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Mitglieder mehrerer Ortswehren der Insel beim Einmarsch in Formation zur Gedenkstätte auf dem Neuen Friedhof in Landkirchen.

Gottesdienste und Kranzniederlegungen in Burg, Petersdorf, Landkirchen, Bannesdorf

Volkstrauertag auf Fehmarn

Fehmarn –ga– Der gestrige Sonntag stand auf Fehmarn ganz im Zeichen des Volkstrauertages. Gottesdienste und damit verbundene Kranzniederlegungen fanden in Burg, in Petersdorf, in Bannesdorf und in Landkirchen statt. Gestecke zur Erinnerung an die Gefallenen beider Weltkriege und Opfer der Gewaltherrschaft wurden auch in Puttgarden, in Niendorf und in Staberdorf feierlich niedergelegt.

  • Gottesdienst unter freiem Himmel in Landkirchen
  • Vereine und Verbände legen Kränze nieder
  • Gedenkreden in Dänschendorf und Petersdorf 

Pastor Bertolt Kark-Carlson lud in diesem Jahr an der Gedenkstätte auf dem Neuen Friedhof in Landkirchen zu einem Gottesdienst unter freien Himmel ein und merkte eingangs an, dass in dieser Zeit der Pandemie es schon etwas Besonders sei, hier vor Ort mit einem Gottesdienst den Opfern zweier Weltkriege und der Gewaltherrschaft zu begehen. Er erinnerte in seiner Predigt an die vielen Kriegsgefallenen, die Opfer des Nationalsozialismus und auch an die Auswirkungen durch Gefangenschaft, an die Opfer von Vergewaltigungen, Unterdrückung und vieles mehr.

„Es liegt an uns, uns an die Gräueltaten zu erinnern“, sagte Bürgervorsteherin Brigitte Brill und verwies darauf, dass unzählige Menschen im Krieg auf den Schlachtfeldern ums Leben gekommen sind und dazu rund sechs Millionen Juden in den Konzentrationslagern umgebracht wurden. Weiterhin sagte sie: „Wenn ich in die Welt hinausschaue, dann stelle ich fest, dass die Menschen trotz begangenen Leids weltweit nichts dazugelernt haben“. Gleichzeitig brachte sie zum Ausdruck, dass wir in Deutschland das Glück haben, jetzt schon 75 Jahre in Frieden leben zu können. Brigitte Brill bat zum Abschluss ihrer Rede um eine Schweigeminute.

Mitglieder des Posaunenchores umrahmten die Gedenkveranstaltung. Nach einem gemeinsamen Gebet erklang zum Abschluss das Lied „So nimm denn meine Hände“.

Zu Beginn der Gedenkveranstaltung hatten Vertreter des DRK Landkirchen, des Sozialverbandes Fehmarn, der Feuerwehr, des Marinevereins Burg auf Fehmarn, der Sankt Mariengilde Landkirchen und der Kirchengemeinde Landkirchen Kränze vor dem großen Holzkreuz der Gedenkstätte niedergelegt.

„An Zahlen kann man sich gewöhnen“

Gedenkreden hielt an den Erinnerungsstätten in Dänschendorf und in Petersdorf Stadtvertreter Dirk Frohberg. Er verwies in seiner Rede auf die hohen Zahlen der Soldaten und Zivilisten, die durch Krieg und durch Gewaltherrschaft ums Leben gekommen sind.

„An Zahlen kann man sich gewöhnen, vor allem als Angehörige einer Generation, die dies alles nur von Bildern und Erzählungen her kennt“, sagte Dirk Frohberg. „Vor allem als junger Mensch steht man in der

Gefahr

, solche Zahlen sehr bald als das zu nehmen, was sie nun einmal sind: nackte und anteilslose Mengenangaben. Ein Maß dafür, dass es überall irgendwie schlimm gewesen sein muss“, ergänzte er.

Auch Dirk Frohberg verwies in seinen Reden darauf, dass Krieg, Gewalt und Verfolgung keine Geißeln des vorigen Jahrhunderts sind. „Auch in unserem noch jungen 21. Jahrhundert ist es voll von Konflikten, die Leid und Tod über Millionen von Menschen bringen. Unsere Welt ist nicht friedlich“, so Dirk Frohberg.

„Ich selbst gehöre zu einer Generation, die Krieg im eigenen Land nie erlebt hat. Ich gehöre zu denen, die sich fragen, wie viel wert die ‚Nie-wieder-Beteuerung‘ der Politiker ist, denn auf den 1. folgte der 2. Weltkrieg, auf den Kosovo folgten der Irak, Afghanistan und Syrien“, sagte Frohberg.

„Wir sollten uns dafür einsetzen, dass Menschen fähig sind, mitfühlend, Anteil nehmend und gewaltfrei zu leben und zu handeln, damit es für unsere nachfolgende Generation eine friedliche Welt und ein lebenswertes Leben ist“

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