Grundstückswert verdreifacht / B-Plan soll Gelände als Eventfläche verstetigen

Quo vadis, „Spielwiese“?

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Die „Spielwiese“ – wie hier beim Bulli-Festival in diesem Jahr – wird schon länger als Eventfläche genutzt. Dies soll durch einen B-Plan nun verstetigt und ausgebaut werden

FEHMARN -mb- Zehn Jahre ist es nun schon her, dass die Stadt ein 2,5 Hektar großes Gelände in Eins-a-La­ge am Südstrand in Burgtiefe an die van-Herk-Gruppe aus Holland veräußert hat. 3,8 Millionen Euro hatte Fehmarn damals für das Grundstück, das im Volksmund „Spielwiese“ genannt wird, bekommen – dazu das Versprechen auf Investitionen. Seitdem ist nichts passiert. Mehrfach hat die Stadt schon versucht, das Grundstück zurückzukaufen – bisher ohne Erfolg. Entwickelt hat sich derweil nur der Preis: Das Gelände ist mittlerweile zwischen zwölf und 13 Millionen Euro wert.

Noch gut erinnert sich Bürgermeister Jörg Weber (SPD) an den 22. März 2016. An jenem Tag machte er sich mit Bauamtsleiter Marcel Quattek, Tourismusdirektor Oliver Behncke und Benjamin May, stellvertretender Fachbereichsleiter Finanzen, samt Übersetzer auf den Weg nach Rotterdam, um in die jahrelange Stagnation auf der Fläche am Südstrand Bewegung zu bekommen. Fehlanzeige: „Adrianus van Herk hatte das Treffen aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Wir hatten unsere Planungen vorgestellt. Es gab eine Tasse Kaffee und das war‘s“, so Weber am Montagnachmittag gegenüber dem FT.

Dass es vertraglich keine Bauverpflichtung oder Rückfallklausel gebe, sei eine Geschichte aus der Vergangenheit. „Die Misere können wir jetzt nicht mehr ändern, aber es bleibt unser Problem“, so der Bürgermeister, für den die Zeit des Wartens vorbei ist. „Wir müssen uns mit denen anlegen und den Druck erhöhen, oder sollen wir nochmal zehn Jahre warten?“ Entsprechend unverständlich war für ihn daher auch Rolf Reijnders‘ (WUW) Anmerkung im Tourismusausschuss, den Holländern zunächst einen Drohbrief zu schreiben. „Wir sind schon lange darüber hinaus.“

Anlass für die Thematsierung war eine Stellungnahme des Ausschusses zur Überplanung der „Spielwiese“ zu einer Eventfläche. Nach sieben Jahren ausbleibender Bautätigkeit ist es der Stadt möglich, den B-Plan anzufassen. „Es ist unter anderem eine Empfehlung des Städtebauförderreferates, so zu verfahren“, merkte Tourismusdirektor Oliver Behncke an.

Hans-Peter Thomsen (WUW) zeigte sich von der Stellungnahme des Ausschusses wenig überzeugt: „Das ist ein Aufstellungsbeschluss, völlig ungefährlich. Der Investor wird davon nicht beeindruckt sein.“ Für andere ging es dagegen viel zu schnell. Peter Meyer (FDP): „Wir wissen nicht, welche Folgen der B-Plan hat.“ Zudem sei die dauerhafte Festlegung als Eventfläche für die Anwohner schadhaft. Behncke und Heinz Jürgen Fendt (SPD) betonten hingegen die Notwendigkeit, weiter zu planen. Mit neun Jastimmen geht dies als Empfehlung an die Stadtvertretung.

Welche rechtlichen Möglichkeiten hat Fehmarn eigentlich? Durch das „Haus des Gastes“ habe man den Städtebaulichen Denkmalschutz mit im Boot – daher könne es am Ende bis zur Enteignung gehen, meint Weber.

Wenn die Stadt, entgegen aller momentanen Anzeichen, das Grundstück am Südstrand zeitnah zurückkaufen könnte, müsste sie wohl mindestens den damaligen Verkaufspreis auf den Tisch legen. Die restlichen zwei Drittel des Kaufpreises würden dann das Land und der Bund bezahlen.

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