Der Südstrand von Fehmarn ist voll mit Badegästen
+
Fast wie immer: Der Südstrand von Fehmarn war auch im Sommer 2020 beliebt wie eh und je.

2020 weniger Gäste auf Fehmarn

Tourismusbranche bleibt in Schockstarre

  • Manuel Büchner
    vonManuel Büchner
    schließen

Weniger Gäste, aber mehr Übernachtungen: Die Bilanz für den Tourismus in 2020 auf Fehmarn fällt gemischt aus. Zudem bleibt offen, wie es in den nächsten Wochen weitergeht.

  • 2,6 Prozent weniger Gäste, aber die Übernachtungszahlen bleiben konstant.
  • Die Kurabgabe auf Fehmarn ist gestiegen.
  • Kein Abgesang auf Großveranstaltungen.

Fehmarn – 2020 war für den Tourismus eine Achterbahnfahrt. Deuteten die Zeichen Anfang des vergangenen Jahres klar auf ein weiteres Rekordjahr für Fehmarn und die schleswig-holsteinische Ostseeküste, stufte am 11. März die Weltgesundheitsorganisation die Covid-19-Erkrankung als Pandemie ein. Keine Woche später wurde der Tourismus komplett runtergefahren und Fehmarn abgeschottet. Zwei Monate später wurde wieder geöffnet – Himmelfahrt und Pfingsten folgten und mit den Feiertagen ein Boom, der sich über den Sommer fortsetzte, und den sich die Touristiker für 2020 gar nicht mehr vorzustellen vermochten.

Campingplätze auf Fehmarn retten die Tourismus-Bilanz

Dennoch hatte Fehmarn übers Jahr gerechnet voraussichtlich etwa 2,6 Prozent weniger Gäste. „Die Verluste aus der Vorsaison, in der Fehmarn für sechs Wochen gesperrt war, konnten in der Nachsaison doch nicht mehr kompensiert werden“, berichtet Oliver Behncke, Tourismusdirektor der Insel. Allerdings blieben die Übernachtungszahlen mit 2,64 Millionen gegenüber 2019 konstant. „Die Gäste sind länger geblieben“, erklärt Behncke. Positiver Treiber seien die Campingplätze der Insel gewesen, die laut Behncke trotz Lockdown übers Jahr gerechnet zwölf Prozent mehr Übernachtungen verzeichnen konnten.

Ebenfalls positiv: Der Erlös der Kurabgabe für Übernachtungen stieg in 2020 um 4,6 Prozent, da sich mehr Gäste in der Zeit des höheren Kurabgabesatzes auf Fehmarn aufhielten als in der Nebensaison.

Ein Hauch von Normalität setzte also ein und hielt bis in den Herbst an, schließlich verzeichnete Ostholstein im Sommer teilweise über Wochen keinen neuen Infektionsfall. Auch für die Nachsaison habe eine deutlich höhere Nachfrage bestanden, so Behncke. Selbst kurz vor dem touristischen Übernachtungsstopp habe die Auslastung der Betten noch bei 49 Prozent gelegen.

Viel Lesen in der Glaskugel.

Tourismuschef Oliver Behncke

Ende Oktober wurden touristische Übernachtungen wieder verboten. Seither verharrt ein ganze Branche wieder in Schockstarre. Ende noch offen. Denn: Wie es in den nächsten Wochen bis Ostern weitergeht, sei „viel Lesen in der Glaskugel“, so der oberste Touristiker der Insel, der natürlich infolge der Impfungen und des verlängerten Lockdowns auf eine sinkende Inzidenz hofft. 

Ein richtungsweisendes Datum ist für Behncke der 25. Januar, wenn die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin wieder zusammenkommen, um für das weitere Vorgehen in der Pandemie einen gemeinsamen Nenner zu finden. Der Tourismus-Service Fehmarn (TSF) sei für alle Eventualitäten vorbereitet – und schlimmer könne es ja kaum kommen, so Behncke und sagt: Werde der Tourismus wieder etwas angefahren, „stehen wir bereit“. Dann müssen auch alle Mitarbeiter wieder zu 100 Prozent zurückgeholt werden, denn beim TSF herrscht seit zwei Monaten Kurzarbeit. Betroffen seien nahezu alle Abteilungen zwischen 50 und 100 Prozent. Dies bleibe zunächst bis Ende des Monats so.

„Höher, größer, weiter“ ist nicht mehr angesagt

Kommt es zu Lockerungen, dann ist „Druck auf dem Kessel – die Menschen wollen raus“, ist Behncke sicher, dass die Reisemotivation entsprechend groß sein werde. Dann müsse man die Gäste aber nicht umfänglich mit Veranstaltungen bespaßen. Wichtiger sei eine gute Infrastruktur wie Rad- und Wanderwege, saubere Strände, Möglichkeiten zum Shoppen und ein gutes kulinarisches Angebot. Um „höher, größer, weiter“ gehe es jedenfalls nicht mehr. Vielmehr müsse man für die „schönste Zeit des Jahres eine Wohlfühlatmosphäre schaffen“. Dennoch betont Behncke im gleichen Atemzug, dass damit kein Abgesang auf Großveranstaltungen eingeläutet werde. „Sie werden weiterhin ihren Platz haben.“ Dann vor allem Open Air: „Das ist das Gebot der Stunde.“

Veranstaltungsprogramm soll auf Fehmarn erst im Mai beginnen

Bis Ostern gibt es auf Fehmarn keine großen Events. Entsprechend sei es auch einfacher, sich den Entscheidungen der Politik anzupassen, erklärt Behncke. Das richtige Veranstaltungsprogramm beginnt auf Fehmarn sowieso erst ab Mai. So ist es zumindest geplant. „Die Verträge sind mit entsprechender Möglichkeit einer Absage aufgesetzt.“ Wichtig für den Chef des TSF: Kommt es im Laufe des Jahres zu einer erneuten Welle und einem Runterfahren des Tourismus, werden „Kosten und Aufwendungen wieder reduziert“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.