Fähnrich-Standfuß: „Wollte einfach wieder die Menschen lachen sehen“

Mit Videos durch die Krise

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Bianca Fähnrich-Standfuß bei ihrem Dreh des „AngelHus“-Videos.

Fehmarn – Von Nicole Rochell „Mit dir, mit dir, möcht‘ ich am Sonntag angeln gehen“, singt Gus Backus. Und Bianca Fähnrich-Standfuß tanzt dazu. Vorm „AngelHus“ in der Burger Mühlenstraße. Die Angelrute geschultert, den Angelkoffer in der Hand. – Und noch einmal.

Diesmal ohne die roten Schuhe, passend zum maritimen Dress. Dafür barfuß mit einigen Zuschauern, die sich fragen, was hier gerade passiert. Erneut schmachtet der US-amerikanische Schlagerstar der 60er-Jahre gesanglich Fehmarns Tanzlehrerin an. Während sein Angelsong läuft, tanzt Fähnrich-Standfuß, bis sie mit den Aufnahmen zufrieden ist und den Zuschauern ihres späteren Filmchens abschließend kess einen Handkuss zuwirft, bevor sie aus dem Bild verschwindet und sich auf den Weg macht. Nein, es geht nicht zum Angeln, sondern auf zu einer kleinen Fehmarn-Tour, um schnell noch einige Landschaftsaufnahmen einzufangen. Material für weitere Filme, die in nächster Zeit entstehen.

Bianca Fähnrich-Standfuß und ihre TikTok-Videos – etliche Geschäftsleute auf Fehmarn haben bereits Bekanntschaft mit beiden gemacht, der stets gut gelaunten Tanzlehrerin und ihren kleinen Filmchen. Oft begleitet von Maya Sartor, ihre rechte Hand in der Tanzschule, die auch den Angelfilm in bewegten Bildern festhielt.

Mittlerweile kennen sie viele Fehmaraner nicht nur als Tanzlehrerin, sondern nehmen sie seit März auch als tanzende Protagonistin ihrer TikTok-Videos wahr mit dem selbst gesteckten Auftrag, ihren Filmpartnern und späteren Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht zaubern zu wollen. Bei den Filmchen von Bianca Fähnrich-Standfuß wird noch der Hashtag „Fehmarntanzt“ hinzugefügt, der Slogan ihrer Tanzschule.

Corona kam und bringt auch die Menschen auf Fehmarn seit Wochen bereits an ihre Grenzen. Deutschland schloss ab, vieles musste dicht machen. Auch der Tanzschulbetrieb von Bianca Fähnrich-Standfuß, die, als die Einschränkungen wegen Corona begannen, über sämtliche Medien und auch persönlich ihre Hilfe in Form von kostenloser Nachbarschaftshilfe angeboten hatte. Kinderbetreuung, Einkauf, Housesitting ... – „aber keiner brauchte meine Hilfe“.

„Ich war ungewöhnlich viel auf Facebook und TikTok unterwegs“, sagt sie rückbetrachtend – und bekam dort die Ängste der Fehmaraner hautnah zu spüren. Die Angst vor Corona, vor Homeschooling und Homeoffice, die Angst davor, ob überhaupt alles zu schaffen ist, in dieser herausfordernden Zeit, Existenzangst. Und überall: diese gedrückte Stimmung. „Wenn es mir schlecht geht, tanze ich. Oder ich schaue mir einen witzigen Film an.“

Auf TikTok stieß Bianca Fähnrich-Standfuß auf das „Lied“ „hamdisalahh“. „Die Leute machten dazu einen seltsamen Tanz, egal wo sie gerade waren.“ Bianca Fähnrich-Standfuß ging das nicht mehr aus dem Kopf. „Dieses ,Lied‘ ist ein nervtötender Ohrwurm – auf eine positive Art und Weise“, findet sie.

Ende März kam dann der Gedanke ins Spiel, Fehmarns Geschäftswelt ein wenig aufzuwirbeln. Getreu dem Motto: Wir zeigen der Außenwelt: Fehmarn hält zusammen, wir stecken nicht den Kopf in den Sand. „So war die Idee geboren, für, beziehungsweise bei verschiedenen Unternehmen zu tanzen. Ich wollte einfach wieder die Menschen lachen sehen“, sagt Bianca Fähnrich-Standfuß.

