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Vater der Fehmarnsundbrücke verstorben

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Von: Andreas Höppner

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Die Fehmarnsundbrücke in der Abenddämmerung
Die Fehmarnsundbrücke, eines der großen Wahrzeichen Schleswig-Holsteins, wird auch in den kommenden Jahrzehnten den Fehmarnsund überspannen. Da im Zuge des Baus der Festen Fehmarnbeltquerung ein Tunnel durch den Sund getrieben wird, bleibt die beeindruckende Silhouette der von Professor Dipl.-Ing. Helmut Wild entworfenen Stahlkonstruktion erhalten. © ARCHIVFOTO: THOMAS KOHRN

Professor Dipl.-Ing. Helmut Wild ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Wild war Chefkonstrukteur der Fehmarnsundbrücke.

Fehmarn/Bad Nauheim – Der Chefkonstrukteur der Fehmarnsundbrücke, Professor Dipl.-Ing. Helmut Wild, ist am 28. Januar in Bad Nauheim im Kreise der Familie nur wenige Tage nach der Eisernen Hochzeit und zwei Wochen vor seinem 92. Geburtstag (10. Februar 1930) verstorben. Viele Fehmaraner werden sich noch an den Festakt anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Kleiderbügels am 30. April 2013 erinnern, als in der Mensa der Inselschule Ehrengast Helmut Wild wie keinem Zweiten der Applaus entgegenbrandete.

Beim Festakt mit 83 Jahren überzeugt

Noch im hohen Alter von 83 Jahren hatte er beim Festakt mit seiner Ansprache und in weiteren Gesprächen nicht nur überzeugen, sondern vielmehr begeistern können. Nun ist der Vater der Fehmarnsundbrücke, wie er von vielen liebevoll genannt wird, tot. Doch das Bauwerk, dass Fehmarn nun schon seit fast 60 Jahren mit dem Festland verbindet, als Tor nach Skandinavien gilt und eines der großen Wahrzeichen Schleswig-Holsteins ist, wird auch in den kommenden Jahrzehnten mit seiner markanten Stahlkonstruktion den Fehmarnsund überspannen.

Helmut Wild beim Festakt 2013 in der Mensa
Helmut Wild auf Fehmarn am 30. April 2013 anlässlich des 50-jährigen Brückenjubiläums. ©  ARCHIVFVFOTO: GAMON

Dabei hatte es in den vergangenen Jahren zeitweise gar nicht gut ausgesehen für eine gute Zukunft der Fehmarnsundbrücke. So schien im Zuge der Planung der Hinterlandanbindung für die Feste Fehmarnbeltquerung der Abriss und damit das Aus des sanierungsbedürftigen Bauwerks durchaus eine Option zu sein. Auch der Bau einer zweiten und sogar dritten Brücke, positioniert neben dem denkmalgeschützten Kleiderbügel, waren den Planern Überlegungen wert gewesen. Schließlich fiel die Wahl auf einen Tunnel plus Sanierung der Fehmarnsundbrücke, die zukünftig die langsamen Verkehre aufnehmen soll. Sicherlich die Variante, die bei Professor Dipl.-Ing. Helmut Wild in jüngster Vergangenheit große Freude ausgelöst hatte.

2019 zum letzten Mal die Brücke besucht 

Denn seine Fehmarnsundbrücke hat er so oft besucht, wie es ihm möglich war. So berichtet sein Sohn Andreas, dass er gemeinsam mit seinem Bruder Christian dem Vater im Mai 2019 den Besuch der Brücke ermöglicht habe. „Da ahnten wir noch nicht, dass es der letzte sein würde“, so Andreas Wild gegenüber dem FT. Da ihm das Gehen zuletzt zunehmend schwerer gefallen sei, hätten auch die Reisen stark eingeschränkt werden müssen. Dennoch habe es noch einmal zumindest indirekt Kontakt mit der Fehmarnsundbrücke gegeben beim Besuch des Deutschen Straßenbaumuseums in Germersheim am Rhein im September 2020. In der Abteilung Brückenbau ist dort auch der Kleiderbügel ausgestellt.

Helmut Wild im Straßenbaumuseum in Germersheim im September 2020
Helmut Wild im Straßenbaumuseum in Germersheim im September 2020 © Privat

Andreas Wild blickt zurück: „Seine Verabschiedungsvorlesung als Dozent 1994 beendete er mit dem Aufruf ,Bitte lasst mir niemals Ruh, ruft mir oft und herzlich zu, eh mein Feuer still verraucht, Alter, du wirst noch gebraucht‘. Noch viele Jahre nach seiner Pensionierung ist er mit Engagement den Anfragen an seine Statiker-Expertise aus der Industrie nachgekommen. Seine besondere Gabe, mit wenigen treffenden Fragen auf den Punkt des Problems zu kommen und dazu dann auch direkt kreative Lösungen anzubieten, war herausragend. Auch uns Kindern und Enkeln stand er stets in seiner außergewöhnlichen Hilfsbereitschaft mit Rat und Tat zur Seite. Obwohl die letzten 15 Jahre gezeichnet waren durch mehrfache, gesundheitlich schwierige Phasen, hat er immer seinen Humor und Selbstironie, selbst bei Krankenhausaufenthalten, behalten können.“

Viele Anekdoten rund um die Sundbrücke

Und weiter: „Keiner hätte gedacht, dass eine schwere Krankheit 2014 und die Belastung durch den daraufhin folgenden Umzug nach 46 Jahren von Paderborn nach Bad Nauheim schon ein Jahr später ihm nicht mehr anzumerken waren. Gartenarbeit, Wiedereinstieg in einen neuen Blockflötenkreis und Besuch des reichhaltigen Konzertangebots hielten fit. Er überraschte wieder mit kleinen spontanen Gedichten zum Kontext. In Gesprächen hatte er immer wieder Interessantes und Anekdoten aus dem vielfältigen Berufsleben zu erzählen, vor allem rund um das große Projekt der Fehmarnsundbrücke.“

Im Kreise der Familie um Ehefrau Ursula, die bis heute Freundschaften und die Brücke mit Fehmarn verbinden, den Söhnen Andreas und Christian sowie den fünf Enkeln findet am morgigen Dienstag die Beisetzung von Professor Dipl.-Ing. Helmut Wild statt.

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