1. Fehmarnsches Tageblatt
  2. Fehmarn

Wanderaustellung auf Fehmarn: Geist Arne Jacobsens erwacht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Andreas Höppner

Kommentare

Fehmarn Modell Arne-Jacobsen-Siedlung
Brandneu und am Freitag enthüllt: das Modell der Arne-Jacobsen-Siedlung Burgtiefe im Maßstab 1:1000. © Andreas Höppner

Noch bis Ende August ist Ausstellung „Gesamtkunstwerke – Architektur von Arne Jacobsen und Otto Weitling in Deutschland auf Fehmarn zu sehen.

Fehmarn – Auf die Entwürfe der bedeutenden dänischen Architekten Arne Jacobsen und Otto Weitling gehen in Deutschland acht prägende Gebäude oder Ensembles zurück. Sieben von ihnen werden in einer am Freitagabend eröffneten Wanderausstellung im Haus des Gastes beschrieben und noch bis Ende August unter dem Titel „Gesamtkunstwerke – Architektur von Arne Jacobsen und Otto Weitling in Deutschland“ präsentiert. Die Arne-Jacobsen-Siedlung in Burgtiefe ist dabei flächenmäßig das größte Projekt in Deutschland.

Anlässlich des 50. Todestages Jacobsens hätte die Ausstellung eigentlich schon im letzten Jahr in Burgtiefe laufen sollen, doch 2021 bremste Corona das Vorhaben der Kuratoren Hendrik Bohle und Jan Dimog aus. Jetzt freuen sich die Veranstalter umso mehr, dass ihre Ausstellung über einen so langen Zeitraum in der Sommersaison stattfinden und das Werk der dänischen Architekten einem breiten Publikum, „nicht nur Fachpublikum“, so Bohle, nahegebracht werden kann. Kulisse ist dabei das sichtbar in die Jahre gekommene Haus des Gastes, dessen Ausstattung noch immer den Geist des unverwechselbaren Jacobsen durch die funktional und lichtdurchfluteten Räumlichkeiten wabern lässt.

Weber: Architektur ist streitbar

„Architektur ist streitbar“, verwies Bürgermeister Jörg Weber darauf, dass jeder Architekturstil auch die Kritiker auf den Plan ruft. Dennoch, so Weber, „der Ortsteil Burgtiefe birgt einen Schatz, den es zu bewahren gilt“. Die Stadt Fehmarn leiste dazu ihren Beitrag mit der städtebaulichen Sanierung der Tiefehalbinsel. Eine „Herkulesaufgabe“, die gemeinsam mit der BIG Städtebau in den kommenden zwölf Jahren angegangen werde.

Ihn freue es, dass Fehmarn dank der Ausstellung nun in einem Atemzug mit den Städten Hamburg, Berlin, Hannover, Mainz und Castrop-Rauxel genannt werde, so Weber. Denn nicht nur Burgtiefe trägt die Handschrift Jacobsens und Weitlings, stellte Hendrik Bohle bei einem Gang durch die Ausstellung die in die Kategorie des Nordischen Funktionalismus einzuordnenden weiteren Bauten vor. Darunter die 1957 entstandenen Atriumhäuser in Berlin, das Glasfoyer in den Herrenhäuser Gärten in Hannover (1966), die HEW-Zentrale in Hamburg (1969), in der laut Jan Dimog noch Vattenfall untergebracht ist, das Gymnasium Christianeum in Hamburg (1971) sowie die Rathäuser in Mainz (1973) und Castrop-Rauxel (1976).  

„Das Glasfoyer in Hannover heißt mittlerweile Arne-Jacobsen-Glasfoyer“, und auch das HEW-Gebäude werde nach dem Auszug von Vattenfall in einigen Jahren in Arne-Jacobsen-Haus umbenannt, sieht Jan Dimog in der neuen Namensgebung der Gebäude eine besondere Wertschätzung des dänischen Architekten, der in seiner Heimat „verehrt wird“.

Fehmarn Kuratoren Ausstellung Burgtiefe
Die Kuratoren Jan Dimog (l.) und Hendrik Bohle mit Tourismusdirektor Oliver Behncke (r.) im Haus des Gastes bei einem Rundgang durch die Ausstellung. © Andreas Höppner

Dimog und Bohle erinnern gegenüber der Presse daran, dass die Wanderausstellung, die bereits in Berlin in der Nordischen Botschaft, in Hannover, Castrop-Rauxel und im Jenisch Haus in Hamburg zu sehen war und nun in Burgtiefe Station macht, hier auf Fehmarn 2018 im Rahmen einer Journalistenreise als Idee geboren worden sei. 

Für Hendrik Bohle steht fest, dass besonders bei Jacobsens Architektur in Burgtiefe „das Erlebnis im Mittelpunkt steht“. Er verweist dabei auf das erhöht gebaute Meerwasserwellenbad, eingerahmt vom Haus des Gastes und ursprünglich auch vom Kurmittelhaus, wo mittlerweile das „FehMare“ seinen Platz gefunden hat, sowie die IFA-Türme, die von Jacobsen nur fünfstöckig geplant, später jedoch 17-stöckig gebaut wurden. „Ein Vorgriff auf den späteren Tourismus“, so Dimog, der ergänzte, dass es damals leider um Bettenmaximierung gegangen sei.

„Herausragendes Kulturerbe“

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung konnte Tourismusdirektor Oliver Behncke mit Jesper Schou-Knudsen den Leiter der Kultur- und Kommunikationsabteilung der dänischen Botschaft in Berlin begrüßen. In gewohnt lockerer dänischer Art erzählte er, dass die Ausstellung ein „Herzensprojekt der dänischen Botschaft“ sei und sich die Kuratoren auf die Spur „der dänischen Ausnahmearchitekten“ und deren „herausragendes Kulturerbe“ begeben hätten. Und zu Recht sei das Ensemble in Burgtiefe unter Denkmalschutz gestellt worden, so Schou-Knudsen.

Legendärer Stuhl der Serie 7

Die Ausstellung – eine Hommage an Arne Jacobsen und Otto Weitling – wäre nicht vollständig, wenn nicht auch auf den Designer Jacobsen eingegangen würde. Unvergessen sind beispielsweise die Stühle der Serie 7, dem Original-Gestühl des Haus des Gastes, die ebenfalls in Augenschein genommen werden können und auf denen schon so mancher Fehmaraner gesessen und so manch einen Knochen gespürt hat.  

Die Wanderausstellung im Haus des Gastes ist ab heute bis zum 28. August täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet, lediglich montags wird pausiert. Der Eintritt ist frei.

Auch interessant

Kommentare