Verein Auszeit Seele für Krebspatienten
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Annemarie Hunecke und Reinhard Göddemeyer schauten bei ihrer Inseltour, um für den Verein zu werben, auch beim Fehmarnschen Tageblatt vorbei.

Sponsert Erholungszeiten

Verein bietet Benefiz-Urlaub für Krebspatienten an

  • Nicole Rochell
    VonNicole Rochell
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Der Verein „Auszeit für die Seele“ greift Krebspatienten unter die Arme, die aufgrund der langen Erkrankungszeit in finanzielle Nöte geraten sind und mal eine kleine Auszeit brauchen.

  • Verein „Auszeit für die Seele“ wurde 2017 gegründet.
  • Als Vorbild diente der israelische Verein „refanah“.
  • Annemarie Hunecke und Reinhard Göddemeyersind immer auf Achse und stellten Verein auch auf Fehmarn vor.

Fehmarn – Diagnose Krebs. Ein tiefer Einschnitt im Leben Betroffener und ihrer Angehörigen. Zum Schock über den Befund, der oftmals noch lange nachklingt, gesellt sich zur Erkrankung, die meist Langzeittherapien erforderlich macht und nicht selten Folgeerkrankungen nach sich ziehen kann, oft schnell auch die Armut.

Maximal für die Dauer von 78 Wochen zahlen die Krankenkassen bei längerer Arbeitsunfähigkeit Krankengeld. Wer nach der Aussteuerung aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr in der Lage ist, seinen Job auszuüben, kann Erwerbsminderungsrente beantragen. Oder ist möglicherweise auf Grundsicherung angewiesen. Arbeitsamt, Hartz 4, Grundsicherung – Armut. Eine Spirale, die nur eine Richtung kennt und das Leben, zusätzlich zu den oftmals psychischen Belastungen, erschwert.

Shoppen, ins Kino oder in die Kneipe gehen ist für Langzeitpatienten nicht mehr drin. Plötzlich bereitet jede noch so kleine Rechnung eine schlaflose Nacht. Viele haben sich von ihrem alten Leben schon längst wie von einem guten Freund verabschieden müssen. Da ist an Urlaub nicht zu denken. Der erscheint in dieser schwierigen und finanziell herausfordernden Phase des Lebens so weit weg, wie die fernste Galaxie.

Hier kommt der Verein „Auszeit für die Seele“ ins Spiel. Die Gründungsmitglieder Annemarie Hunecke (1. Vorsitzende) und Reinhard Göddemeyer haben den Verein am 1. Dezember 2017 gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Hans Böge gegründet. Als Vorbild diente der israelische Verein „refanah“ (www.refanah.org), der sich für Krebspatienten stark macht, indem er ihnen einen Urlaub sponsert, damit sie neue Kraft und Energie tanken können für ein kräftezehrendes Leben mit der Krankheit und all seinen Herausforderungen. Und so vermitteln, wie die israelische Vorlage, auch Annemarie Hunecke und Reinhard Göddemeyer in ihrem Krebshilfeprojekt von Vermietern zur Verfügung gestellte Leerzeiten und Buchungslücken in Ferienobjekten an mittellose Krebspatienten, die sich vieles nicht, aber schon gar keinen Urlaub mehr leisten können.

Verbesserung der Lebensqualität

Doch gerade eine so wichtige „Auszeit für die Seele“ bedeute für schwerkranke Menschen eine Verbesserung der Lebensqualität. Abstand zu bekommen von der Krankheit, vom Alltag und allem, was zusätzlich belastet, ist ein wichtiger Prozess für die Krebspatienten, wissen Hunecke und Göddemeyer, die selbst in ihrem familiären Umfeld Erfahrungen mit Krebserkrankungen haben sammeln müssen. Da ist jeder Tag, der der Seele eine Auszeit von Sorgen, Nöten und trüben Gedanken beschert, ein Gewinn. Loslassen, entspannen, sich erholen, neue Kraft und Energie tanken – das ist wichtig, wissen die Vereinsgründer. Denn körperliche Leistungsfähigkeit funktioniert eben nur, wenn in regelmäßigen Abständen auch Ruhepausen kommen. Und in der, Ruhe, liegt bekanntlich nicht nur die Kraft, sondern nur in der Ruhe kann sie sich überhaupt entwickeln und wird für den weiteren Weg, der vor den Erkrankten liegt, dringend benötigt. Denn nicht zuletzt die Sorge um ihre Existenz bringt viele Patienten immer wieder an ihre Grenzen.

