Fehmarnsundbrücke Baustelle
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Die Fehmarnsundbrücke wird bis mindestens 2024 eine Dauerbaustelle bleiben. Aktuell geht es mit maximal 30 km/h über die Brücke.

Regionalmanager Jürgen Zuch im Gespräch

Viele Nebengeräusche am Fehmarnsund

  • Andreas Höppner
    VonAndreas Höppner
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Zwei Tunnel, Ausbau B207 und Schiene – die Betroffenheit zwischen Fehmarnsund und Fehmarnbelt wird groß sein während der Bauarbeiten. Die Zusammenführung von Planung und Bau wäre sinnvoll.

  • Kernforderung des Regionalmanagers Jürgen Zuch: Zusammenführung von Planung und Ausführung.
  • Anstieg des Meeresspiegels in den Planungen nicht ausreichend berücksichtigt.
  • Gespräche zur besseren Anbindung des Fährhafens Puttgarden sind mühsam.

Fehmarn – Seit etwas mehr als viereinhalb Jahren ist Jürgen Zuch (63) als Regionalmanager für die Stadt Fehmarn und die Gemeinde Großenbrode tätig, um die Interessen beider Kommunen in die unterschiedlichen Planungsprozesse beim Bau der Festen Fehmarnbeltquerung mit einzubringen. Die Betroffenheit zwischen Fehmarnsund und Fehmarnbelt ist groß, wobei die Bevölkerung dies- und jenseits des Sunds die direkten Auswirkungen der Bauarbeiten erst noch zu spüren bekommt, wenn die Baumaschinen täglich und an vielen Orten gleichzeitig rattern werden.

Zu einer wesentlichen Kernforderung, die Zuch seit Jahren auch öffentlich immer wieder bekundet, zählt eine Zusammenführung der einzelnen Planungsprozesse sowie die Bauausführung in einem Guss. Ein schwieriges Unterfangen, da neben der für den Straßenbau von Heiligenhafen bis Puttgarden zuständigen DEGES auch die Deutsche Bahn beim Bau der Schienenanbindung kräftig mitmischt. Zudem wird gemeinsam der Fehmarnsundtunnel neu gebaut und parallel die alte Fehmarnsundbrücke ertüchtigt. Schließlich erfolgt noch eine Kooperation mit Femern A/S beim Bau des Fehmarnbelttunnels.

Kleeblattabfahrt oder Hollandrampen?

Welch seltsame Blüten es treibt, wenn nebeneinander her geplant wird, verdeutlicht der Regionalmanager gegenüber dem FT am Beispiel des mittlerweile durch Planergänzungsbeschluss genehmigten Ausbaus der B 207 im Bereich Großenbrode. Die DEGES plant mit ihrem Ausbau rechtskonform in Richtung Fehmarnsundbrücke und für Großenbrode eine sogenannte Kleeblattabfahrt, die Deutsche Bahn, die die Schienentrasse aus dem Ort heraus an die B207 verlegt, hingegen mit holländischen Rampen. Ähnlich kurios geht es zu bei der Anpassung des Schöpfwerks in Höhe der Großenbroder Lagune. Auch hier zwei Planungen – und zwei Standorte für den Neubau eines Schöpfwerks.

Gewisse Hoffnung auf ein abgestimmtes Vorgehen keimt dennoch auf, nachdem das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung sich laut Zuch für eine abgestimmte Planung und Ausführung zur neuen Fehmarnsundquerung ausgesprochen habe. In den Planungen nicht ausreichend berücksichtigt sieht der Regionalmanager vor dem Hintergrund des Klimawandels und den damit verbundenen Anstieg des Meeresspiegels den hochwassersicheren Ausbau der B 207. Möglicherweise erfahre man aber in einigen Tagen mehr, so Zuch, der auf ein für den 13. Januar anberaumten Termin der Kommunen und des Kreises mit der DEGES setzt. „Sie wissen mehr, als sie uns bisher gesagt haben“, baut Zuch vor dem Gespräch ein wenig Druck auf. „Die neue Sundquerung wird uns noch sehr lange beschäftigen“, ist er sich sicher.

Fehmarnsundbrücke: halbseitige Sperrung am letzten Januarwochenende

Doch nicht viel anders dürfte es sich mit der alten Sundquerung – die Fehmarnsundbrücke – verhalten. Bis 2024 will die Deutsche Bahn den Kleiderbügel mit einem Aufwand von mindestens 30 Millionen Euro ertüchtigt haben. Neben der 2020 gestarteten Sanierung der Schrammborde soll es laut Zuch nach dem von der Deutschen Bahn kürzlich vorgestellten Bauzeitenplan am letzten Januarwochenende zu halbseitigen Sperrungen kommen. Dann ist vorgesehen, auf der Inselseite den Endquerträger zu verstärken und den Fahrbahnübergang zu erneuern. Die Arbeiten seien allerdings wetterabhängig, so Zuch einschränkend.

„Mühsame“ Gespräche um bessere Anbindung

Hinsichtlich einer Optimierung der Anbindung des Fährhafens Puttgarden will der Regionalmanager die Hoffnung auf eine für die Reederei Scandlines bessere Lösung nicht aufgeben, doch die Gespräche zwischen den Beteiligten seien „mühsam“. Der Kreis Ostholstein „unterstützt uns sehr“, so Zuch, doch im Rahmen des bestehenden Planfeststellungsbeschlusses seien die Möglichkeiten einer Verbesserung begrenzt. Zusagen des Wirtschaftsministers, unter anderem im Dialogforum am 9. September 2021, hätten in der Praxis einen eher „eingeschränkten Wert“, nimmt Jürgen Zuch kein Blatt vor den Mund.

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