Biologin im Biotop für Hinterlandanbindung
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Acht Reusen hatte die Biologin Inken Neugebohren zwölf Stunden vorher im Biotop in Rellin ausgelegt. Neben Libellenlarven und Wasserkäfern ließen sich auch Molche ködern.

Nötig für den Bau der FFBQ-Hinterlandanbindung

Umweltmaßnahmen: Deutsche Bahn lässt für den Trassenausbau kartieren

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Für den Bau der neuen Schienentrasse zwischen Lübeck und Fehmarn muss die Deutsche Bahn ordentlich Geld für die Umweltmaßnahmen in die Hand nehmen. Momentan wird kartiert.

  • Kartierung entlang der 88 Kilometer Bahnstrecke zwischen Lübeck und Fehmarn dauert bis Ende des Jahres.
  • 25 Kilometer Knicks gekauft, 90 Hektar Wald aufforsten lassen – alles in Schleswig-Holstein.
  • Umweltmaßnahmen machen 2,5 Prozent der Gesamtkosten aus.

Heringsdorf – Seit 1. März lässt die Deutsche Bahn (DB) entlang der 88 Kilometer langen Schienenhinterlandanbindung zwischen Lübeck und Puttgarden Flora und Fauna nachkartieren. Nötig wurde dies, weil die erste Kartierung 2015 quasi nach fünf Jahren abgelaufen war. „Wir frischen die Bilanz auf. Nach fünf Jahren muss aktualisiert werden“, erklärt Inken Neugebohren von der beauftragten Gesellschaft für Freilandökologie und Naturschutzplanung (GFN). „Sind die Daten nicht aktuell, dürfen wir nicht bauen“, sagt DB-Pressesprecher Peter Mantik und fügt hinzu: „Erst der Naturschutz, dann wird gebaut.“

Kartierung dauert noch bis Ende des Jahres

Die Biologin steht in einem kleinen Biotop in Rellin in der Gemeinde Heringsdorf, rund 150 Meter von der Bahntrasse entfernt. Eingeladen hatte die DB zu einem Vor-Ort-Pressetermin, um über die Arbeiten zu informieren, die wohl noch bis zum Ende des Jahres andauern werden, bevor Anfang 2022 der Abschlussbericht mit Verbreitungskarten und Fotos vorliegen soll.

Einen Teichmolch konnte die Biologin aus einer Reuse holen.

Der Aufwand der betrieben wird, ist durchaus groß: Unter anderem werden zur Amphibienerfassung elf Gewässer geprüft, acht Begehungen von Reptilienvorkommen, zehn Tagesbegehungen für Brutvögel, Dämmer- und Nachtbegehungen für Eulen und Fledermäuse, Erfassung von Baumhöhlen und Spalten oder die Sichtung für Totholz- und mulmbewohnende Käferarten.

Wir kartieren alle Artengruppen.

Biologin Inken Neugebohren

„Wir kartieren alle Artengruppen“, betont die 29-jährige Biologin, was für die Planung unerlässlich sei, so Mantik, der als Ziel ausgibt, dass schützenswerte Tiere, Biotope (etwa 3000 Hektar) und schützenswerte Pflanzen (auf einer Fläche von rund acht Hektar) keine Beeinträchtigung durch den Bau erfahren werden.

Zeigt Monitoring, dass die Maßnahmen nicht greifen, muss nachgesteuert werden

Dafür lässt die DB Lebensbereiche durch Vergrämung für die Fauna unattraktiver machen, schafft neue Lebensräume, versucht im Kern Wanderungsbewegungen zu lenken, die wiederum in ihrer Ausprägung ganz unterschiedlich sind. Während Amphibien wie der Kammmolch oder die Erdkröte dies verstärkt tun, seien Reptilien wie Blindschleiche, Ringelnatter oder Waldeidechse, die an Gleisen oder in der Böschung zu finden sind, weniger ausbreitungsfreudig, so Inken Neugebohren. Zeigt das Monitoring, dass die Maßnahmen nicht greifen, muss nachgesteuert werden. Am Ende könnte dann auch eine aktive Umsiedlung stehen. 

Einen Kammmolch konnte die Biologin aus einer Reuse holen. Folgerichtig muss das Biotop in Rellin eingehaust werden.

Anderes Beispiel: Die Haselmaus, die vorzugsweise in Knicks lebt, soll in ihrer Wanderung gelenkt werden. 25 Kilometer Knicks abseits der Schienentrasse, außerhalb des Baufeldes, habe die DB als Ersatz bisher geschaffen, sagt Jörg Weiße, der eigentlich kaufmännischer Leiter für die Feste Fehmarnbeltquerung bei der DB ist, aber durch den Ankauf von Ökopunkten mittlerweile auch vom Fach ist, was die Umweltmaßnahmen betrifft. „Wir haben den Markt leer gekauft.“

Kosten für die Umweltmaßnahmen steigen

Apropos: Die Kosten für die Umweltmaßnahmen steigen, machen mittlerweile 2,5 Prozent der Gesamtbaukosten aus. Allein die Kartierung kostet laut Angaben der DB etwa drei Millionen Euro. Hinzu kommen die besagten Ökopunkte, also der Ausgleich für den Eingriff in die Natur: Zunächst waren es sechs, jetzt sind es acht Millionen. „Pro Punkt kann man mit drei bis vier Euro rechnen“, lässt Weiße die finanziellen Dimensionen erahnen.

Bisher haben wir alles in Schleswig-Holstein ausgeglichen.

DB-Sprecher Peter Mantik

Darüber hinaus hat die Bahn bisher 90 Hektar Wald aufforsten lassen und weitere Flächen angeschafft, unter anderem für Wachtelkönig, Bauchige Windelschnecke oder Feldlerche. „Bisher haben wir alles in Schleswig-Holstein ausgeglichen“, betont Mantik, wobei es das oberste Ziel sei, in Ostholstein Ersatzmaßnahmen umzusetzen, „damit die Menschen auch vor Ort etwas davon haben“.

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