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Was würden die Kommunalpolitiker als Regent von Fehmarn sofort für die Insel umsetzen?

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Von: Nicole Rochell

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Falko Siering im Porträt
Falko Siering, Vorsitzender des grünen Ortsverbandes Fehmarn. © Archiv

Das FT hat die Kommunalpolitiker mal gefragt, was sie als Regent von Fehmarn sofort umsetzen würden. Ohne politische Mehrverhältnisse oder Auflagen des Kreises.

Fehmarn – Regieren, ohne von politischen Mehrheitsverhältnissen abhängig zu sein, ohne sich um Auflagen des Kreises oder Landes scheren zu müssen, ohne bürokratische Hemmschuhe, die den Weg von der Idee bis zur Umsetzung noch häufig zusätzlich in die Länge ziehen – da würde Politik doch mal wieder so richtig Spaß machen, oder? Diese, zugegebenermaßen, diktatorische Regierungsform haben wir unseren kommunalpolitischen Gesprächspartnern als Instrument an die Hand gegeben. Und die Königswürde dazu. Denn als Regent von Fehmarn kann man Dinge, selbst in der Kommunalpolitik, mit einem Fingerschnippen umsetzen. „Das sind meine Wünsche – so sei es.“ Was dürfte es da für Sie sein, König Ehlers?

Werner Ehlers im Porträt
Werner Ehlers, stellvertrender Bürgervorsteher und CDU-Fraktionschef © Archiv

Der braucht nicht lange für die Überlegung, verfügen zu lassen, dass sofort und auf der Stelle Baurecht geschaffen werde für bezahlbaren Mietwohnraum auf der Insel. „Das Allerwichtigste. Das wäre mein größter Wunsch“, so Werner Ehlers, stellvertretender Bürgervorsteher und der Chef der CDU-Fraktion, wenn er nicht gerade König ist. „So etwas lässt sich nur regeln mit Diktatur“, lässt er sich schmunzelnd aufs Rollenspiel ein und hat gleich seinen nächsten Wunsch am Start, der nach ebenfalls zügiger Abwicklung verlange. Die Baumaßnahmen auf der B207 im Zuge der Festen Fehmarnbeltquerung, die Sache mit dem Sundtunnel, das Volk erinnert sich bestimmt. Sofort würde er anordnen, dass die Planungen endlich in eine Hand genommen, der Sundtunnel zügig geplant und in Angriff genommen werden würde.

Dass wir auf Fehmarn unsere Straßen so hinbekommen, dass wir vernünftig darauf fahren können

Werner Ehlers, stellvertrender Bürgervorsteher und CDU-Fraktionschef

Der dritte Wunsch tangiert die Kutschfahrten des Königs und seines Volkes: „Dass wir auf Fehmarn unsere Straßen so hinbekommen, dass wir vernünftig darauf fahren können“ – voller Sinnhaftigkeit und Qualität –, stellt sich Ehlers vor, der, gedanklich schnell wieder im normalen Leben angekommen, an dieser Stelle gerne noch einmal darauf hinweist, dass es nicht zwangsläufig verschulden der Politik sei, wenn eine Sache mal wieder länger dauere.

Heinz-Jürgen Fendt im Porträt
Heinz-Jürgen Fendt, Erster Stadtrat und Chef der SPD-Fraktion © Archiv

König Fendt würde den gesellschaftlichen und sozialen Frieden verordnen. Die Leute machten sich in den sozialen Medien gegenseitig fertig. Hier sei ein ordentliches Miteinander unumgänglich. Man könne nicht immer nur auf seiner Meinung bestehen, so Heinz-Jürgen Fendt, Erster Stadtrat und Vorsitzender der SPD-Fraktion, man müsse auch die Meinung des anderen respektieren, sich kompromissbereit annähern, um dann gemeinsam Wünsche oder Lösungen zu formulieren. 

Einheimische und junge Familien müssen die Möglichkeit haben, hier auf Fehmarn zu bezahlbarem Eigentum zu kommen

Heinz-Jürgen Fendt, Erster Stadtrat und Chef der SPD-Fraktion

„Einheimische und junge Familien müssen die Möglichkeit haben, hier auf Fehmarn zu bezahlbarem Eigentum zu kommen“, so Fendt, der, hätte er es in der Hand, sofort auch an der Schraube der städtischen Infrastruktur drehen würde. Auch und vor allem in Bezug auf den Klimaschutz, schwebt ihm vor, und nennt auch das Mobilitätskonzept. „Dass alle Menschen gut davon partizipieren können, ohne viel Geld dafür bezahlen zu müssen“, so Fendt. 

