Minensprengung im Fehmarnbelt verantwortlich? / Marine: Todesursache noch nicht geklärt

18 tote Schweinswale gefunden

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Der NABU kritisiert nach dem Fund von 18 toten Schweinswalen im Naturschutzgebiet Fehmarnbelt die Sprengung von Seekriegsminen vor Ort.

Fehmarn –nic/mb– Ende August hatte die Bundesmarine bei einem NATO-Manöver im Fehmarnbelt alte Minen gesprengt (wir berichteten). „42 Grundminen in der deutschen Ostsee, 39 davon im Naturschutzgebiet Fehmarnbelt“, präzisiert der NABU jetzt in einer Pressemitteilung und verurteilt darin das Vorgehen, das nicht ohne Folgen geblieben sei, nach wie vor scharf. 18 tote Schweinswale zählten Tierschützer in den folgenden Wochen nach der Minenbeseitigung. Die fehlende Einbindung der Naturschutzbehörden wertet der NABU als Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Die Sprengung der auf dem Meeresboden liegenden Weltkriegsmunition hatte bekanntlich die deutsche Marine im Rahmen des NATO-Manövers „Northern Coasts“, an dem rund 3000 Soldaten aus 18 Nationen beteiligt waren, vorgenommen.

Bei jeder Detonation der so unschädlich gemachten Grundminen entstand ein fünf Meter breiter und 1,50 Meter tiefer Krater, in einem Umkreis von zehn bis 30 Metern tödlich für jedes Lebewesen, zitiert NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen.

Noch wisse niemand, wie viele Schweinswale tatsächlich während der Fortpflanzungszeit im Sommer verletzt oder getötet worden seien. 18 Totfunde dieser streng geschützten Meeressäuger seien im fraglichen Zeitraum bekannt geworden. „Der Vorfall ist unerträglich und offenbart das Ignorieren geltenden Naturschutzrechts und unzureichende Umweltstandards der Marine ebenso wie das Komplettversagen der Politik im Umgang mit dem Problem der Kriegsaltlasten“, prangert Leif Miller an. Das NATO-Manöver sei vermutlich eher eine gute Gelegenheit gewesen, kostengünstig zu sprengen und aufwendige Abstimmungsprozesse mit Naturschutzbehörden zu umgehen, sieht es Miller, für den das vorgeschobene Argument der Bundesregierung, die Sprengung im Sommer böte die „sofortige Möglichkeit zur Abwehr von Gefahr für Leib und Leben“ nicht greift. Die Minen seien den verantwortlichen Behörden bereits seit 2016 bekannt gewesen.

Kapitän zur See Johannes Dumrese, Leiter des Presse- und Informationszentrums der Marine, widersprach dieser Logik bereits Anfang September. „Nachdem es 2016 zu einer ungewollten Explosion kam, wurde eine Studie zum Zustand der Minen beauftragt.“ Diese habe ergeben, dass sich aufgrund des Alters der Minen schlagempfind- liche Kristalle gebildet hätten. „Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lübeck hat die daraufhin als direkte Gefahr für die Seewege eingestuft“, erklärt Domrese.

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