast schon über die Kaimauer trat. „Und der Wind nimmt immer noch zu“, so Schmiedt.

In anderen Teilen Deutschlands hingegen forderte „Kyrill“ sogar Todesopfer. Im Norden Münchens wurde laut Agenturberichten ein 18 Monate altes Kind getötet, als eine Terrassentür durch den starken Wind aus der Verankerung riss und auf das Kind stürzte. In der Nähe von Heidelberg wurde ein Autofahrer getötet, als er einem umstürzenden Baum ausweichen wollte. Bei Augsburg wurde ein 73-Jähriger von einem Scheunentor erschlagen, das eine heftige Böe aus den Angeln gehoben hatte.

Todesopfer sind auch in Nordfrankreich, England und den Niederlanden zu beklagen. Im Ärmelkanal kenterte bei stürmischer See ein Containerschiff. Die 26-köpfige Besatzung rettete sich in ein Boot, das bis zu neun Meter hohen Wellen ausgeliefert war. Die britische und die französische Küstenwache schickten Schlepper und drei Hubschrauber an den Unglücksort. „BBC“-Berichten zufolge ist der Frachter bereits gesunken.

Zusammenstoß eines InterCity mit umgestürztem Baum

Glimpflich ist dagegen der Zusammenstoß eines InterCity-Zuges mit einem umgestürzten Baum in Schleswig-Holstein ausgegangen. Wie eine Bahnsprecherin gestern mitteilte, fuhr die erste von zwei Diesellokomotiven des IC 2181 zwischen Elmshorn und Westerland auf den vom Sturm entwurzelten Baum auf.

Bahn stellte Zugverkehr ein

Rettungsmannschaften entfernten Lok und Baum, mit einer Stunde Verspätung konnte der Zug weiterfahren. Verletzt wurde niemand. Gegen 18.30 Uhr stellte die Bahn den Zugverkehr in Nord- und Westdeutschland aus Sicherheitsgründen ein, gegen 19.20 Uhr bundesweit.

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