Petersdorf: Tiere leben zwischen Müll und Kadavern / Besitzer bekommt Auflagen

Unhaltbare Zustände

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Unhaltbare Zustände: Bis zu 100 Tiere zählten die Tierschützer. Der Kreis spricht von ungefähr 50.

Fehmarn –mb– „Diese Bilder bekommt man nicht mehr aus dem Kopf“, ist Perchta Krause vom Verein „Tiere in Not Heiligenhafen-Fehmarn“ sichtlich mitgenommen und auch wütend. Gravierende Missstände auf einem Grundstück wenige Meter östlich vorm Ortseingang Petersdorf, auf dem Tiere gehalten werden, haben die Tierschützer vom Verein auf den Plan gerufen. „Das hat eine Dimension, die ich so noch nicht gesehen habe“, ist der Vorsitzende des Vereins, Hans-Detlef Stölken, fassungslos. Mittlerweile sind der Kreis Ostholstein und auch das Ordnungsamt Fehmarn eingeschaltet. Wenngleich von offizieller Seite keine Tierwohlgefährdung zu erkennen sei.

  • Tierschützer sehen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz
  • Ratten in Richtung Grundstück geflüchtet
  • Zustand sei nicht zu beanstanden
„Jeder hat ein Recht auf Verwahrlosung. Aber was uns dann vor Ort erwartet hat, war zutiefst verstörend“, ist Perchta Krause die psychische Belastung deutlich anzumerken. Aufmerksam wurde der Verein auf den Fall, als sich am 7. Juni ein Spaziergänger meldete mit den Worten: „Ich habe das Gefühl, dass hier etwas nicht rechtens ist.“ Am nächsten Tag wollten sich Krause und ihre Mitstreiterin Laura Hiller einen eigenen Eindruck verschaffen. Schnell sei beiden klar gewesen: „Das ist definitiv ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, so Krause, die dann das Ordnungsamt der Stadt und den Vereinsvorstand einschaltete sowie am 11. Juni auch Anzeige bei der Polizei erstatte. Dabei stellte sie den Behörden auch Fotomaterial zur Verfügung.

Bereits beim Vorfahren mit dem Auto seien Ratten in Richtung Grundstück geflüchtet. Auf dem Gelände sei man auf ausgehungerte Tiere, umgeben von Kadavern, teils stark verwest und skelettiert, sowie Unmengen von Müll getroffen. Krause zählt unter anderem eingeschweißte Salate, Jogurtbecher, eine Palette mit Nutella-Gläsern, die teilweise aufgesprungen rumlagen, auf. Nicht alle Tiere liefen frei auf dem Grundstück umher: „Alles was lebte, ist sofort rausgesprungen. Die Hühner hatten ein deutliches Entscheidungsproblem, ob sie erst essen oder trinken sollen“, erinnert sich Laura Hiller. Zwischen 30 und 50 Junghühner wollen die Tierschützerinnen gezählt haben, beherbergt in „sargähnlichen Verschlägen“. Insgesamt sollen es bis zu 100 Tiere auf dem Grundstück gewesen sein.

Das Grundstück liegt keinesfalls abgelegen, ist vom Zaun gut einsehbar. Krause sprach am Freitag auch eine Joggerin an, die am Grundstück vorbeilief. „Wissen sie, was hier los ist?“ Antwort: „Ja, das ist seit Jahren schon so.“

Am Zustand der Tiere ist nichts auszusetzen

Einen deutlich anderen Blick auf die Situation der Tiere und deren Umgebung auf dem Grundstück hat der zuständige Fachdienst Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit beim Kreis Ostholstein. Der Fachdienst habe am Freitag eine gemeinsame Kontrolle mit dem Ordnungsamt Fehmarn durchgeführt, so Kreispressesprecherin Carina Leonhardt. Das Ergebnis: „Der Zustand der vorgefundenen circa 50 Enten und Hühner war nicht zu beanstanden, die Versorgung war ebenfalls gewährleistet“, berichtet Leonhardt über die Schlussfolgerungen des Fachdienstes. Dem Tierhalter, der sich „einsichtig und kooperativ“ gezeigt habe, sei allerdings aufgegeben worden, zukünftig ein Register über den Bestand seiner Tiere zu führen. „Eine Nachkontrolle wird durch den Fachdienst Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit des Kreises zeitnah erfolgen“, so Leonhardt.

Auf erneute FT-Nachfrage, ob das Fotomaterial des Vereins in die Einschätzung des Fachdienstes eingeflossen sei, verneinte Leonhardt. „Ausschlaggebend für die rechtliche Beurteilung ist die Situation, die zum Zeitpunkt der Kontrolle vorgefunden wird.“ Zudem sei bei der Kontrolle eine Veränderung im Vergleich zur Situation auf den Fotos erkennbar gewesen.

Ordnungsamt fordert Verbesserungen

Jan Stender, Chef des Ordnungsamtes Fehmarn, gab zu bedenken, dass Kleinigkeiten durchaus zu beanstanden waren. So solle der Tierbesitzer vermeiden, Futter offen herumstehen zu lassen, ebenso müsse den Hühnern ein Bereich mit Hackstreu zur Verfügung gestellt werden. Außerdem seien tote Tierkörper auf dem Grundstück schnellstmöglich zu beseitigen.

Eine erste Nachkontrolle der Auflagen aus der letzten Woche führte das Ordnungsamt am Dienstagnachmittag durch. Mittlerweile sei es viel sauberer auf dem Grundstück. Den Tieren habe ausreichend Futter und frisches Wasser zur Verfügung gestanden, auch deren Federkleid sei intakt und glänzend gewesen, fasst Stender die Einschätzung seines Mitarbeiters vor Ort zusammen und zieht das Fazit: „Es ist erkennbar etwas geschehen. Der Besitzer zeigt sich deutlich bemüht.“ Nichtsdestotrotz habe der Besitzer in der Kürze der Zeit noch nicht alle Auflagen vollumfänglich umsetzen können, weil die Entwicklung aber in die richtige Richtung gehe, habe man sich entschieden, eine einmalige Fristverlängerung für die Behebung der restlichen Beanstandungen bis zum 19. Juni zu gewähren.

Wenn das Ergebnis nicht zufriedenstellend sei, werde das Ordnungsamt eine Ersatzvornahme anordnen, so Stender. Bedeutet auf gut Deutsch: Dritte werden engagiert, um alle Vorgaben zu erfüllen. Die Rechnung bekommt der Tierbesitzer.

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