„So kam ich dann auf die Idee, dass ich, dort wo ich hingehe und auf Menschen treffe, diese seltsamen Tanzbewegungen zu diesem noch seltsameren Lied mache, was zu einem Wiedererkennungseffekt geführt hat und die ein oder anderen plötzlich mittanzen oder fragen, ob ich auch zu ihnen komme, weil sie das mit mir tanzen wollen.“

Dort, wo sie nicht auf Menschen treffe beziehungsweise aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht treffen dürfe, überlege sie sich einen Tanz passend zum Unternehmen, so wie das Angellied fürs „AngelHus“. Es gebe aber auch Tanz- und Spaßvideos, die Fehmarns Tanzlehrerin irgendwo an einem Strand oder an einem anderen schönen Ort auf Fehmarn aufgenommen habe.

„Seit dem 28. März poste ich jeden Tag mindestens ein Video“, so Fähnrich-Standfuß, die auf der TikTok, Facebook- und Instagram-Seite der Tanzschule Standfuß zu sehen seien.

Über 30 Videos auf TikTok, darunter auch der Angelfilm, sind es inzwischen, und der Weg zu den kurzen Filmchen funktioniert so: Bianca Fähnrich-Standfuß fragt bei den Chefs der Firmen und Unternehmen auf Fehmarn an und holt sich ein „Go“, sagt aber nicht, wann sie kommen wird. Na ja, und plötzlich ist sie eben da. Meistens wissen die Mitarbeiter nichts, denn Fähnrich-Standfuß kauft, wo sie ist, auch ganz normal ein. Bis sie dann plötzlich loslegt.

Und das kostet bei manchem Dreh auch ein Stück weit Überwindung. Selbst für sie, die es gewohnt ist, in der Öffentlichkeit zu stehen. 

Dabei sei der Dreh der Tanzvideos in der Öffentlichkeit das kleinste Problem. „Es ist toll, wie positiv darauf reagiert wird. Ein Künstler braucht erfreute Zuschauer. Das pusht“, so Fähnrich-Standfuß, die aber auch ehrlich einräumt, mit den juxigen „hamdisalahh“-Videos ein größeres Problem zu haben. „Dabei verlasse ich jedes Mal meine Komfortzone“, gesteht die Tanzlehrerin. „Sich vor Menschen zum Obst zu machen ist doch etwas anderes, als eine schöne Choreografie oder eine tolle Show mit meinem Mann zu tanzen“, sagt sie. Zumal es schwieriger sei, Menschen zum Lachen zu bringen als sie mit etwas Schönem zu begeistern. „Doch Gott sei Dank hat bis jetzt jeder gelacht, mit dem ich ein Video gemacht habe.“

Für sie sind die schönsten Momente meist nach den Drehs, „wenn sich die Menschen über die Überraschung so freuen, dass sie danach erst oder noch lachen und mit mir ins Schnacken kommen“, so Fähnrich-Standfuß, die nach jedem Dreh eine Nachricht von den nicht ganz freiwilligen Akteuren bekommen habe. „Mein Besuch sei eine willkommene und lustige Ablenkung und Abwechslung gewesen“, zitiert sie.

Die meisten Fehmaraner finden ihre Aktion gut und freuen sich über die Filme. Inzwischen bekommt Bianca Fähnrich-Standfuß schon Drehanfragen vom Festland. Sie hat sich vorgenommen, dass es jeden Tag ein Kurzvideo geben soll, solange Tanzschulen nicht öffnen können. Auch danach werde sie weitermachen, wenn auch in einer anderen Taktung. „Bis es kein Unternehmen mehr auf der Insel gibt, dass ich nicht betanzt habe – vorausgesetzt, man möchte mich dort haben“, so Bianca Fähnrich-Standfuß. „TikTok ist jetzt ein Teil von mir, von der Tanzschule Standfuß und wird es auch bleiben.“

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