Dänische Studie zum Fehmarnbelttunnel: Verdoppelung des Kfz-Verkehrs schon nach dem ersten Betriebsjahr

Tunnel volkswirtschaftlich ein Gewinn

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Reger Verkehr am Fährbahnhof in Puttgarden. Mit Eröffnung des Fehmarnbelttunnels wird es im Personen- wie auch im Güterverkehr nach Auffassung von Dansk Brancheanalyse zu Preissenkungen kommen auf dem Fehmarnbelt.

FEHMARN -hö- Es sind schon zahlreiche Studien im Zusammenhang mit der Errichtung einer Festen Fehmarnbeltquerung erstellt worden. Je nach Auftraggeber überwiegen im Resultat die positiven oder negativen ökonomischen und ökologischen Auswirkungen. Das Unternehmen Dansk Brancheanalyse ApS kommt in einer im Juli veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass sich das gesamte Projekt rechnet und unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten bereits sechs Jahre nach Eröffnung abgezahlt ist.

Die von den dänischen Wissenschaftlern aufgestellten Prognosen basieren jedoch auf der Annahme, dass es nach der im Jahr 2028 vorgesehenen Eröffnung des Fehmarnbelttunnels keinen Weiterbetrieb des Fährverkehrs zwischen Puttgarden und Rødbyhavn geben wird. Die Reederei Scandlines hat aber bis heute stets betont, parallel zum Belttunnel weiterfahren zu wollen.

„Geniale Behauptung“ von Scandlines

Gerade daran glaubt Dansk Brancheanalyse nicht. Die Gutachter sprechen von einer „genialen Behauptung“, die nicht zurückgewiesen werden könne. Auch wenn sie aus dem offiziellen Geschäftsbericht von Scandlines hervorgehe, könne sie nicht ernst genommen werden. Sollte die Reederei nach Eröffnung des Tunnels parallel weiterfahren, dürfte es nach Einschätzung von Dansk Brancheanalyse „nur wenige Monate dauern, bis sie dieses Verlustgeschäft beendet“. Bereits die Fähren über den Großen Belt und auf der Strecke Kopenhagen - Malmö seien praktisch mit der Eröffnung der dortigen Querungen eingestellt worden.

Für Dansk Brancheanalyse steht fest, dass die feste Querung des Fehmarnbelts „ansehnliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Gewinne“ erzeugt. So würde sich der volkswirtschaftliche Gesamtgewinn in den ersten 50 Jahren des Tunnelbetriebs auf über 30 Milliarden Euro summieren. Bei ausschließlicher Betrachtung der reinen Baukosten von acht Milliarden Euro wäre eine Amortisation erst nach 31 Jahren erreicht, schränken die Gutachter ein.

Ihren Fokus legen die dänischen Analysten auf den Straßenverkehr. Sie gehen davon aus, dass bereits zehn Jahre nach Eröffnung des Tunnels sieben Millionen Fahrzeuge jährlich den Fehmarnbelt queren, allein im ersten vollen Betriebsjahr dürften es ihren Annahmen zufolge vier Millionen sein, derzeit sind es gerade einmal zwei Millionen. Und an der Zahl von zwei Millionen Fahrzeugen dürfte sich nach Einschätzung von Dansk Brancheanalyse nichts ändern, so lange die Reederei Scandlines die Fährlinie betreibt.

Als eine Ursache hat die dänische Untersuchung die Preispolitik des Monopolisten Scandlines ausgemacht. Die Preise würden „gerade so unterhalb der Schmerzgrenze für eine Umfahrung des Fehmarnbelts liegen“. Deshalb sei klar, „dass sich der Verkehr auf dieser Querung nicht entwickeln wird“, schreibt Ole Engholm von Dansk Brancheanalyse. Die Mautgebühren am Großen Belt und am Öresund würden hingegen auf einem deutlich niedrigeren und gesellschaftlich besser verträglichen Niveau liegen. Das Resultat: In den Jahren von 2006 bis 2016 habe der Kfz-Verkehr über den Großen Belt um 23,3 Prozent zugenommen, der über die Öresundbrücke um 28,7 Prozent. Auf dem Fehmarnbelt sei der Kfz-Verkehr in diesem Zeitraum hingegen um 4,8 Prozent zurückgegangen.

Dem vorgelegten dänischen Gutachten ist die Annahme zugrunde gelegt, dass eine einfache Tunnelpassage für einen Pkw 40 Euro nach heutigem Preisniveau kosten würde. In die Analyse nicht einbezogen wurde der Bahnverkehr. Es sei aber davon auszugehen, dass bei einer gründlichen Berechnung des finanziellen Beitrags der Bahn zu den Einnahmen der Festen Fehmarnbeltquerung vermutlich eine Verkürzung der Rückzahlungsfrist um einige Jahre das Resultat sei, ist Ole Engholm überzeugt.

Deutlich günstigere Frachttarife erwartet

Zu den volkswirtschaftlichen Gewinnen zählt die dänische Untersuchung die Verkürzung der Reisezeit nicht nur für Personen, sondern auch die der Güter. „Sie wird zu deutlich günstigeren Frachttarifen bei den Speditionen zwischen Ostdänemark/Skandinavien und Deutschland/Kontinentaleuropa führen, ganz gleich, ob die Güter per Bahn oder Lkw befördert werden“, bilanziert Dansk Brancheanalyse.

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