Wasserrettungszüge Nord und Ost der DLRG probten auf Fehmarn den Ernstfall – 59 Einsatzkräfte

Was, wenn das Hochwasser kommt?

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Einer der Darsteller ging beim Einsteigen über Bord. Für die Einsatzkräfte eine besondere Herausforderung.

FEHMARN - Von Jana Bergmann Hochwasser. Menschen müssen evakuiert werden. Kinder, Verletzte oder verängstigte Personen wollen in Sicherheit gebracht werden. Einige fordern das lautstark ein, wieder andere, die Hilfe bräuchten, wollen sich nicht helfen lassen. Die Lage ist angespannt. Und dann sind da die, die die Nerven behalten – die Rettungskräfte. Und damit die im Ernstfall vorbereitet sind, stehen regelmäßig Übungen auf dem Plan. Eine solche Übung fand am Sonnabend in Burgstaaken und Burgtiefe statt. Dort übten zwei Wasserrettungszüge der DLRG Schleswig-Holstein für den Hochwasserfall.

Bei der Einsatzübung galt es für die verschiedenen Fachgruppen, unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen. Von Burgtiefe aus wurde der Einsatz koordiniert. Bereits kurz nach Beginn der Übung um 13 Uhr waren die Taucher schon startklar. Sie erledigten Arbeiten unter Wasser. So müssen im Falle eines Hochwassers zum Beispiel Abflüsse verschlossen werden, damit aus ihnen nichts austreten kann. Eine weitere Aufgabe der Einsatztaucher im Hochwasserfall ist auch die wasserseitige Deichsicherung oder die Erkundung. Trainiert wurde das im Hafenbecken des Jachthafens Burgtiefe anhand kleinerer Arbeitsaufträge. „Dabei soll vor allem geschaut werden, ob die Abläufe passen“, so Felix Heymann, bei der DLRG Landesbeauftragter für Gefahrenabwehr und Katastrophenschutz. Gerade für die Taucher sei es wichtig, mit immer wieder anderen Übungsszenarien konfrontiert zu sein. Heymann spricht aus Erfahrung, ist selbst Einsatztaucher. Fehmarn biete sich unter anderem dadurch an, dass es für das Tauchen im Meer optimale Bedingungen biete. Gerade am Sonnabend, der am Tag der Einsatzübung bestes Wetter bereithielt. Gar nicht so einfach, sich da in ein Hochwasserszenario an einem stürmischen Tag hineinzudenken. Die rund 40 Mimen der realistischen Unfall- und Notfalldarstellung schienen damit aber kein Problem zu haben. Sie mussten aus Burgstaaken evakuiert werden. Der Landweg? Vom Hochwasser versperrt. So das Szenario. Bei der Evakuierung wurden die Einsatzkräfte vor verschiedene Schwierigkeiten gestellt. Personen, die drängeln, versuchen in eines der Boote zu gelangen, obwohl dieses schon voll ist, Personen, die sich nicht helfen lassen wollen, Personen, die starr vor Angst sind – damit wären die Helfer auch im Realfall konfrontiert. Auch musste eine Rollstuhlfahrerin nach Burgtiefe gebracht werden sowie eine Person, die nur liegend transportiert werden kann. Schnell reagierten die DRLG-Einsatzkräfte auch darauf, dass eine der Mimen beim Einsteigen ins Boot über Bord ging. Und dabei sollten die Helfer stets den Überblick behalten. Wer steigt wann in welches Boot ein, wo sind Prioritäten zu setzen? Um das zu schulen, waren die Helfer stets mit vielen zu evakuierenden Personen konfrontiert. Besondere Herausforderung: Es musste vom Boot aus gefunkt werden, weil die Handfunkgeräte durch die Bebauung am Hafen in ihrer Reichweite beschränkt waren. So war der Gruppenführer an das Boot gefesselt.

Er forderte Führungspersonal nach, damit eine zweite Person an Land den Überblick behalten kann. Erst eine Dreiviertelstunde später kam die Verstärkung. Für Felix Heymann ein gutes Beispiel dafür, dass nicht immer alles hundertprozentig glatt läuft. „Kommunikation ist das A und O. Jeder muss jederzeit wissen, was los ist“, so Heymann. Eine DLRG-Übung in dieser Größenordnung hatte Fehmarn bis dato noch nicht gesehen. 59 Männer und Frauen der Wasserrettungszüge (WRZ) Nord und Ost der DLRG Schleswig-Holstein stellten ihr Können unter Beweis. Für die Organisation zeichnete der WRZ Ost (Kreise Ostholstein, Stormarn und Lübeck) verantwortlich. Ziel der gemeinsamen Übungen ist, dass je ein Zug geschlossen trainieren kann, während der andere die Übung vorbereitet und den Ablauf im Blick hat. Erst im vergangenen Jahr fand die erste gemeinsame Übung der beiden Züge in Husum statt, ausgerichtet vom WRZ Nord (Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg). Thomas Sprock, Zugführer das WRZ Ost, zog gestern eine positive Bilanz. Zufrieden zeigte er sich zum einen mit dem Ablauf der Übung, die trotz kleiner Pannen – zum Beispiel fiel der Strom für eine halbe Stunde aus – reibungslos vonstattenging. Zum anderen bescheinigte Thomas Sprock den übenden Einsatzkräften, zusammengesetzt aus dem WRZ Nord und Teilen des WRZ Ost, eine gute Leistung. „Natürlich gibt es immer auch Sachen, die man besser machen kann, aber genau das soll sich ja bei so einer Übung zeigen“, so Sprock. Feedback für die einzelnen Stationen gab es von den Beobachtern unmittelbar nach der Übung. Auch das Szenario sei von den Übenden gelobt worden. Jeder konnte anpacken und etwas für künftige Einsätze mitnehmen. Dafür lohne sich der Aufwand, immerhin habe man mit den Vorbereitungen für die Übung bereits vor rund einem Jahr begonnen, berichtete Sprock. Dabei sah man sich gut unterstützt von der DRK-Gruppe Neustadt, die für Unterkunft und Verpflegung sorgte, sowie von der Stadt Fehmarn, die mit der Turnhalle in der Ohrtstraße eine Unterkunft stellte.

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