Fischsterben im Sahrensdorfer Binnensee / Gewässerproben werden nicht untersucht

Ursache: offenbar uninteressant

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Braun mit Schaum: Der Sahrensdorfer Binnensee am 3. September, als die Gewässerverunreinigung entdeckt wurde.

Fehmarn – Von Andreas Höppner Fischsterben im Sahrensdorfer Binnensee – und keiner weiß warum. Die Ursache ist unbekannt. Die Energie der zuständigen Behörden, dem Warum auf den Grund zu gehen, scheint sich in Grenzen zu halten. Sehr zum Leidwesen des Burger Angelsportvereins, der die Wasserfläche von der Stadt Burg gepachtet hat und nun nach Angaben der 1. Vorsitzenden Irmgard Böhrk einen Großteil des Fischbesatzes verloren hat.

Nach Meldung des Vorfalls machte sich der beim Autobahn- und Bezirksrevier der Polizei in Scharbeutz angesiedelte Fachdienst Umwelt und Verbraucherschutz auf den Weg, um der Sache auf den Grund zu gehen. Laut Pressestelle der Polizei sei ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen Gewässerverunreinigung und unerlaubtem Umgang mit Abfällen eingeleitet worden. Der Fachdienst Boden- und Gewässerschutz des Kreises Ostholstein sei ebenfalls eingebunden gewesen.

Erste Ermittlungen hätten jedoch keine Anzeichen dafür ergeben, dass eine kurzfristig erfolgte Gülleausbringung auf den umliegenden Feldern ursächlich gewesen sein könnte. Auch Ausschwemmungen in Richtung des Sahrensdorfer Binnensees seien nicht zu erkennen gewesen. „Eine konkrete Ursache für das Umkippen des Gewässers war nicht feststellbar“, heißt es vonseiten der Polizei.

Der Fachdienst der Polizei hat im Zuge der Ermittlungen zwei Gewässerproben genommen und einen toten Fisch sichergestellt. Eine Überprüfung der Proben und eine Untersuchung des Fisches habe aber nicht stattgefunden, berichtete der Polizeisprecher dem FT.

Grund: Die Staatsanwaltschaft Lübeck sieht nach aktuellem Ermittlungsstand keine Veranlassung, die Proben untersuchen zu lassen. Die Behörde sei nur befugt tätig zu werden, wenn es Anhaltspunkte für eine Straftat geben würde, so Dr. Ulla Hingst, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Lübeck, auf Nachfrage des FT. Und derzeit gebe es keine Anzeichen für eine strafrechtliche Verhaltensweise. Inwieweit die Umweltschutzbehörde des Kreises im gesetzlichen Rahmen noch tätig werden könne, entziehe sich ihrer Kenntnis, schloss Hingst ihre Ausführungen.

Aber auch der Fachdienst Boden- und Gewässerschutz des Kreises Ostholstein sieht keinen weiteren Handlungsbedarf. Auf unsere Anfrage teilte die Pressestelle des Kreises mit, dass der Fachdienst die Situation vor Ort umgehend gemeinsam mit dem Umweltschutztrupp der Polizei in Augenschein, die Polizei Wasserproben genommen, sich bei der Ortsbesichtigung keine Hinweise auf ein Fremdverschulden, etwa durch die Einleitung wassergefährdender Stoffe, ergeben hätten. Das war‘s.

Weber: Müssen mit dem Kreis sprechen

Bürgermeister Jörg Weber (SPD) reagiert mit einer gehörigen Portion Unverständnis auf das Handeln der Behörden. „Darüber müssen wir mit dem Kreis noch sprechen“, findet Weber. Wie solle man denn beim nächsten Mal vorgehen?, so der Bürgermeister fragend, der nicht nachvollziehen könne, dass Proben zwar gezogen, aber nicht untersucht würden.

Vorsorglich hätten die Stadtwerke Fehmarn ebenfalls Gewässerproben genommen und diese dann im Klärwerk analysiert. Hier könne jedoch nur im kleinen Stil getestet werden, relativiert Weber, der darauf verweist, dass diese Ergebnisse in einem weitergehenden Verfahren keine Relevanz besäßen. Gleichwohl sei der gemessene Sauerstoffwert für gut befunden worden.

Das bestätigt auch Irmgard Böhrk, für die die Ursache des Fischsterbens deshalb nicht ein zu geringer Sauerstoffwert gewesen sein kann. Für sie muss es einen anderen Grund geben. Doch ohne eine Untersuchung der Proben dürfte bei der Ur- sachenforschung weiter im Trüben gefischt werden.

Der Pächter des Sahrensdorfer Binnensees – der Burger Angelsportverein – ist nun der Dumme, denn er muss dafür sorgen, den Fischbestand wieder aufzubauen und bleibt auf den Kosten sitzen.

Laut Irmgard Böhrk sind vor allem Weißfische verendet. Karpfen weniger, die seien widerstandsfähiger. Ein Großteil der Fische sei auch von Möwen und Kormoranen verspeist worden, da zahlreiche Fische zum Überlauf des Binnensees geschwommen seien. „Einige Vögel haben so viele Fische gefressen, dass sie gar nicht mehr fliegen konnten“, beschrieb die 1. Vorsitzende des Burger Angelsportvereins die Lage am Auslauf des Binnensees, wo die Fischjäger reiche Beute vorfanden.

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