Bürgermeisterkandidatin offiziell vorgestellt / „Haben keinen richtigen Bürgerdialog mehr“

WUW vertraut auf Klemptner

+
Die WUW um Hans-Peter Thomsen (v.l.), Florian Rietzrau, Svenja von Appen und Gunnar Mehnert hat sich festgelegt: Doris Klemptner (M.) ist ihre Kandidatin für die Bürgermeisterwahl.

Fehmarn – Von Andreas Höppner – Am 7. März 2021 ist Bürgermeisterwahl auf Fehmarn. Wahlvorschläge können zwar noch bis zum 11. Januar 2021 eingereicht werden, doch das Kandidatenkarussell nimmt bereits rund sechs Monate vor dem Gang an die Wahlurne Fahrt auf. Bürgermeister Jörg Weber (SPD) strebt eine zweite Amtszeit an und wird von den Sozialdemokraten unterstützt. Gestern nun erklärte die WUW, mit der parteilosen Doris Klemptner (53) eine eigene Kandidatin ins Rennen zu schicken.

Die 53-jährige Unternehmensberaterin hofft derweil noch auf weitere Unterstützung aus der Kommunalpolitik. Sie sondiere und sei „mit weiteren politischen Parteien“ in Kontakt, berichtet sie. CDU, Freie Wähler und FDP haben sich bislang noch nicht festgelegt, die Grünen wollen heute Abend ihren Kandidaten präsentieren.

„Sie ist fit in Fehmarns Politikthemen, sie geht Probleme sofort an“, hat WUW-Fraktionschef Hans-Peter Thomsen festgestellt. Sein Stellvertreter Gunnar Mehnert, der in der Vergangenheit selbst schon zwei Mal als Bürgermeisterkandidat angetreten ist, 2009 gegen Otto-Uwe Schmiedt und 2015 gegen Jörg Weber aber jeweils den Kürzeren zog, spricht in höchsten Tönen von Klemptner. „Sie besitzt eine hohe Kernkompetenz“ und sei in der Lage, Probleme zu lokalisieren, sie zu definieren und Lösungen aufzuzeigen; und immer mit Zahlen unterlegt. „Ich bin lange in der Politik, das habe ich in der Form noch nicht erlebt“, so Mehnert. „Es ist eine Kandidatin, der wir wirklich vertrauen, es passt einfach“, findet auch WUW-Vorsitzender Florian Rietzrau. „Sie tritt leidenschaftlich für die Insel ein“, ergänzt Hans-Peter Thomsen.

Schon vor zweieinhalb bis drei Jahren habe sie den Entschluss gefasst, für das Bürgermeisteramt auf Fehmarn zu kandidieren, berichtet Doris Klemptner, verheiratet und Mutter einer 18-jährigen Tochter. Sie wuchs auf Fehmarn auf, besaß viele Jahre ihren Lebensmittelpunkt in Hamburg und kehrte vor zehn Jahren zurück auf die Insel. Viele Fehmaraner erinnern sich noch an die 2007 von ihr initiierte Aktion „Rettet die Spielwiese“. Doch Fehmarn sei immer ihr Zuhause gewesen, so Klemptner.

Ihr Ziel sei es nun, dieses Zuhause als Bürgermeisterin zu gestalten. Zu den wichtige Punkten, die sie anpacken will, zählt sie die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, zugeschnitten auf den Bedarf der Bevölkerung. Dazu zähle auch das genossenschaftliche Bauen, möglicherweise auch über die Stadt. Zudem bringt sie die Einführung einer sogenannten Zweckentfremdungssatzung ins Spiel, um einer Wohnraumverknappung entgegenzuwirken.

Den Interessen der Senioren – immerhin rund ein Drittel der Bevölkerung Fehmarns – messe sie besondere Bedeutung zu, ebenso der Kinderbetreuung. Wenn es die Ergebnisse eine Bedarfsanalyse erforderten, könne sie sich vorstellen, auch Angebote am Wochenende zu schaffen.

Sie erinnerte ferner an das von der Stadtvertretung ausgerufene Ziel der Erreichung der Klimaneutralität bis zum Jahr 2030. „Wir kennen das Endziel, aber wir müssen die Etappen, die zum Ziel hinführen sollen, definieren“, fordert Klemptner, die als Stichworte Wasserstoffnutzung und Dachbegrünung ins Spiel bringt. Wünschenswert sei auch eine Stärkung des ÖPNV, beispielsweise durch Car- und Bike-Sharing und den Ausbau des Bürgerbus-Angebots. Von Bedeutung sei auf der staugeplagten Insel zudem die Verkehrslenkung und der Aufbau eines Parkleitsystems.

Auf jeden Fall trete sie für eine „offene und transparente Verwaltung“ ein. Sie könne sich vorstellen, eine digitale Rathaus-App einzuführen, über die der Bürger unterschiedlichste Infos abrufen könne, beispielsweise auch die Verfahrensstände städtischer Projekte.

Ein ganz wichtiges Ziel für die ersten 100 Tage: die Einberufung einer „aktiven Bürgerversammlung“, denn einen „richtigen Bürgerdialog haben wir nicht mehr“, bedauert sie.

Ihren Wahlkampf will sie über diverse Kommunikationskanäle bespielen, unter anderem mit einer eigenen Homepage online gehen und Flyer ausgeben. Schon in Kürze sollen die Aktivitäten starten, ehe in den letzten drei Monaten vor der Wahl richtig durchgestartet werden soll.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.