Grundsätzlich wünsche ich mir mehr Mut, aus dem Jetzt heraus die Zukunft positiv zu gestalten

Falko Siering, Vorsitzender des grünen Ortsverbandes Fehmarn

Auch Falko Siering, Sprecher des Grünen-Ortsverbandes, kam am Mittwoch zu Königswürden. Sein Thema war eine verbesserte digitalisierte Infrastruktur für die Schulen auf Fehmarn und für Gesamt-Fehmarn. „Durch die Pandemie haben wir gesehen, wie weit wir hinterherhinken, auf Fehmarn. Das hat uns im schulischen Bereich halbwegs das Genick gebrochen“, sagt Falko Siering, der sich eine digitale Weiterentwicklung bereits vor zwei Jahren gewünscht hätte. Zudem dürfe man nicht vergessen, dass diese Technik auch Zukunftsperspektiven eröffnen könne, die, wenn es um Arbeitsplätze gehe, nicht zuletzt wichtig für den ländlichen Raum seien. Falko Siering wünscht sich einen derart gut ausgebauten ÖPNV, „dass man das Auto nur noch im Notfall nutzen möchte“. Der Individualverkehr sei zu minimieren, so Siering und wünscht sich, dass Touristen hier auf Fehmarn lieber den ÖPNV nutzten, statt mit dem eigenen Auto die Insel entdecken zu wollen, setzt Siering komplett aufs Mobilitätskonzept. „Grundsätzlich wünsche ich mir mehr Mut, aus dem Jetzt heraus die Zukunft positiv zu gestalten“, wünscht sich Siering abschließend.

Oberste Priorität: Wir gründen eine Baugenossenschaft und schaffen Wohnraum für Fehmaraner

Hans-Peter Thomsen, Vorsitzender der FDP-WUW-Fraktion

„Oberste Priorität: Wir gründen eine Baugenossenschaft und schaffen Wohnraum für Fehmaraner.“ Hans-Peter Thomsen, Vorsitzender der FDP-WUW-Fraktion, hat nicht lange überlegen müssen. „Heiligenhafen hat uns das vorgemacht“, so Thomsen, der an das Grundstück in der Burger Gorch-Fock-Straße erinnert, das die Stadt schon seit zwei Jahren habe. „Also: Wenn wir das ernst meinen, mit dem Thema – Baugenossenschaft gründen und anfangen zu bauen.“

Klimaschutz sei ein großes und sehr wichtiges Thema. Fehmarn habe den Klimanotstand beschlossen, trotzdem sei die Sache lange Zeit stiefmütterlich behandelt worden, findet Thomsen, der sich für dieses Thema einen Klimamanager wünscht statt des benannten Klima-Trios, bekanntlich bestehend aus den Verwaltungsmitarbeitern Beate Burow von der Geschäftsstelle des Umweltrates sowie Lars Laußat und Johannes Hügel aus dem Bauamt, das in der Verwaltung originär mit anderen Aufgaben betraut sei, sagt Thomsen. 

Für ihn gehörten so schnell wie möglich „Fakten auf den Tisch“ wenn es darum gehe, künftig neue Baugebiete auszuweisen. Thomsen nimmt die „Sundseele“ in Fehmarnsund, das Ferienhausgebiet von Investor Martin Specht, beispielgebend zur Vorlage. „Mit einem Heizkraftwerk, das Strom und Wärme erzeugt, hoch energetisch, mit Solaranlage auf dem Dach – das sind Konzepte, die wir schnell umsetzen und sagen können: Bei uns wird künftig nur noch so gebaut“, so Hans-Peter Thomsen. Der nutzte seine Rolle als König und erklärt dem Volk an dieser Stelle, dass für die FDP-WUW-Fraktion und ihre Arbeit nur eine Frage zähle: Was hat Fehmarn davon?

Grund-Wunsch seiner drei Wünsche: Mehr Gelassenheit, dann klappt‘s auch mit dem Rest leichter. Dirk Frohberg, von den Freien Wählern, wenn er nicht gerade regiert, wünscht sich ein gerüttelt Maß an Besonnenheit und Abgeklärtheit auch und vor allem für den sozialen Frieden auf der Insel. Dann würden vielleicht auch wieder „saubere und ordentliche Unterhaltungen in einem vernünftigen Rahmen“ geführt werden können, so Frohberg. Politik habe immer die Schwierigkeit, alle unter einen Hut zu bringen und stets einen Mittelweg finden zu müssen, sagt er.

Dirk Frohberg im Porträt
Dirk Frohberg, stellvertrender Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler Fehmarns. © Lars Braesch

Bezahlbarer Mietwohnraum sei sehr wichtig, würde Frohberg, könnte er‘s beeinflussen, sogleich an dieser für ihn so wichtigen Schraube stellen. Der nächste Schritt wäre dann der Eigentumsmarkt. Die Immobilienpreise seien exorbitant.

Da muss die Akzeptanz vielleicht einfach besser sein. Ich habe das Gefühl, dass die Touristen sich nicht immer willkommen fühlen

Dirk Frohberg, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler Fehmarns

Last but not least würde sich Dirk Frohberg wünschen, dass die Bevölkerung wieder erkenne, dass der Tourismus ein Teil von Fehmarn sei. Und zwar kein unerheblicher. Etwa 85 Prozent der Arbeitsplätze auf Fehmarn hängen vom Tourismus ab, schätzt Frohberg. „Da muss die Akzeptanz vielleicht einfach besser sein. Ich habe das Gefühl, dass die Touristen sich nicht immer willkommen fühlen“, so Frohberg, der feststellt, dass Tourismus bestenfalls, also auf beiden Seiten, ein Geben und Nehmen sein sollte.

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