Jugendherberge von der Winter- direkt in die Coronapause / Bethcke bleibt optimistisch

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Herbergsvater Johannes Bäthcke hofft darauf, bald wieder Gäste begrüßen zu können.

Fehmarn – Von Andreas Höppner Die Jugendherberge in Burg hat nach Mitteilung von Herbergsvater Johannes Bethcke 2019 mit 25722 Übernachtungen „ein sehr gutes Jahr“ hingelegt. Im Januar sei für 2020 sogar ein weiteres Plus von 2000 Übernachtungen prognostiziert worden. Doch dann kam das Coronavirus und mit ihm Stornierungen und ausbleibende Buchungen. Bethcke spricht schon jetzt aufgrund der Schließung bis zum 3. Mai, Stornierungen und fehlenden Buchungen von einem Minus von mehr als einem Drittel bei den Übernachtungen.

  • 25722 Übernachtungen in 2019
  • Jugendherberge hofft aufs Sommergeschäft
  • Gespräche mit Politik und zuständigen Ministerien

„Eine Vielzahl von Stornierungen und die Beantwortung von Fragen zu den Buchungen beherrschen den Alltag“, skizziert der Herbergsvater den wiederkehrenden Tagesablauf. Die Mitarbeiter, rund 15 sind es in der Saison, mussten in Kurzarbeit geschickt werden, auch seine Stunden sind um die Hälfte reduziert worden.

Johannes Bethcke: Dramatische Lage

Für sein

Haus

sei das eine „dramatische Lage“, denn gerade im

Frühjahr

machten

Klassenfahrten

, die vorerst für das laufende

Schuljahr

alle gecancelt wurden, den Großteil der Buchungen aus. Zweitstärkste Gästeklientel seien die Familien. Hier herrsche große Unsicherheit, mit ihnen sei man im regen

Austausch

. Dabei tue es allen gut, relativ viel Zuspruch zu erhalten.

Bethcke, der die Jugendherberge in der Mathildenstraße seit 2018 leitet, bleibt aber optimistisch und hofft, wenigstens „das Sommergeschäft noch mitnehmen zu können“. Im Haupthaus stehen 150 Betten zur Verfügung, in acht Blockhäusern auf dem weiträumigen Gelände noch einmal weitere 32. Die Blockhäuser seien nicht nur bei Familien beliebt, so Bethcke, sondern auch bei größeren Gruppen. In den Sommerferien sei beispielsweise ein Sprachcamp geplant, bei dem intensiv Englisch gelernt werde. An alle Gäste, die ihren Aufenthalt in der Jugendherberge noch nicht storniert haben, richtet er den Appell, möglichst auf eine Stornierung zu verzichten, stattdessen die Reise zu verschieben und kostenfrei umzubuchen.

Es geht darum Liquidität zu sichern, denn sämtliche 39 Jugendherbergen in Schleswig-Holstein sowie zwei in Hamburg und vier in Nordniedersachsen, die unter Trägerschaft des Landesverbandes Nordmark des Deutsches Jugendherbergswerks (DJH) geführt werden, sind geschlossen. Da der Landesverband Nordmark ein gemeinnütziger Verein sei, so Verbandssprecherin Katharina Pauly, basiere die Preispolitik lediglich auf Kostendeckung. Überschüssige Mittel würden in die Häuser reinvestiert.

Pauly: Durchs Raster gefallen

Was

Zuschüsse und Sorforthilfen

anbelangt, sei der gemeinnützige Verein bisher „durchs Raster gefallen“, bedauert Pauly. Im Moment befinde man sich in intensiven Gesprächen mit der Politik und den zuständigen Ministerien. Das sei jedoch nicht ganz einfach, da sich das Verbandsgebiet über drei

Bundesländer

erstrecke und die jeweiligen Interessen zusammengeführt werden müssten. „Es gibt positive Signale“, doch derzeit sei „keine Lösung in Sicht“, dürfte es laut Pauly wohl noch etwas dauern, bis „ein Rettungsschirm für Gemeinnützige aufgespannt wird. Das wäre überlebenswichtig“, lässt es Pauly nicht an Deutlichkeit missen.

Derweil hat Johannes Bethcke mit seinem Team, das sich nach eigenen Angaben gerade in der Krise durch einen großen Zusammenhalt auszeichne, ein Projekt der Solidarität gegenüber den Risikogruppen gestartet. Aus ausgemusterten Bettbezügen werden jetzt Masken genäht. Die Idee stamme von Katrin Meislahn. Und als wahres Talent an der Nähmaschine habe sich Livia Böß erwiesen, die ihren Bundesfreiwilligendienst in der Einrichtung ableiste, berichtet der Leiter der Jugendherberge.Aus einem einzigen Bezug könnten 70 Masken genäht werden, so Bethcke. Die ersten 50 Masken konnten übrigens vor zwei Tagen bereits an die Fehmarn-Tafel übergeben werden.

„In schwierigen Zeiten etwas Sinnvolles zu tun, an andere zu denken und selbst Spaß dabei zu haben, das macht glücklich“, umreißt der Herbergsvater die soziale Intention des Projekts.

Jetzt blicken er und sein Team sowie die Verantwortlichen beim DJH-Landesverband mit Spannung dem 30. April entgegen, wenn Bund und Länder zur nächsten Beratung zusammenkommen und möglicherweise darüber entscheiden, wann Einrichtungen wie Jugendherbergen wieder ihren Betrieb aufnehmen dürfen – am besten noch begleitet von einem Rettungsschirm.

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