Peter Lundhus baute schon die Storebælt- und die Öresundbrücke.  Foto: Heiko Witt

Der dänische Brückenbauer Peter Lundhus im FT-Interview über seinen Traum von der Beltbrücke

"Und es ist noch größer"

KOPENHAGEN  • Nur zu gern würde Peter Lundhus eine Schrägseilbrücke über den Belt bauen. Doch bis jetzt gibt es weder das politische Mandat noch die Genehmigung dafür. Sein großer Traum könnte an den Kollisionsrisiken scheitern. Dann würde der Tunnel kommen. Lesen Sie unser Interview mit dem Brückenbauer.

Fehmarnsches Tageblatt: Herr Lundhus, Sie haben die Brücken über den Großen Belt und über den Öresund gebaut. Und Sie waren in Ihrem Leben zuständig für den Bau von Brücken, Tunneln und Hafenanlagen in Europa, Asien und Afrika. Wie würden Sie Ihre Verbundenheit zu Brückenprojekten ausdrücken ? Was bedeutet das für Sie ?

Peter Lundhus: In meinen jüngeren Jahren war es die technische Herausforderung, die mich reizte, und das Kämpfen mit den Kräften der Natur.

Heute ist mein Antrieb, das Leben der Menschen zu verbessern, ihnen schnellere Verkehrswege zu verschaffen und zu einer besseren Wirtschaftsentwicklung beizutragen.

Fehmarnsches Tageblatt: Nun soll der Bau der Beltquerung folgen. Was sind die größten Unterschiede dieser drei Bauwerke aus Ihrer Sicht ?

Peter Lundhus: Der erste Bau, die Verbindung über den Großen Belt, war eine technische Herausforderung. Er verband Dänemark miteinander. Bei der Öresundquerung kamen auch die mentalen Herausforderungen hinzu, zwei Länder miteinander zu verbinden. So ist es auch bei der Fehmarn-Verbindung. Doch es gibt neue Regeln und es ist noch größer.

Fehmarnsches Tageblatt: Wie verlief der Bau der Öresundquerung ?

Peter Lundhus: Es lief für ein Drei-Milliarden-Euro-Projekt sehr reibungslos. Wir haben zu keiner Zeit Rechtsanwälte beschäftigt. Wir machten einen einfachen Vertrag, der leicht zu lesen war und wir waren Bauherren, die die Probleme im Griff hatten.

Fehmarnsches Tageblatt: Auch bei der Öresundquerung waren zwei Nationen an dem Bau beteiligt. Welche technischen Besonderheiten traten dadurch auf - und wie wurden sie gelöst ?

Peter Lundhus: Nun, beispielsweise fahren in Schweden alle Züge links von den Straßen und in Dänemark rechts. Wir einigten uns nach langen Diskussionen für die Öresundquerung auf die rechte Seite.

Fehmarnsches Tageblatt: Welche besonderen baulichen Probleme galt es zu lösen ?

Peter Lundhus: Die Integration der Umwelt und viele technische Probleme. Wir spannten die größte Brücke ihrer Art, also für Autos und Züge, auf der Welt.

Fehmarnsches Tageblatt: Wie viele Bauarbeiter waren am Bau der Öresundquerung beteiligt ?

Peter Lundhus: Auf beiden Seiten des Öresunds arbeiteten je 2 000 Mitarbeiter und noch einmal 2 000 arbeiteten in Cadiz in Spanien. Fehmarnsches Tageblatt: Herr Lundhus, Sie waren am Großen Belt Projektleiter für den Ost-Tunnel, Sie waren Technischer Direktor des Öresundsbro Konsortiet. Jetzt sind Sie 66 Jahre alt, werden Sie auch noch die Beltbrücke bauen oder werden Sie diese Aufgabe nicht mehr übernehmen ?

Peter Lundhus: Ich habe keine Pensionspläne. Ich genieße die Herausforderung. Ich möchte weiter machen, zumindest, bis wir die beste Lösung für die Konstruktion gefunden haben. Und natürlich, solange es meine Gesundheit zulässt.

