Schon die Lütten wissen, wie‘s geht / Fehmarns Kitas halten Betrieb in Corona-Zeiten aufrecht

Wasser, Seife und Happy Birthday

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„Kinderland“-Leiterin Wanda Nupnau und Tina Gätgens (r.) und hinten Denis Lück (pädagogisches Personal) auf dem Aufgang zur Rutsche im Außenbereich der Landkirchener Kindertagesstätte

Fehmarn – Von Nicole Rochell Da steht er im Waschraum, der Knirps. Am Waschbecken. Die Hände eingeseift, die er ordentlich bearbeitet, und singt „Happy Birthday“ aus vollem Hals. Zweimal das Geburtstagslied, so viel wissen die Kinder inzwischen – so lange werden jetzt die Hände geschrubbt. „Wegen Corona, ne?“, haben mittlerweile schon die Kleinsten begriffen, dass das regelmäßige Händewaschen derzeit mehr Aufmerksamkeit verlangt.

Auch wenn sie in den seltensten Fällen ganz genau begreifen, was Corona eigentlich ist. Aber seit dieses Wort kursiert, muss man eben gewisse Dinge tun. Bestenfalls auch in der richtigen Reihenfolge. So wird erst die Armbeuge herangezogen, in die man dann niest. Manchmal allerdings, wenn‘s schnell gehen muss, weil sich der Nieser partout nicht hinauszögern lassen will, ist es auch mal umgekehrt. Aber Wanda Nupnau nimmt‘s gelassen. Kleinen Kindern beizubringen, dass sie nicht auf die gerade erst aufwendig und gründlichst desinfizierte Brio Holzeisenbahn zu niesen haben, was das langwierige Prozedere damit augenblicklich erneut in Gang setzt, ist eben nicht so einfach. Und wenn der Lütte dann mit schuldbewusstem Dackelblick schnell noch ein „O, falsch rum, ne?“, hinterherschickt, kann man doch gar nicht sauer sein. Also: Desinfektionsmittel her, und das Ganze noch einmal von vorn. Ohnehin x-mal am Tag. Überall.

Die besonderenHygieneregeln und alle anderen Auflagen in der Landkirchener Kita „Kinderland“ unter Trägerschaft des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) werden strikt umgesetzt. Und eingehalten. Alle spielen mit. Wanda Nupnau, Leiterin der Einrichtung, das komplette 14-köpfige Team bestehend aus zwölf pädagogischen Mitarbeitern. Auch die Eltern. Sie akzeptieren das Betretungsverbot, bringen ihr Kind über das Außengelände, hinten durch den Garten, zur Terrassentür, wo Erzieher die Kleinen in Empfang nehmen. Jedes Kind hat neuerdings einen eigenen Stuhl, auf dem es seine Sachen ablegen kann. Damit wird eine mögliche Gruppensituation im Garderobenraum von vornherein umgangen. Auch andere Rückzugsorte der Kita sind für die Lütten seit Wochen tabu. So haben die Erzieher die Kinder besser im Blick und können leichter für die Einhaltung der erforderlichen Regeln sorgen. 

Gearbeitet wird ohne Mundschutz

Mit

Mundschutz

muss im

„Kinderland

“ nicht gearbeitet werden. „Das wäre auch schwierig und befremdlich für die Kinder“, so Wanda Nupnau, und weiß, dass die Umsetzung aller Auflagen gar nicht einfach ist für die Lütten. So hapert es dann und wann bei der Einhaltung der Abstandsregel. „Die Kinder brauchen den Bezug und die Nähe“, versteht Wanda Nupnau, dass den Lütten der Wechsel von Kuschelkurs zu Distanz bewahren nicht leicht fällt. Enge körperliche Kontakte sollen derzeit aber nicht sein. „Macht das mal nicht“, sagen Wanda Nupnau und Team dann. Und damit hat sich die Sache.

Die Kinder benutzen natürlich ihr eigenes Glas, ihre eigene Zahnbürste, das Spielmaterial ist in Zeiten von Corona reduzierter, nicht Hunderte von Lego-Teilchen, übersichtlicher eben. Apropos. Übersichtlich ist derzeit auch die Anzahl der Kinder in Fehmarns Einrichtungen, die in der Krise ihre Schotten nicht dicht machten, sondern die ganze Zeit über mit zunächst eingeschränkten (16. März bis 19. April) und jetzt flexiblen Notbetreuungen (Stufe I seit dem 20. April, Stufe II ab heute) da waren. Zunächst für Kinder von Eltern, die beide in systemrelevanten Berufen arbeiten, ohne eine Alternative der Kinderbetreuung zu haben. Ab dem 20. April konnten Kinder von Eltern, wo nur noch einer in einem Beruf arbeitet, der unverzichtbar fürs Gemeinwesen ist, Kinder von berufstätigen Alleinerziehenden und Kinder, die unter den Kinderschutz-Gedanken fallen, in die Landkirchener Ringstraße 2a gebracht werden.

