Letzter Tag für Schulleiterin in Landkirchen / Karin Iwanowski übernimmt kommissarisch

Tschüss, Frau Steffen

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Mit Abschiedslied und vielen Geschenken wurde die Schulleiterin der Grundschule Landkirchen, Monika Steffen, von den Schülern, Lehrern und Eltern in den Ruhestand geschickt. Zum Dank gab es hausaufgabenfrei.

Fehmarn – Von Simone Walper. Landkirchen ist seine Schulleiterin los. Gestern Vormittag wurde Monika Steffen von allen Schülern und Lehrern sowie einigen Eltern sanft aus der Schule geschubst. Und zum Abschied gab es noch eine Überraschung. Heimlich hatten Schüler, Lehrer und Eltern in Absprache mit Monika Steffens Ehemann Hartmut eine Abschiedsfeier in der Turnhalle vorbereitet.

Kurz nach 11 Uhr kam eine völlig unbedarfte Monika Steffen in die schön geschmückte und voll besetzte Turnhalle. Schon da war ihr die Rührung anzumerken.

Mathias Krause vom Schulelternbeirat begrüßte Monika Steffen mit den Worten: „Es ist Dein Tag heute.“ Er erläuterte, wie es zur Abschiedsfeier kam: „Wir verstehen uns hier als Dorfschule, und es gehört zum Charme einer Dorfschule, dass sich die Eltern zu besonderen Anlässen gemeinsam etwas überlegen.“ Das Ergebnis der vielen Stunden, die man beim Italiener Calzone essend und über ein Abschiedsgeschenk nachdenkend verbracht hatte, konnte sich sehen lassen. So fuhr Krause fort: „Es ist ja für die Eltern Pflicht, sich etwas für den ersten Schultag ihrer Kinder zu überlegen“, und so sei die Idee entstanden, Monika Steffen eine Schultüte für den letzten Schultag zu packen. In Anlehnung an das traditionelle Kinderfest wurde die Schulleiterin denn auch mit Blumenkrone und Blumenzepter ausgestattet und durfte auf einem grünen Samtthron Platz nehmen, bevor mehrere Eltern nacheinander die Schultüte füllten. „Heute bist Du die Königin, und wir wollen Dir den letzten Schultag versüßen“, ließen die Eltern wissen.

Die gesamte Elternschaft hatte zusammengelegt, um die Schultüte üppig füllen zu können. Hinein kam zuerst einmal ein FT vom Einschulungstag Steffens. „Damit Du weißt, was Du damals alles auf Fehmarn verpasst hast“, unkte Krause. Dann folgten neben Süßigkeiten ein Bild von ihrer Einschulung, ein Gutschein für ein Frühstück zu zweit, Sonnenschutzcreme und Schlafmaske für die kommenden Reisen, ein Portemonnaie mit Taschengeld für die Dinge, die man zu Hause vergessen hat, und ein Gutschein für eine Fährfahrt nach Dänemark. Für die Kreuzfahrt habe das Geld leider nicht gereicht, bedauerten die Eltern.

Landkirchens Schulleiterin Monika Steffen bekam zum Abschied noch viele weitere Geschenke. Die Erdbeertorte brachte sie zum Lachen: „Es hat sich wohl rumgesprochen, dass ich Erdbeertorte liebe.“

„Ich habe nichts von alldem geahnt und bin völlig baff. Das wird mir immer in Erinnerung bleiben“, sagte sie gerührt ob der Überraschungsparty und bedankte sich bei den Eltern: „Es war immer toll, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, und ich hoffe, dass es hier an der Schule so gut weitergeht, und dass Sie Frau Iwanowski genauso viel Vertrauen entgegenbringen wie mir.“

Im Anschluss sangen die gut 130 Landkirchener Grundschüler ihrer Schulleiterin ein eigens getextetes Abschiedslied und winkten mit ihren Taschentüchern. Natürlich gab es auch von den Schülern noch Geschenke, darunter ein Bild mit einem Baum, dessen Blüten aus den Fingerabdrücken der Kinder bestanden, zwei Ordner mit Geschichten und Gemälden der Schüler und ein T-Shirt der jahrgangsübergreifenden Klasse.

Monika Steffen bedankte sich bei den Kindern mit ihrer letzten Dienstanweisung: „Heute gibt es keine Hausaufgaben“, die ihr großen Jubel einbrachte, und verabschiedete sich mit ein paar Worten zu ihrem Beruf: „Lehrer ist ein ganz toller Beruf. Ich habe ihn immer geliebt.“ Wenn man morgens in die Schule kommt, weiß man nie, was einen erwartet. Kein Tag sei wie der andere. „Aber mit Euch tollen Schülern, die ja meistens hören, hat es immer Spaß gemacht. Ebenso mit einer so guten Elternschaft und dem wunderbaren Kollegium.“

1979 kam Monika Steffen als Lehrerin nach Grömitz und acht Jahre später, als ihr Mann nach Fehmarn versetzt wurde, auf die Insel. Dort startete die gebürtige Rheinland-Pfälzerin, die aus dem Taunus stammt, in der Grundschule Puttgarden, die sie später bis zu ihrer Auflösung leitete. Nach zwei Jahren als Lehrerin an der Grundschule in Burg bewarb sie sich auf die freie Stelle der Schulleitung in Landkirchen. „Das war genau mein Ding – das Kleine, Familiäre“, ist sie noch heute über ihre Entscheidung froh.

Aber jetzt steht ein neuer Lebensabschnitt an und den will die jung gebliebene Ruheständlerin genießen: „Jetzt mache ich erst mal, was ich will. Ausruhen, Sport treiben, kochen, backen, nähen, lesen“, fasst sie kurz zusammen. Und natürlich stünden auch Reisen auf dem Programm. Zudem sei für März die Geburt des vierten Enkelkindes in der Schweiz angesagt. „Schön, dass ich jetzt mehr Zeit für meine Kinder und die Enkel habe. Und natürlich auch für meinen Mann.“ Er brauche jetzt nicht mehr anzurufen und zu fragen: „Wann kommst Du?“

Derzeit ist die Stelle der Schulleitung in Landkirchen ausgeschrieben. Bis zur Neubesetzung übernimmt Karin Iwanowski die kommissarische Leitung.

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