Fehmarnsches Tageblatt: Ist die Beltbrücke vielleicht Ihre letzte große berufliche Herausforderung ? Oder werden Sie im Laufe des Projekts in den Ruhestand gehen – und von Zeit zu Zeit verfolgen, wie es mit dem Bauwerk weitergeht ?

Peter Lundhus: Ich glaube, es ist die letzte.

Fehmarnsches Tageblatt: Welche Variante würden Sie dem Baukonsortium empfehlen ? Eine Schrägseilbrücke, einen Tunnel oder eine kombinierte Lösung ?

Peter Lundhus: Wir glauben an die Schrägseilbrücke, eine Schrägseilbrücke ist ihr Geld wert. Ich bevorzuge sie deutlich. Wir werden demnächst die Simulationstests mit Kapitänen beginnen. Wenn wir für die Schrägseilbrücke keine Genehmigung erhalten sollten, dann wäre es der Tunnel. Der wäre aber noch eine Milliarde Euro teurer. Am Öresund haben wir zur dänischen Seite nur wegen der Nähe des Flughafens Kastrup mit einem Tunnel fortgesetzt.

Fehmarnsches Tageblatt: Wird der Bau der Beltbrücke die größte Herausforderung im Vergleich zu Store Baelt und Öresund – und wenn ja, warum ? Und haben selbst die dänischen Brückenbauer nicht Respekt davor ?

Peter Lundhus: Es ist Europas größtes Konstruktionsprojekt, und es gilt eine natürliche Grenze, Fehmarnbelt, und eine nationale Grenze zu überspannen. Ja, wir haben großen Respekt, aber keine Furcht. Wir haben eine Menge Erfahrung durch die ersten beiden Querungen. Es ist das, was wir schon getan haben, nur ein bisschen größer an allen Stellen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.

Fehmarnsches Tageblatt: Welche internationale Dimension hat das Projekt ?

Peter Lundhus: Das Equipment wird von überall aus der Welt kommen. Am Öresund waren zehn Nationalitäten beteiligt. Wir erwarten, dass einige spezielle Baumaschinen extra für den Fehmarnbelt gebaut werden müssen.

Fehmarnsches Tageblatt: Die Bundesregierung beteiligt sich nicht an der Finanzierung, am Bau und am Betrieb der Beltquerung. Sind Sie froh darüber, dass es somit ein dänisches Projekt wird ?

Peter Lundhus: Nicht wirklich. Ich hätte es bevorzugt, wir hätten es 50:50 gemacht, dann wäre Deutschland auch stärker in der Verpflichtung gewesen. Wir müssen eingestehen, dass 50 Prozent des Baus auf deutschem Territorium stattfindet. Wir haben deutsche Bauarbeiter zu beschäftigen, wie wir schwedische am Öresund beschäftigt haben.

Fehmarnsches Tageblatt: In Deutschland hat das Bundeskabinett den „Staatsvertrag von Kopenhagen“ vom 3. September bereits gebilligt. Wann, glauben Sie, werden die Parlamente in Deutschland und Dänemark entschieden haben ?

Peter Lundhus: Gerade jetzt (am 23. Januar, Anm. d. Red.) wird unser Parlament mit den Beratungen beginnen und ich glaube, die Entscheidung fällt im April oder Mai. Ich hoffe, dass auch Deutschland noch vor der Sommerpause eine Entscheidung fällt.

Fehmarnsches Tageblatt: In welcher Zeit, glauben Sie, wird Dänemark die Kosten für die Beltquerung wieder eingespielt haben ?

Peter Lundhus: Die Finanzanalysen, die Background für die Entscheidungen der Parlamente sind, gehen davon aus, dass die Refinanzierung in 25 bis 30 Jahren erfolgt. Aber die Verbindung wird über 150 Jahre stehen. Die Erfahrungen am Großen Belt zeigen, dass mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen die Mautgebühren sinken. Wenn es gut läuft, dann kann die Periode auch kürzer sein.

Fehmarnsches Tageblatt: Was aber, wenn die Fähren weiter fahren ? Die Fähren wollen sich bis 2025 der Konkurrenz stellen.

