Hilfsorganisationen äußern Kritik gegenüber Kreis / Angst vor kompletter Kommunalisierung

Veränderungen im Rettungsdienst

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Zusätzlich zur ASB-Rettungswache in der Heiligenhafener Tollbrettkoppel soll es nach den Vorstellungen der Kreisverwaltung bald eine zweite Wache in der Warderstadt geben.

Fehmarn/Heiligenh. – Von Patrick Rahlf In Ostholstein wird es Veränderungen im Bereich des Rettungsdienstes geben. Bislang wird dieser von den vier beauftragen Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe und Malteser Hilfsdienst durchgeführt. Die Kreisverwaltung plant derweil die Gründung einer Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) und wird mit dieser zukünftig auch im Rettungswesen tätig sein. Dieses Vorhaben ruft Kritik hervor

„Es ist geplant, ausschließlich den Teil der Durchführung in die AöR zu geben, der im neuesten Gutachten zu den Rettungsmittelvorhaltestunden als Aufstockung, also zusätzlich zu der bereits vorhandenen Anzahl von Rettungswagen und Krankentransportwagen, als notwendig beschrieben wird“, sagte die stellvertretende Kreis-Pressesprecherin Annika Sommerfeld auf Nachfrage. Es sei nicht geplant, im Rahmen dieser Aufgabenübertragung den Hilfsorganisationen den bisherigen Umfang an Rettungsmittelvorhaltestunden zu kürzen oder gar ganz zu streichen, stellte sie klar.

Dennoch: Den vier bislang im Kreis tätigen Rettungsorganisationen gefällt dieser Vorgang der Teilkommunalisierung gar nicht. „Wir sehen die Gefahr, dass letztendlich der gesamte Rettungsdienst in die Hände des Kreises gelegt werden soll. Dies hätte aus unserer Sicht dann auch negative Auswirkungen auf die ehrenamtlich betriebenen Dienste wie Katastrophenschutz und Schnelleinsatzgruppen“, erklärte Jörg Bochnik, 1. Vorsitzender des ASB-Regionalverbandes Ostholstein.

20000 ehrenamtliche Stunden in drei Jahren

In einem von allen Vorständen der vier Hilfsorganisationen unterzeichneten Schreiben an die Mitglieder des Kreistages wird darauf hingewiesen, dass allein in den letzten drei Jahren knapp 20000 ehrenamtliche Stunden in die Rettungsdienstvorhaltung eingebracht worden seien. Kostenersparnis: rund 400000 Euro. Ostholstein sei bisher ein Musterbeispiel für eine hervorragende und kollegiale Zusammenarbeit sowohl der Hilfsorganisationen untereinander als auch mit dem Kreis als Rettungsdienstträger gewesen, betonen die vier Organisationen.

Warum die zusätzlich benötigten Krankentransport-Leistungen nicht einfach an die vor Ort tätigen Hilfsorganisationen vergeben werden, stößt auf Unverständnis und lasse sich auch nicht mit dem durchaus komplexen Vergabe- und Ausschreiberecht erklären. „Rettungsdienstleistungen können ohne europaweite Ausschreibungen an gemeinnützige Hilfsorganisationen in einem deutlich vereinfachten Verfahren vergeben werden“, heißt es in dem Brief der vier Vorstände und Geschäftsführer an die Mitglieder des Kreistags. „Im Hinblick auf die erhebliche und letztlich auch zeitkritische Erweiterung der bedarfsgerechten Rettungsmittelvorhaltung sind wir sehr sicher, dies deutlich zügiger umsetzen zu können, als dies in einer erst noch zu gründenden AöR möglich wäre.“

Die Kreisverwaltung ist in ihren Planungen unterdessen schon einen Schritt weiter. „Im Rahmen der Durchführung des Rettungsdienstes durch die neu zu gründende AöR ist auch geplant, eine weitere Rettungswache in Heiligenhafen, zusätzlich zu der bestehenden Rettungswache, einzurichten, um den Mehrbedarf an Fahrzeugen abzudecken“, so die stellvertretende Kreis-Pressesprecherin. Ein Standort sei noch nicht festgelegt. Nun wird sich voraussichtlich der Kreistag mit dem Thema befassen.

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