Karen Prange im Alter von 91 Jahren verstorben

Unruheständlerin aus Leidenschaft

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Karen Prange.

Fehmarn – Tourismus-Pionierin und eine der Wegbereiterinnen für Ferien auf dem Bauernhof, Familien- und Vereinsmensch, Hauswirtschaftsmeisterin und Politikerin, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und der Fehmarn-Medaille der Fehmarn-Stiftung. Karen Prange, fehmarnsches Original und eine Institution, auch weit über die Insel hinaus, ist im Alter von 91 Jahren verstorben.

Fehmarn nimmt Abschied von einer Frau, die wichtige Pflöcke geschlagen hat im Tourismus auf Fehmarn und deren Wort und Meinung in all den Jahren Gewicht hatten.

Ihr bewegtes und facettenreiches Leben meisterte die agile und temperamentvolle Bäuerin stets mit Elan, Humor und einer optimistischen Grundhaltung. Auch über ihren 90. Geburtstag hinaus packte sie als bekannt herzliche Gastgeberin in ihrem Pensionshaus auf dem Ferienhof Presener Deichkrone noch mit an. Ihr Markenzeichen: Unruheständlerin aus Leidenschaft.

66 Jahre kochte Karen Prange fünf Tage in der Woche für bis zu 20 Gäste auf dem Hof. Urkunden und Medaillen des Wettbewerbs „Gastliches Haus“ legen Zeugnis über die Gastfreundschaft ab, mit der „Oma Prange“, wie sie liebevoll von den Urlaubern genannt wurde, ihre Gäste bewirtete.

Das hat sie schon immer getan, anfangs nur unter spartanischsten Umständen: Zimmer mit Plumpsklo und Regenwasser für die Körperhygiene, Vollpension für 6,50 Mark. Als Karen Prange 1953 als eine der ersten Bäuerinnen der Insel Zimmer in ihrem Presener Bauernhaus vermietete, wurde das von vielen Insulanern noch argwöhnisch beäugt. Doch die gebürtige Lübeckerin, die nach einer landwirtschaftlichen Lehre als eine der ersten weiblichen Absolventen im Land mit der Meisterprüfung abschloss, hatte auf Fehmarn ihre ganz große Berufung entdeckt: den Fremdenverkehr.

Als Frau an der Seite des fehmarnschen Landwirts

Heinz Prange

, der einen Vollerwerbsbetrieb mit Schwarzbuntzucht bewirtschaftete, kümmerte sich die Mutter von vier Kindern nicht nur um Familie und Hof, sondern auch um die Gäste, die bei Pranges in Presen bereits ihren

Urlaub

verbrachten, als Fehmarn noch eine richtige Insel war. Die

Sundbrücke

wurde bekanntlich erst 1963 eröffnet.

In rund 30 Vereinen war Karen Prange, die sich auch 26 Jahre kommunalpolitisch in der damaligen Gemeindevertretung Bannesdorf engagierte, Mitglied. 18 Jahre war sie für die CDU im ostholsteinischen Kreistag tätig.

Das Leben geht mit Humor leichter von der Hand, war eine ihrer Devisen. So machte sie den Spaß mit, bei der Insel-Auflage des „Happy“-Songs von Pharrell Williams im Takt zu hüpfen – Kochlöffel schwingend, in ihrem Reich, der Küche.

Sie wirkte nicht nur in einem Werbespot für Bier mit. So gibt es kaum einen Film über die Insel Fehmarn, in dem Karen Prange nicht zu sehen ist.

In Anerkennung ihrer Lebensleistung hätten sich unter normalen Umständen vermutlich gern zahlreiche Wegbegleiter aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben Fehmarns und über die Grenzen der Insel hinaus von der Verstorbenen verabschiedet. Doch aufgrund der Corona-Pandemie ist Karen Prange am Freitag im engsten Familienkreis auf dem Bannesdorfer Friedhof beigesetzt worden. Wer das Bedürfnis verspürt, sich gern noch von Karen Prange verabschieden zu wollen, kann dies ab heute an der Grabstätte tun.

Nicole Rochell

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