Uwe Meyer wird nach Litauen gehen/Uwe Hardt jetzt an der Spitze des Partnerschaftskomitees

„Von der ersten in die zweite Heimat“

Uwe Meyer (l.) wird die offizielle Stadtflagge, die er am Mittwoch von Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt erhielt, mit nach Litauen nehmen. Meyer überreichte die Amtsgeschäfte an Uwe Hardt (r.). Er ist der neue Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Neringa und wird die Arbeit von Uwe Meyer fortsetzen.

Von Nicole RochellFEHMARN • Mit einem Boot übers Haff zu tuckern, zu fischen... „Das war schon immer ein ganz großer Traum von mir.“ Und den erfüllt er sich jetzt.

Uwe Meyer, langjähriger Vorsitzender des Partnerschaftskomitees Neringa und als solcher seit Juni 2000 stets treibende Kraft und fehmarnscher Motor der Städtefreundschaft zur litauischen Stadt Neringa, fängt noch einmal von vorne an. In Litauen.

Litauen lernte Uwe Meyer kennen und lieben. Neringa, die Kurische Nehrung, das Kurische Haff, die traumschöne Landschaft, die Stille und Weite, die Menschen und ihre Herzlichkeit. All das hatte es ihm angetan, besonders ein Mensch: seine heutige Frau Raimonda. Bei einer der zahlreichen Begegnungen im Zeichen der Pflege der Städtepartnerschaft hatte Meyer die litauische Redakteurin kennengelernt. Söhnchen Joris-Horst, dreieinhalb Jahre, macht das litauisch-deutsche Liebesglück perfekt, das seine Fortsetzung nun in Litauen finden wird.

Anfang Juli wird Meyer die Insel verlassen, mit seiner Familie nach Litauen gehen, dort seinen neuen Lebensmittelpunkt finden. Der Rechtsanwalt und Notar wird seinem Beruf dort nicht mehr nachgehen. Er und seine Frau haben bereits vor zweieinhalb Jahren ein Haus gekauft, direkt am Kurischen Haff. Hier werden sie leben, und Quartiere an Gäste vermieten. Während sich Raimonda Meyer künftig neben dem Journalismus der Gästevermietung zuwenden wird, hofft Uwe Meyer, in der Kunst aufgehen zu können. „Kunst ist ein ganz wichtiger Teil meines Lebens“, so Meyer. Und wagt ihn, den Neustart, ergreift beherzt die „Chance“, wie er die Möglichkeit bezeichnet, mit 63 Jahren noch einmal neu anfangen zu können im Leben. „Ein Geschenk“, freute sich Uwe Meyer am Mittwochvormittag im Burger Rathaus. „Abschied Nummer eins“, sagte er leise, kurz bevor er den Sitzungssaal betrat, in dem sich ihm zu Ehren einige Freunde und Gefährten eingefunden hatten, die ihn, Uwe Meyer, auf seinem Weg als Vorsitzender des Partnerschaftskomitees auf fehmarnscher Seite begleitet hatten und die Zeugen der Ausgestaltung dieser Städtefreundschaft wurden, an der Uwe Meyer all die Jahre maßgeblich Anteil hatte.

Es war ein Abschied. „Ich gehe von der ersten Heimat in die zweite Heimat“, sagte Uwe Meyer. Und es war gleichermaßen ein Willkommen. Denn so wie Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt dem scheidenden Vorsitzenden für sein Engagement und seine Verdienste in all den Jahren dankte, hieß er den neuen Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees, Uwe Hardt, willkommen. Und der war seit jeher ganz nah dran, am Thema: Als Bürgervorsteher der damaligen Stadt Burg auf Fehmarn hatte Uwe Hardt die Städtefreundschaft mit begründet.

„Mit Wehmut aber auch viel Zuversicht“

Wenn sich eine Tür im Leben schließt, öffnet sich da- für eine andere, heißt es. Für Uwe Meyer war der gestrige Empfang ein Verschnaufen inmitten all der Vorbereitungen, die zu treffen sind, wenn man seinem bisherigen Leben neue Wege weist. 

Der Rechtsanwalt und Notar wird im nächsten Monat sein Anwaltsbüro schließen, auch privat, in Wulfen, werden Umzugskartons gepackt. Noch narkotisiert der Stress die Erinnerungen an die Zeit, die Meyer auf Fehmarn verlebte. „Ich gehe in meine zweite Heimat. Meine erste Heimat bleibt meine erste Heimat.“ Über 30 Jahre sei er hier tätig gewesen, „habe viele Menschen kennengelernt, die ich verlasse.“

Apropos. Fehmarn verlasse er mit Sorgen, was die Planungen in Sachen Feste Fehmarnbelt-Querung betreffe. „Die neueste Entwicklung gefällt mir gar nicht“, meint Meyer den Rückzug der Bundesregierung aus dem Projekt. „Ich hoffe, dass Fehmarn, meine Heimat, das übersteht.“

„Ich scheide mit Wehmut aber auch viel Hoffnung und Zuversicht von der ersten in die zweite Heimat“, so  Meyer. Und übertrug die Amtsgeschäfte an einen anderen Uwe: Hardt. „Ne, die Puschen sind mir zu groß“, war seine erste Reaktion gewesen, als Meyer ihn für seinen Nachfolger ins Auge gefasst hatte. All die Aktionen: Segelkinder, Sportleraustausch, Studenten, die auf Fehmarn arbeiten, Lehrer von Fehmarn, die Englisch und Deutsch in Litauen unterrichten. Bilder- und Fotoausstellungen, der musikalische Austausch – litauische Sänger und Trachtengruppen hier, feh- marnscher Gospelchor dort –, ob das Pflanzen einer Friedenseiche, DRK-Ortsvereine, die ihren Dienst in die gute Sache gestellt haben. Und die vielen offiziellen und privaten Besuche hier und dort, die die Partnerschaft mit Leben füllten. Da wurde Hardt doch bang: „Ich übernehme das Amt gerne, aber es fällt mir schwer.“

Uwe Hardt hatte noch vor Augen, als er seinerzeit mit Bürgermeister Klaus Tscheuschner nach Litauen geflogen war.  „Wir waren nahezu die einzigen im Flieger“, erinnerte er, auch an die zu leerenden „Vodka-Badewannen“, an die Währung – Dollar war die Empfehlung der Banken.

Was das anbelangt, ist Uwe Meyer voll und ganz zufrieden. Fragen wie „Wo liegt die Nehrung?“ – „Ach ja, das ist Russland“ oder „Sibirien“ ge- hörten der Vergangenheit an. „Ein weißer Fleck in der Vorstellung der Menschen“, der heute nicht mehr existiere.

Bei allen, die ihn auf seinem Weg begleitet hatten, bedankte sich Meyer. Sie alle hätten dazu beigetragen, die Seele und Herzen der Menschen zueinander kommen zu lassen. Für seine Arbeit sei er reich entlohnt worden, habe viele Freunde gefunden und in Ausra Feser eine „kongeniale Partnerin“ auf litauischer Seite, eine „Schwester“.

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