Innovative Antwort auf die Corona-Krise: Interaktives und digitales Shopping-Erlebnis

Virtuell durchs Kaufhaus Stolz

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Das interaktive, digitale Kaufhaus ist startklar: Kerstin Dahlenburg (l.) und Daniela Meier sowie Vertriebsleiter Uwe Hornung.

Fehmarn – Von Andreas Höppner – Die Corona-Pandemie hat binnen kürzester Zeit auf die wirtschaftliche Entwicklung negativ durchgeschlagen. Von Wachstumsraten ist keine Rede mehr, es geht primär nur noch darum, Verluste einzudämmen. Schwer getroffen hat der Corona-Shutdown auch das Kaufhaus Martin Stolz, das im Norden ein 33 Häuser umfassendes Filialnetz betreibt, dies aber seit rund drei Wochen geschlossen halten muss. Mit einer revolutionären Idee – die Errichtung eines interaktiven, digitalen Kaufhauses – will Firmenchef Martin Stolz nun gegensteuern.

„Wir mussten am 18. März von 100 auf Null herunterfahren, sämtliche Häuser schließen, daran hat man zuvor nie gedacht“, erzählt ein sichtlich bewegter Martin Stolz, der nur einen Tag später die Belegschaft, immerhin rund 800 Mitarbeiter, in Kurzarbeit schicken musste. „Wir haben uns kurz geschüttelt und dann wieder den Blick nach vorne gerichtet“, sieht der Unternehmenschef sich auch in der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, den Betrieb sukzessive wieder hochzufahren und Arbeit zu schaffen.

Mussten von 100 auf Null herunterfahren

Im Team sei dann die Idee gereift, ein interaktives, digitales Kaufhaus ins Leben zu rufen und den Kunden „ein ähnliches Shopping-Erlebnis wie in der realen Welt“ zu ermöglichen, so Stolz. Man habe im Internet recherchiert und nichts dergleichen gefunden, berichtet Vertriebsleiter Uwe Hornung. Demnach sei das Kaufhaus Stolz national, wenn nicht sogar weltweit, das erste interaktive, digitale Kaufhaus. Man habe sich auch gleich die Rechte an dieser Idee sichern lassen, ergänzt Martin Stolz, der hofft, dass sich zum Wohle der Bevölkerung ähnliche Angebote etablieren können.

Und wie gelangt nun der Kunde ins Kaufhaus, das er real gar nicht betreten darf? Ein Anruf unter 043718800333 genügt – und dem Kunden öffnen sich die Eingangstüren; jedenfalls virtuell. Die motivierten Mitarbeiterinnen wie Kerstin Dahlenburg und Daniela Meier nehmen die Anrufe entgegen und können über verschiedene Kommunikationskanäle mit den Kunden in Kontakt treten. Ob über FaceTime, WhatsApp und Zoom per Video oder mit einem Telefonanruf – die Mitarbeiter beraten telefonisch oder nehmen den Kunden per Video mit durch die Gänge des Kaufhauses und präsentieren das gesamte Sortiment. Die gekaufte Ware wird versandfertig gemacht und dem Kunden ins Haus geliefert, Fehmaraner haben aber auch die Möglichkeit, die Ware direkt am Eingang in der Straße Am Markt entgegenzunehmen. Montags bis sonnabends von 9 bis 18 Uhr ist das Kaufhaus Stolz am Stammsitz in Burg telefonisch zu erreichen.

Auf Fehmarn wird die innovative Geschäftsidee zuerst umgesetzt, den ges- trigen Auftakt empfanden Stolz wie auch Hornung schon einmal vielversprechend. Setzt sich die überaus positive Resonanz weiter fort, soll das Personal wieder aufgestockt und das Projekt auf andere Häuser übertragen werden. In Schleswig-Holstein gibt es zwölf und in Mecklenburg-Vorpommern 20 Filialen, in Niedersachsen eine in Cuxhaven.

Innerhalb von nur wenigen Tagen sei es gelungen, aus der Idee heraus ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten, das allen gesetzlichen Anforderungen entspreche, blickt der Vertriebschef fast ein wenig ungläubig zurück auf die erbrachte Teamleistung.

Die Zuversicht der Führungsspitze des Kaufhauses Martin Stolz, mit dem interaktiven, digitalen Kaufhaus auf dem richtigen Weg zu sein, ist groß. Diese speist sich auch aus dem großen Erfolg des vor zehn Jahren eingeführten Onlineshops. „Bislang hatten wir 1000 Pakete täglich, jetzt ist der Onlineshop explodiert“, berichtet Martin Stolz.

Zurzeit seien Stoffe, Wolle, Seide und Artikel, die Drogeriemärkte nicht anbieten würden, besonders stark nachgefragt, berichtet Uwe Hornung. Und, versicherte Martin Stolz, „wir werden auch Masken und Desinfektionsmittel zu bezahlbaren Preisen anbieten“.

Abschließend wagte Martin Stolz noch einen kurzen Ausblick in die ungewisse Zukunft. Man sei gerade aus der Nebensaison herausgekommen, dann sei das Ostergeschäft von heute auf morgen weggebrochen. Pfingsten, Hauptsaison – man wisse nicht, was komme. Doch er versicherte: „Wir setzen alles ein, was wir 30 Jahre verdient haben. Es gab keine Privatentnahmen.“ Deshalb zeigte er sich optimistisch, die schwierige Zeit „relativ gut überstehen“ zu können – ein überaus wichtiges Signal an die Mitarbeiter.

Stolz: Nur noch über Lösungen nachdenken

Martin Stolz ist sich auch sicher, dass die Gesellschaft nach der Corona-Krise eine andere sein wird. „Man rückt zusammen, viele Werte haben sich verändert, Menschen gehen miteinander anders und mit den Ressourcen verantwortungsbewusster um.“ Seine Zuversicht als mittelständischer Unternehmer: „In Zukunft wird man nur noch über Lösungen nachdenken, nicht mehr über Probleme.“

Übrigens: Das interaktive, digitale Kaufhaus soll auch nach der Corona-Krise Bestand haben als ein weiteres Standbein für das umfassende Filialnetz des Kaufhauses Stolz.

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