Peter Lundhus: Wir haben eine freie Wirtschaft, doch die Fähren werden nicht mehr attraktiv sein. Es liegt in der Natur des Menschen, sich den schnellsten Weg zu suchen. Auf die Brücke wird man nie warten müssen.

Fehmarnsches Tageblatt: Auf der Insel Fehmarn machen sich die Menschen die größten Sorgen. Sie fürchten den Verlust der Arbeitsplätze auf den Fähren, sie fürchten erhebliche Einbußen im Tourismus während der Bauzeit und sie spüren wenig Unterstützung. Haben Sie sich schon einmal mit der Struktur der Insel und den möglichen Auswirkungen beschäftigt ?

Peter Lundhus: Wir verstehen die Befürchtungen. Sie herrschten 1987 am Großen Belt anfangs auch. Es liegt an der Ungewissheit für die Menschen. Wir glauben, die Befürchtungen sind nicht begründet. Wir werden uns sehr anstrengen, umfassend zu informieren. Auch die Dänen sind betroffen, aber sie sind nicht ängstlich. Sie wissen aufgrund der Erfahrungen am Großen Belt und am Öresund, wir berücksichtigen die Umweltfragen in den Verträgen.

Fehmarnsches Tageblatt: Wie hoch waren die Besucherzahlen in dem Ausstellungszentrum am Öresund ?

Peter Lundhus: Wir hatten eine Million Besucher, 25 Prozent in Dänemark und 75 Prozent in Schweden.

Fehmarnsches Tageblatt: Im Bericht zum Umweltkonsultationsverfahren schreibt das Bundesverkehrsministerium, dass es durch die Bauarbeiten zu einer Beeinträchtigung der Badewasserqualität kommen könnte. Gibt es Möglichkeiten, diese Gefahren einzudämmen oder auszuschalten ?

Peter Lundhus: Natürlich, das ist genau das, was wir am Öresund getan haben, wo der Untergrund sehr kreidig ist. Wir hatten zu verhindern, dass sich das Wasser sichtbar für drei Millionen Menschen am Öresund verfärben würde und sichtbar für 30 Millionen Flugpassagiere. Wir hatten Kontrollmechanismen, die sehr strikt eingehalten wurden.

Fehmarnsches Tageblatt: Wer garantiert Fehmarn die Einhaltung der höchsten Umweltstandards ?

Peter Lundhus: Garantien geben nur Banken, und nur mit Schwierigkeiten.

Fehmarnsches Tageblatt: Na ja, heutzutage geben Garantien eigentlich nur noch die Staaten ...

Peter Lundhus: Wir werden einen Plan machen in Zusammenarbeit mit den nichtstaatlichen Organisationen, in der Hoffnung, dass sie konstruktiv sind, so können wir ihre relevanten Wünsche einbeziehen. Das Ganze muss abgestimmt sein mit den Behörden, bevor wir die Pläne umsetzen können. Das dänische Parlament ist sich der Umweltfragen sehr bewusst und erwartet keine unerwarteten Überraschungen durch uns.

Fehmarnsches Tageblatt: Wie groß wird die Baustelle sein ?

Peter Lundhus: Die Fehmaraner selbst können entscheiden, ob sie eine Baustelle wollen oder nicht. Es ist möglich, eine Baustelle einzurichten mit vielen Menschen, die unter anderem Steuern zahlen würden. Es ist aber auch möglich, keine Baustelle zu haben. Das ist etwas, über das wir zu sprechen haben.

Fehmarnsches Tageblatt: Glauben Sie, dass die Feste Beltquerung durch die Finanzkrise gefährdet wird ?

Peter Lundhus: Nein, das glaube ich nicht. Wir haben eine staatliche Bürgschaft für das Projekt. Ich glaube sogar, dass die Preise für Öl, Zement und Stahl und Bauarbeiten sinken werden. So können wir die Kosten erst einmal besser kontrollieren.

Das Interview führte

Heiko Witt

ft-online/lokales vom 23. Januar 2009

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