Wer Krebs hat, ist auch meistens arm. Auf diese einfache Formel bringt es Annemarie Hunecke. „Wer krank ist, bangt nicht nur um sein Leben. Oft kommt auch Sorge um die wirtschaftliche Existenz hinzu“, so Hunecke, deren erster Mann 2004 an Leukämie starb, ihr Vater hatte Zungenkrebs und verstarb 1991 auch daran. Bis September 2020 hatte sie den Verein „Auszeit für die Seele“ im eigenen Haus in Bönen (Nordrhein-Westfalen) organisiert. Inzwischen ist neuer Sitz der Geschäftsstelle in Altfunnixsiel in Ostfriesland. Von hier aus fahren Reinhard Göddemeyer und sie mit dem Wohnmobil quer durch Deutschland, um auf den Verein aufmerksam zu machen, die auffälligen Räder immer dabei, um ehrenamtliche Unterstützer für die gute Sache zu suchen aber vor allem Vermieter zu finden, die bereit sind, Leerzeiten von ihren Objekten zur Verfügung zu stellen – auf Wunsch auch gegen eine Spendenquittung.

Reisewillige müssen nicht viel tun. Nach der Kontaktaufnahme zum Verein wird als Nachweis der Erkrankung lediglich eine Kopie eines Arztbriefes, aus dem die Diagnose hervorgeht, benötigt, zudem muss ein Nachweis über die soziale Bedürftigkeit vorgelegt werden. Das ist alles. Für die gute Sache sind Annemarie Hunecke und Reinhard Göddemeyer immer auf Achse. Wo sie auch gerade sind, stellen sie ihren Verein vor. Wie unlängst auf Fehmarn.

„Auszeit für die Seele“ arbeitet mit Vermietern von Ferienwohnungen und -häusern aus ganz Deutschland und auf Mallorca, in der Schweiz, in Österreich und in den Niederlanden zusammen. Der Verein übernimmt die Nebenkosten, zum Beispiel die Endreinigung für die Unterkunft und die Anreise, soweit diese nicht über den Schwerbehindertenausweis abgedeckt ist.

„Benefiz-Biker“ ist ein weiteres Standbein

Daher wurde zusätzlich zur Finanzierung das Projekt „Benefiz-Biker“ initiiert, das das Angebot mit Spenden unterstützt. Mit solchen Touren und über die Mitgliedsbeiträge finanziert der Verein alle anfallenden Kosten. Ideengeber der Benefiz-Motorradtouren: Reinhard Göddemeyer, Motorradfahrer aus Leidenschaft, der die „Benefiz-Biker“, die in ganz Deutschland für den Verein werben, gründete. Die erste Biker-Benefiztour fand übrigens am 20. Januar 2019 statt – bei minus sieben Grad.

Auch Hans Böge aus Reher in Schleswig-Holstein hatte sich bis zuletzt als Krebsbotschafter für den Verein eingesetzt. Der an Mundkrebs erkrankte Böge tourte mit dem Rad durchs Land, um auf die Bedeutung von Früherkennung bei Mundkrebs aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln, unter anderem für den Verein „Auszeit für die Seele“. Mit ihm hatte auch Annemarie Hunecke Aufklärungstouren durch Deutschland unternommen, um über das Problem Armut und Krebs zu informieren. In Begleitung von Hunecke ging es für Böge von Kiel nach Berlin und von Kiel bis nach München. Als aktive Radlerin und Bikerin ist Annemarie Hunecke fast täglich unterwegs, um Aktionen für den Verein „Auszeit für die Seele“, der mit Krankenkassen, Rehakliniken, onkologischen Fachpraxen und Selbsthilfegruppen zusammenarbeitet, zu organisieren. Annemarie Hunecke und Reinhard Göddemeyer hoffen, dass es auf Fehmarn viele sozial engagierte Menschen gibt, die ihre Aktion mit unterstützen möchten. Wer weitere Infos zum Verein wünscht, kann gerne Kontakt zu Annemarie Hunecke, Pollerweg 2c in 26409 Wittmund aufnehmen. Per E-Mail ist der Verein über vorstand@auszeitseele.de und telefonisch unter 04464 8699473 erreichbar.

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