Auch die Einrichtungen in Puttgarden (DKSB-Kindertagesstätte „Kinderinsel“), Petersdorf (evangelischer Kindergarten „Gänsewiese“) sowie die vier Häuser in Burg (evangelischer Kindergarten „Nikolinchen“, DKSB-Kindertagesstätte „Sonnenschein“, Kinderspielkreis „Wirbelwind“ und DRK-Kindergarten Burg) hatten, seitdem der Regelbetrieb eingestellt wurde, die Notbetreuung durchgeführt.

In Landkirchen werden seit April 20 Kinder betreut, 50 werden es ab heute sein. Wanda Nupnau: „Wir wünschen uns wieder Normalität“, die in Zahlen folgendermaßen aussieht: 92 Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren besuchen für gewöhnlich die Landkirchener Kindertagesstätte „Kinderland“. Im Hort, der Kindertagesbetreuung von Grundschülern, sind im Normalfall 15 Kinder. Rund 75 Essens-Kinder gab es vor Corona in der Landkirchener Kita. Derzeit bleibt dieKüche kalt, bringen sich die Lütten ihr Essen mit.

Auch wenn alles anders ist – inzwischen hat er sich schon ein bisschen eingestellt, der Alltag in der Krise. Das war und ist für niemanden leicht. „Keiner hat Erfahrung. Pest und Cholera sind schon lange her“, so Wanda Nupnau, die es seit Corona mit einer ganz neuen Themenlandschaft zu tun bekommt. „Die Aufgaben wurden noch einmal neu verteilt, ganze Abläufe mussten sich neu formieren“, so Nupnau.

Über allem schwebt die Einhaltung der Auflagen, und dennoch ist es wichtig, die Kinder nicht zu verschrecken oder gar Verbote auszusprechen. „Wir versuchen, so normal wie möglich zu arbeiten“, so die Leiterin der Landkirchener Kindertagesstätte, die sich inzwischen gut in die Thematik und die erforderlichen Auflagen eingearbeitet hat. Etwa 100 Seiten Papier mit Informationen, Verordnungen und Erlassen füllen mittlerweile einen Ordner, der heute noch einmal an Umfang zulegen wird.

Nach der ersten gezündeten Stufe der

Notbetreuung

starten die Kindertagesstätten heute in die Phase zwei, die nach der fünf-Kinder-in-vier Gruppen-Regelung jetzt fünf Gruppen zu je zehn

Kindern

gestattet. Zusätzlich zu den notbetreuten Kindern dürfen die Kindertagesstätten jetzt auch wieder die Kinder nehmen, die im Sommer in die Schule kommen. Und neben den Vorschulkindern dürfen auch Kinder mit heilpädagogischem Förderbedarf betreut werden.

Wenn in der ersten Corona-Zeit von Fenstern und Balkonen applaudiert wurde, symbolisch, für die Ärzte und das Pflegepersonal im Land, für die Apotheker, die Arbeiter im Super- und Drogeriemarkt, für die Müllmänner, Paketboten und Mitarbeiter der Lieferdienste, Banner aufgehängt wurden, um Danke zu sagen, dann hätte Wanda Nupnau sich und all ihre Kollegen auch gerne einmal in den Aufzählungen der „Helden in Corona-Zeiten“ gesehen.

„Wir waren die ganze Zeit da und werden es auch künftig sein. Auch wir unterstützen das System“, sagt sie und führt noch einmal vor Augen, dass die Arbeit, die sie und all ihre Kollegen leisten, mit einer hohen Verantwortung einhergehe. Vor allem in Corona-Zeiten. „Ich mache das, weil ich meinen Beruf liebe und mir meiner Verantwortung bewusst bin“, sagt Wanda Nupnau und trägt die Nachricht hinaus ins Land, bis nach Kiel: „Macht die Kitas wieder auf!“, fordert sie eine schnellere Rückkehr zur Normalität. Und bedankt sich bei den Eltern: „Es ist schön, dass die Eltern uns ihre Kinder in der schwierigen Zeit anvertrauen. Das ist ein großer Vertrauensbeweis“, freut sich Wanda Nupnau darüber.

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